Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 53 (2.7.1896)
- Date
- 1896-07-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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H pp WW mm Jahrgang. Erste Krllage M M 53 ües „Israelit". Literarischer Bericht. p)DV nND ’dPsstvi ’Pdd d5idi ns»*’3 ,p3rry 'dd 3p rnnn .'n p3n .DTWßto “lyjjn njoon '3L 8. Einen eignen Weg der Talmudforschung weist uns Nabb. De. Dünner in feinem neuesten bei I. Kauf fmann in Frankfurt a. M. unter obengenanntem Titel erschienenen Werke. Fern von aller pilpulistischen Art, ist des Verf. Forschung eine philologischhistorische, die sich nicht an Voraussetzungen und geläufige Erklärungen bindet, sondern wissenschaftlich prüft und Neues an die Stelle des Alten setzt, wenn dieses sich auch unter dem Schutze einer gefeierten Autorität gesichert glauben dürfte. Dieser Weg ist natürlich mit Vorsicht zu gehen, aber er ist nicht unberechtigt; von jeher war im Gebiete jüdischer Forschung, sobald sie den Boden des Gesetzlichen nicht verließ, Wort und Meinung frei; es gab kein Schwören auf das Wort des Meisters, es lag keine Verletzung der Achtung darin, wenn die Großen des Talmud im Widerstreit der Meinung sich befanden; Rabbenu Tam und Raschbam waren dadurch keine minder ehrfurchtsvolle Enkel, daß sie ganz offen Meinungen ihres großen Großvaters Raschi ihre eigenen entgegensetzten. Dieses Forschen um der Wahrheit willen hat die Forschung frisch und lebendig im jüdischen Volke und damit dieses selbst frisch erhalten; hätte man sich stets begnügt, alles das, was einmal von einer Autorität behauptet worden, unbesehen als richtig hinzunehmen, so wäre die Forschung auf jüdischem Gebiete längst erstarrt. Natürlich wird sich gegen die Kritik desto mehr Widerspruch erheben, je weiter der Gegenstand derselben zurückliegt; man wird sich sagen, Anschauungen und Auffassungen, die so lange unbestritten geblieben, die von so und so vielen Männern durch Jahrhunderte und über ein Jahrtausend hinaus als richtig anerkannt worden sind, müßten wohl eine Berechtigung haben. Allein so schwerwiegend ein solcher Einwand ist, so ist er noch keine Widerlegung des neu Gefundenen, aber der Kritiker wird hier umso vorsichtiger, umso sorgfältiger verfahren müssen, wenn er mit seiner Kritik überzeugen will. Umsicht, Scharfsinn und umfassendes Wissen befähigen den Vers, des vorliegenden Werkes diesen kritisch-philologischen Weg zu gehen und gerade dadurch manches Dunkel zu erhellen, manche Schwierigkeit zu lösen. Seine Resultate findet er auf dem Wege der Vergleichung: es werden die älteren halachischen Midraschim, wie Mechilta, Sifra, Sifre, zur Feststellung einer schwankenden oder dunkeln Lesart in der Mischna herangezogen, Toseftastellen geben über Controversen im Talmud oft Aufschluß, durch Jeruschalmi wird manche Stelle im Babli klar und aus derartigen Erwägungen kann schließlich das Alter oder die Jugend mancher anonymen Talmudftelle festgestellt und nachgewresen werden, wie manche Kontroverse im Talmud unterblieben wäre, wenn der betreffende Amora eine uns durch Die spätere Sammlung bekannte Tosephta gekannt hätte. So ergibt sich auch beim geschichtlichen Verfolg einer Halacha, wie die Praxis zu einer anders gestalteten Auffassung eines Lehrsatzes geführt hat. Ein treffliches Beispiel liefert hier Beza 24 b Es wird wohl jedem, die dem einfachen Sinn zuwiderlaufend scheinende amoräische Erklärung der Worte pp \J3 ’^’En ovn ausgefallen sein. Die Erörterung dieser Stelle, wie sie im vorliegenden Werke sich findet, gibt überraschende Aufklärung. Geradezu Erstaunenswerthes, doch der Erörterung noch bedürftig, leistet der Verf. in der Erklärung der schwierigen Mischna Beza 36 b. Es ist in der That schwierig anzunehmen, daß nw% soviel wie myo nsp bedeu'en soll - an der Hand einer Sifrastelle in Verbindung mit einer Tosephta wird alles Schwierige auf wunderbar einfache Weise gelöst. Allein so ganz ohne Schwierigkeit geht dieser Versuch nicht ab. Daß man statt zu lesen habe, fällt nicht ins Gewicht, da die Mischna im Jeruschalmi jene Lesart hat, schmieriger wird einem schon die Nothwendigkeit das mso d‘»d p Hr* entgegen allen überlieferten Lesarten an das Ende zu rücken; doch könnte dieses Argument die Annahme des Verf. nicht umstoßen; bedenklicher jedoch wird es, wenn wir sehen, daß der Babli in seinen Erörterungen vollständig auf dem Boden der von allen recipirten Lesart steht. Anders allerdings verhält es sich nach dem Jeruschalini, der mit dem ps ppsd N’nff m«n trn 'di pn vollständig vom Babli abweicht und die Annahme des Verf. unterstützen kann. Führen wir hier noch ein Beispiel an, wie der Verf. zu combiniren versteht, ebenfalls Beweis von Scharfsinn und kritischem Geiste, das aber auch wegen seiner überraschenden Neuheit gründlich nachuntersucht werden muß, Beza 24 b werden drei Dinge genannt, welche die Schule Schammais am Feiertage verbietet, darunter 711^271 r« pspn pa „man darf einen Leuchter nicht aufstellen." „Was wäre dies für ein Unrecht?" fragt der Talmud; es sei hier von einem Leuchter die Rededer aus einzelnen Gliedern bestehe, wird geantwortet, seien nun diese Glieder auseinander gefallen, so dürfe man sie nicht zusammenstellen und so den Leuchter aufrichten. Nun ist nicht zu verkennen, daß nach die. ser Erklärung hier etwas von der Schule Schammai's Verbotenes erwähnt ist, was mit den übrigen