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Der Israelit · 1896-06-25 · Heft 51 (25.6.1896) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 51 (25.6.1896)
Date
1896-06-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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973 wähnt, theils paffende Bewerber fehlten, mit welchen theils noch Unterhandlungen schweben. Im Ganzen sind dem Vereine, im Laufe seines nunmehr fünfjährigen Bestehens 1177 Vacanzen, für Commis und Lehrlinge gemeldet, gegenüber 788 Bewerber. Von diesen sind bis Schluß des Geschäftsjahres 250, also grade ein viertel Tausend durch Besetzung erledigt worden. Unsere Caffenverhältniffe stellen sich gegen voriges Jahr um ca. M. 90— bester; wir vereinnahmten an Mitgliedsbeiträgen M 1085.61, denen die Ausgaben für Portos, Miethe, Drucksachen, diverse Neuanschaffungen an Mobiliar rc., mit M. 1065.91 gegenüberstehen, so daß mit dem vorjährigen Saldo von M. 391.44 ein Caffenbestand von M. 411.14 verbleibt. Es ist ferner zu erwähnen, daß wir uns in Folge der sich häufenden schriftlichen Arbeiten veranlaßt gesehen haben, vorläufig nur provisorisch, einen ständigen Schreiber anzustellen, der unter Leitung der Schriftführer die Correspondenz erledigt. Diese Einrichtung hat sich bisher gut bewährt, und soll laut Beschluß des Vorstandes bis auf Weiteres beibehalten werden. Außerdem ist noch zu berichten, daß wir in diesem Jahre den Karlsruher Verein „Chinuch-Neohrim" für einen jährlichen Gesammtbeitrag, als Mitglied in unseren Verein zwecks Stellenvermittlung zu Gunsten seiner sämmtlichen Mitglieder ausgenommen haben, und glauben wir dieses als ein Vertrauensbeweis seitens dieses hochangesehenen und weit bekannten Vereins betrachten zu dürfen. Der Bericht schließt mit dem Wunsche eines ferneren Gedeihens des Vereins und mit der Bitte an alle Interessenten, unsere Bestrebungen in jeder Hinsicht zu unterstützen, speziell durch fortlaufende Mittheilung über alle ihnen bekannt werdenden Vacanzen, ferner mit dem Hinweis, daß tüchtige Bewerber stets mit Leichtigkeit placirt werden können, und sich nicht von einer Bewerbung zurückhalten lasten sollten. — Bei Punkt 2 der Tagesordnung wurden die lt. §. 9 der Statuten ausscheidenden Vorstandsmitglieder, Rosen stock, Zuck er mann und Alifeld per Acclamation wiedergewählt. Nach Erledigung der Tagesordnung fand noch eine kurze Polemik über die Stellenvermittlung im Allgemeinen statt, in deren Verlauf, der bereits am Eingänge des Geschäftsberichtes erwähnten Uebelstände bei der Stellenvermittlung, und die Schwierigkeiten, die sich der stärkeren Wirksamkeit des Vereins entgegenstellen, besprochen wurden. Anträge waren nicht eingegangen, und die Generalversammlung wurden um 9*/2 Uhr mit dem Dank an die Erschienenen geschloffen. (Ueber die von uns z. Zt. in Anregung gebrachte Begründung einer Versicherungsanstalt für stellenlose religiöse Gehilfen hat man in der General- Versanunlung leider nichts mehr gehört, obgleich der Verein schon vor Jahren in Verbindung mit der „Freien Vereinigung" die Vorarbeiten hierzu (Enquete rc.) erledigen wollte. Red. d. Jsr.) Aus dem Reg.-Bez. Cassel. Die 28. Jahresversammlung der isr. Lehrerkonferenz Hessens findet am 6. Juli d. I., um 9T/2 Uhr Vormittags beginnend, zu Bockenheim (Rheingauer Hof, Adalbertstraße 16) statt. Auf der Tagesordnung steht: 1. Eröffnungsrede des Vorsitzenden und Erstattung des Jahresberichtes seitens des Ausschusses. 2. Referat: „Was ist in den israelitischen Gemeinden für die religiöse und sittliche Fortbildung der Jugend zu thun? Res. Herr Rosenbaum-Zierenberg und Herr Flörsh e im-Wolfhagen. 3. Bericht über die Delegirtenversammlung in Berlin, erstattet von Herrn A m r a m- Borken. 4. Anträge. 5. Mittheilungen. Lehrer und Freunde der Schule sind als Gäste sehr willkommen. Karlsruhe, 22. Juni. Die „Vereinigung Badischer Israeliten" in Karlsruhe hat sich veranlaßt gesehen, an Herrn Oberst a. D. Rheinau hier ein Schreiben folgenden Inhalts zu richten: „Karlsruhe, den 10 Juni 1896. Euer Hochwohlgeboren! Wie wir durch eine Zeitungsnotiz erfahren haben, haben Euer Hochwohlgeboren in einer vor Kurzem anläßlich der hiesigen Gemeindewahlen stattgehabten Versammlung eine Aeußerung gethan, deren Sinn war, kein Jude gehöre auf's Rathhaus, die Juden seien eine internationale, keines Patriotismus fähige Gesellschaft, welche ein Deutscher und Nationalliberaler nicht zu einem solchen Ehrenamte wählen könne. Die Unterzeichnete Vereinigung der badischen Israeliten legt gegen diese unbegründete Behauptung energischen Protest ein. Es ist ja bedauerlicher Weise selbst hier in Karlsruhe, einer Stadt, in welcher seit ihrer Gründung Juden wohnen, und in welcher unsere Glaubensgenossen in Vaterlandsliebe und Treue gegen den Landesherrn den Angehörigen der anderen Konfessionen niemals nachgeftanden haben, schon vorgekommen, daß derartige aufreizende, den Klassen- und Raffen- Haß schürende, allgemeine Verdächtigungen zu Parteizwecken erhoben wurden. Allein es ist doppelt bedauerlich, daß wir dieselben jetzt auch aus dem Munde eines Mannes hören, der ein hervorragendes Mitglied einer nationalen und staatserhaltenden Partei ist, einer Partei, welche seit ihren ersten Anfängen eine ganze Reihe von Israeliten zu ihren Mitgliedern zählt. Es ist unrichtig, daß zwischen den deutschen und nichtdeutschen Juden — abgesehen von dem gemeinsamen Religionsbekenntniß — irgend ein anderes, sie einigendes Band besteht, so wenig wie dies zwischen unsern evangelischen oder katholischen deutschen Mitbürgern und den außerdeutschen Angehörigen dieser Konfessionen der Fall ist. Wir find und fühle« uns durch und durch als Deutsche. Wir erfüllen freudig die uns als solchen obliegenden Pflichten, und

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