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Der Israelit · 1896-06-29 · Heft 52 (29.6.1896) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 52 (29.6.1896)
Date
1896-06-29
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Mlatier für dre israek. Schule. ür das Wrthodoxe <MuderrthumÄ mm VAW 1/Wl.1 n uii > ■ >4Sil IlHr m 29. 3uni 1890*] [9i*. 2. Die Icrhresversuininlung des „Freien Vereins jüdischer Religionslehrer Ostpreußens" in Allenstein. Zu den bereits veröffentlichten Verhandlungen tragen wir noch Ausführliches über die gehaltenen Vorträge nach. Waisenhaus-Inspektor Peritz— Königsberg referirte über die methodischen Grundsätze für eine Auswahl der Gebetü ü ck e aus dem S i d d u r. „Jeder Unterricht müsse, unabhängig von dem religiösen Standpunkt des Lehrenden, nach den Gesetzen der Methodik acordncr sein. Dies lasse aber der Siddur-Uebersetzungs- Unterricht in der Auswahl und Anwendung des Lehrstoffes noch vielfach vermissen. Wo überhaupt darin ein Prinzip zur Geltung komme, sei es gewöhnlich einzig und allein die liturgische Drdnung des Gottesdienstes, welche die Wahl leite? Der spezielle Unterrichtszweck dürfe aber nie allein die Stossauswahl bestimmen; eS gehöre dazu als zweites, wesentliches ^icktungsmoment die Rücksicht aus die geistige Ratur des Kindes in ihren mannigiachen Wesens- und Thätigkeilserscheinungen. Wesen und Bestimmungen des Siddurs ergebe vornehmlich drei Momente, 1) enthalte der Siddur die traditionellen Formen, in denen wir unsere Gefühle des Lobes, des Dankes und der Bitte bei den verschiedenen Gelegenheiten vor Gott zum Ausdruck zu bringen haben, 2) sei er für uns eine unerschöpfliche Duelle, aus der wir religiöse Erkenntniß und Erbauung, Kraft und Frost schöpfen und 3) bezeichne er die Ordnung unseres gemeinschaftlichen Gottesdienstes und der religiösen Festakte im Hause. Dem entsprechend erscheine für den ersten Unterricht von besonderer Bedeutung und seien in der Stossauswahl allen andern voranzustellen 1) Gebete, welche uns zur täglichen Andacht pfl i ch t m ätz ig vorgcschrieben sind, 2) Gebete mit ausgesprochen geistbildcn dem Inhalte, 3) Gebete, welche in der Lithurgie des öft. Gottesdienstes oderZn der religiösen Praxis des Hauses eine hervorragende Stellung einnehmen. — Die Berücksichtigung der geistigen Ratur des Kindes bei der Auswahl und Anordnung des Lehrstoffes sei im Interene einer sclbstrhätigen und eigenwilligen Aneignung desselben, seitens des Schülers geboten und verlange zunächst Beachtung der im intellektueller^ Leben der Kinder i n Er sch e i n u n g t r e t e n d e n S t u s e n s o l g e der Entwickelung. Tie dem Zöglinge zur Aufnahme gebotenen Gebete müssen immer der geistigen Kraft desselben entsprechen. Dabei sei nichr bloß der gedankliche Inhalt, sondern auch die Sprache zu beachten, in der jener zum Ausdrucke komme. Der Lehrer dürfe nur solche Lehrstoffe an das Kind heranbringen, die in einer dem jeweiligen kindlichen Verstände und seiner Spracheutwickelung consormcn Weise wiedergegebcn seien. Ties gelte hier nichr sowohl vom bebr. T erte, als vielmehr von der d e u t s ch e n U e b e rsetzurrg desselben: da dem Kinde nicht der hebräische Begriff, sondern das entsprechende deutsche Wort zur Auffassung gegeben werde. Bei dem Mangel einer mustergiltigcn Uebersetzung der Gebete für Kinder, habe es sich der Lehrer selbst angelegen sein zu lassen, unter Anlehnung an gute Vorarbeiten (Kroner) eine Uebersetzung sestzustellen, bei der Ton und Darstellung auf das kindliche Verständniß Rücksicht nehmen und doch eine edle Sprache reden, die dem Kinde Muster im Ausdrucke sein kann und die doch auch sachlich und dem Sinne nach richtig ist. Durch die hierdurch für die Auffassung im allgemeinen bewirkte Erleichterung und Beschleunigung werde auch die Zahl der dem Schüler leicht zugänglichen Geberc vergrößert.

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