Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 53 (2.7.1896)
- Date
- 1896-07-02
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1018 Herstellung des Gebäudes, ohne dieses Geld indessen bewilligt zu sehen. Dagegen wurden 10,000 Rubel von diesen Geldern zu einem Gemeindehospital entnommen. In Kischinew hat man kürzlich einen prachtvollen Vau zur Unterbringung einer Secundärschule des Staates errichtet. Die Kosten, die sich auf 40,009 Rubel belaufen, wurden von der Koschertare bestritten. Die jüdischen Kinder werden in dieser Schule nur im Verhältnis zu 10 von hundert der Gesammtzahl der Zöglinge ausgenommen. Nach der Zeitung „Wolga" gäbe es in der Provinz Wolhvnien allein 2142 Juden und 2111 Jüdinnen, die ausschließlich dem Ackerbau obliegen. Türkei. Constantinopel, 25. Juni. Vor einigen Tagen haben die Muselmanen das Neujahrsfest gefeiert. Es sind somit 1814 Jahre, seit dem Mohammed, der Begründer der islamitischen Religion, verfolgt von der Wuth der Gegner in Mekka, die Flucht nach Medinah ergriffen. Dieses Fest der Hegira ist im religiösen Leben der Mohammedaner ein bedeutsames Ereigniß und wird mit großer Feierlichkeit begangen. Wie immer, freuen sich dabei die türkischen Beamten. Nachdem Seine Mrjestät der Sultan die ergebensten Glückwünsche entgegengenommen, werden Goldstücke neuester Prägung mit dem Datum des beginnenden Jahres unter die erschienenen Würdenträger und hohen Beamten vertheilt. Jenen händigt der freigebige Großherr der Türkei eine ansehnliche Summe Goldes in einem Seidenbentelchen persönlich ein, während diese je nach ihrem Rang ein oder mehrere Goldmünzen aus den Händen des kaiserlichen Kammerherrn empfangen. Damit ist jedoch die Gnade des selten gütigen Beherrschers der Gläubigen noch nicht erschöpft. Wer zu Korban-Beiramdenverdientenoder erhofften Gunstbeweis vom Sultan nicht erhalten, thut gut, in geduldiger Erwartung dem Neujahrsfeste entgegenzusehen. Vergessen oder übersehen, wenn man irgendwie die kaiserliche Anerkennung verdient, ist man sicher, bei dieser Gelegenheit einer Auszeichnung theilhaftig zu werden. Zwei hervorragende türkische Glaubensgenoffen haben Orden erhalten. Dem Oberrabbiner von Kreta, Herrn Avram Effendi, hat der Sultan die II. Classe, Herrn Juda Kamhi Effendi, Großrabbiner von Janina, die II l. Claffe des Medschidijä-Ordens verliehen. Diese beiden Auszeichnungen sind unter den Verhältniffen, die zur Zeit im osmanischen Reiche obwalten, von besonderer Bedeutung. Bekanntlich herrschen auf der kanadischen Insel große Unruhen, so daß die Türken, um die Ordnung aufrecht zu erhalten und die Sicherheit zu wahren, als letzte Maßregel die Zuflucht zum Belagerungszustände ergreifen mußten. Während nun die Kretenser ihre Türkenfeindlichkeit öffentlich in herausforderndster Weise bekunden, macht die Haltung der Juden der Insel einen ungemein wohlthuenden Eindruck in den maßgebenden politischen Kreisen der Türkei. Und der Türke ist dankbar, selbst wenn der Dienst, den man ihm erwiesen, ein indirekter ist, in der theilnahmslosen Unparteilichkeit besteht. Den Ausdruck seiner Erkenntlichkeit haben die geistigen und geistlichen Führer erhalten, da die Masse kaum belohnt werden kann. Kurz, diese Thalsache enthält einen neuen Beweis für die tiefe Liebe und treue Anhänglichkeit der Israeliten einerseits und für das Wohlwollen, die Gunst und auszeichnende Anerkennung der türkischen Regierung andererseits. _ Vermischtes. Berlin. Im „Akademischen Verein zum Studium der hebräischen Bibel" sprach dieser Tage Herr Dr. Wohlgemuth, Docent am Rabbiner-Seminar, über das Thema „Der philosophische Gehalt des Buches Hiob". Der einstündige Vortrag fesselte durch Tiefe, Klarheit und Feuer die zahlreich versammelten Studireudcu in hohen: Maße. Zwei Lösungen des weltbewegenden Problems wegen der Leiden des Gereckten wurden aus Grund eingehender Betrachtung der Kapitel 1—33 des Buches dargcthan. Die erste ist: das musterhafte Leiden des Gerechten erhebt die Welt; die andere Lösung ist der Verzicht aus die Lösung: „Ich sehe, daß wir nichts wissen können." Die beiden arößten Philosophen, Sokrates und Kant, hätten entsprechende Lehren verkündet. Die weitgrcifende Einleitung behandelte den Gegensatz der griechischen und israelitischen GeFtesgeschichte, den des Buches Hiob und des Buches Koleleth und das allgemeine Problem „Wie kommt das plmsische und moralische Hebel, Leiden und Sünde, in die Well?" Mehr solche Vorträge würden dem Studium der hebräischen Bibel unter den jüdischen Studenten dauernden Boden bereiten Meerane. Ein Antrag des hiesigen SchulauSschusses, den jüdischen Familien ein Klassenzimmer der Bürgerschule für den israelitischen Religionsunterricht zu überlassen, ist vom Rath mit der Begründung abgelehnt worden, daß es dein Charakter der konfessionellen christlichen Schule widerspreche, einen nichtchristlichen Religionsunterricht in dem Schulgebäude abhalten zu lassen. Prag. Die Statthalterei hat die Bildung des Gemeindebundes der israelitischen Kultusgemeinden Böhmens genehmigt. Auch für Einzelpersonen ist der Beitritt als außerordentliche Mitglieder (mit einem Jahresbeiträge von mindestens 5 fl.), als Spender (mit beliebigen Beträgen) oder als immerwährende Mitglieder durch einmalige Einzahlung von 250 fl.) zulässig. London. Die Marquise von Bute hat unseren: Oberrabbiner 4000 M. zur Verfügung gestellt, um damit zwei jüdische Studenten zu unterstützen bei der Fortsetzung ihrer akademischen Laufbahn, sowie bei der Erringung der akademischen Grade. Das interessanteste an dieser Spende ist natürlich, daß sie von einer Nichtjüdin gemacht wurde. Bad Harzburg. „Hötel Parkhaus“ “)t£0 Feines Restaurant u. Pension, eleg. Hötel, 46 Z. m. Balkons, vornehmste Lage. Streng rituell; u. Aufsicht Sr. Ehrtv. d. Herrn Rabb. Dr. Auerbach, Halberstabt. Borzstgl Verpflegung. 0*9a