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Der Israelit · 1896-06-29 · Heft 52 (29.6.1896) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 52 (29.6.1896)
Date
1896-06-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXVil. Jahrgang. Beilage M M 52 -es „Israelit". 3|'aaf Leon Freistndt to'S*. Der Begründer der Schiffschul in Wien. (Mit Portrait) Den geehrten Lesern des „Israelit" führeit wir hiermit die wohlgetroffenen Züge eines Mannes vor, der sich um das Erblühen und Erstarkeii der orthodoxen Vereinigimg u\ Wieii unsterbliche Verdienste erworben hat. Er war einer jener Auserwählten, die ohne Reichthum und Rang blos mit ihrem warmen Herzen und ihrer niminerrastenden Thal kraft Glänzendes erwirkten, so daß die Geschichte der Schiffschul-Gemeindc in Wien mit seinem Leben und Wirken innig verknüpft ist. Er wurde im Jahre 1810 als Sohn frommer Eltern zu Triest geboren. Noch in seiner frühesten Jugend übersiedelte seine Familie nach Preßbitrg, wo damals der große tox; tod cnn in der Blüthe seiner Wirksamkeit stand. Der Knabe, der schon früh ein tiefes religiöses Gemüth bekundete, kam bald in die Nähe des dti der ihm die größte Liebe entgcgenbrachte. Mit schwerem Herzen verließ er in seinem 20. Lebensjahre die Stätte seiner Jugenderziehung, das emen seines heißgeliebten Lehrers, um sich dem Geschäfte zu widmen. In seinem 26. Lebensjahre heirathete er die Tochter eines angesehenen Preßburger Gemeindemitgliedes*) und zog in den 40er Jahren nach Wien, wo seiner eine Aufgabe harrte, der er sich mit dem ganzen Eifer seiner Glaubensliebe hingab. Es galt in das von fortschrittlichen Bestrebungen überwucherte Gemeindeleben den Geist der alten Gesetzestreue zu bringen. Ein kleines Bethaus in der inneren Stadt war die Andachtsstätte jener, die nach althergebrachter Weise Juden sein wollten —, und auch dort drohte der moderne Geist der Reform, dieser unberufene Eindringling, seinen Einzug zu halten. Jedoch die Besucher dieses Bethauses schlossen sich immer enger an einander, immer reger wurde der Wunsch, dem alten Glauben Geltung und Anerkennung zu erwirken und dieser Wunsch verkörperte sich in Isaak Leon Freistadt *) Diese, seine erste Frau starb nach langjähriger glück- ' °x Ehe. toxT. Im Jahre 1 850 gründete er die „Ankerschule" in der Leopoldstadt, wo er allabendlich nin-Vorträge hielt, die sich großen Zuspruches erfreuten. Alls seine Anregung, oder vielmehr auf seinen Ruf kam der Wiener Rabbinatsaffessor toxi feto to als Rabbiner in die „Ankerschule", mit dem Freistadt treue, llnzertrennliche Freundschaft schloß. Durch ihr gemeinsames, llnermüdliches Wirken wurde das zarte Pflänzchen der Eiultnah immer kräftiger und widerstandsfähiger. Die Zahl der in dem engen Raltme der Synagoge Betenden wurde immer größer und um so fühlbarer das Bedürfniß der amvachsenden Gemeinde, eine würdige Andachtsstätte zll errichten. Es war zunächst das Verdienst des Verstorbenen, daß dieser Wunsch, trotz der unzähligeil Hemmnisse, die sich der Sache entgcgenthürmten, verwirklicht wurde. So Manche belächelten sein kühiles Beginnen, aber er ließ sich nimmer den Muth benehmen und mit unvergleichlicher Zähigkeit kälnpfte er unentwegt — bis er siegte. Er eiferte an, spendete, sammelte — und im Elul 5624 stand der Bau fertig lind wilrdc seiner heiligen Bestimmung gelveiht. Am Sabbath nach der Einweihung begab sich eine Abordnung der Gemeinde — an ihrer Spitze der Rabbiner — in seine Wohnung, wo ihm zum Andenken ein Becher mit sinniger Inschrift mit einer Ansprache überreicht wurde. „Daß keinen Schlaf ich meinen Augen gönne, meinen Wimpern keinen Schlummer, bis eine Stätte ich gefunden für den Ewigen." (Ps. 132, 5.) Mit diesen Versen begrüßte ihn der Vorbeter des neugebauten Tempels. In allen Kreisen wurden die hohen Verdieitste des Verewigten gewürdigt. Noch eiilmal hatte er Gelegenheit, seinen wackeren Sinn und seine Unermüdlichkeit im Dienste der heiligen Sache zu bezeugen und zwar war es, als der Wiener Gemeindevorstand den Beschluß faßte, die Gebete eines Theiles ihres wesentlichen Inhaltes zu berauben. Herr Freistadt berief eine Volksversammlung in die „Schiffschule", wo er mit Entrüstung gegen diese tiefgehende Neuerung protestirte. toxr Ww’dp feto to schied seinerzeit aus dem Amte und dem Verbände der Kultusgemeinde. Dank der Isaak Leon Freistadt to»"*.

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