Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 51 (25.6.1896)
- Date
- 1896-06-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448608-2448655--42011-2490995- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
mvil. Jahrgang. 7^ - - / M 51. Der Israelit. St» Kentrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Be-ründet von Dr. Lehman« in Mainz. Donner ft ag, den 25. Jnni 5656 (1896). Da mit dem 1. Juli 1896 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1896 eingetragen unter Nr. 3523. Neu eintretende Abonnenten (Postabonnenten gegen Vorlage der Postquittung) erhalten unser Blatt bis Ende Juni gratis. Leitender Artikel. Mein Religionsbuch. Von Bezirks-Rabbiner Dr.Ehrmannin Baden (Schweiz). I. Das preußische Cultusministerium hat vor einigen Jahren eine Enquete über sämmtliche israelitische Religionsbücher veranstaltet und festgestellt, daß deren Zahl mehr als 500 beträgt. Unter diesen befindet sich mein Religionsbuch nicht. Es theilt dieses Schicksal mit dem ältesten, angesehensten Religionsbuch, mit dem Buch der Bücher, mit der Bibel. Während aber bei der Bibel dieser Ausschluß wohl auf ihre ehrwürdige, keiner ministeriellen Approbation bedürftigen Autorität zurückzuführen ist, hat's mit meinem Religionsbuch die umgekehrte Bewandtniß. Es ist so unscheinbar winzig, plan und schlicht, es sieht so Harm- und religionslos, so leer an allem aus, was ein Buch zu einem israelitischen Katechismus stempelt, daß auch die findigste Razzia auf jüdische Religionsbücher ihm die Contrebande nicht anmerkt, die seine blaue Flagge deckt. Ja noch mehr. Wenn an der Wand jeder Religionsschule das Ohr eines Großinquisitors horchte und die sublimsten Lehren des Judenthums erlauschend die heilige Hermandad plötzlich einträte und Lehrer und Kinder mit meinem Neligionsbuch in der Hand träfe, sie fände so wenig von dem darin, was sie soeben selber gehört hatte, daß kein israelitischer Oberrath der Welt mein Religronsbuch bei der Staatsbehörde als für die Jugend gefährlich denunciren könnte! Sv paradox es auch klingt, so wahr ist es: An der mir unterstellten Religions-Schule wird keine Religion unterrichtet, obwohl mein Religionsbuch sich in aller Händen befindet! Auch die äußeren Mängel, welche Schulbüchern im Allgemeinen und Regionsbüchern insbesondere anhasten, wären kein Grund mit meinem Religionsbuch nicht einmal die Probe zu machen. Was den Preis betrifft, der viele Lehrer vor der Einführung neuer Schulbücher abschrecken läßt, so hält mein Religionsbuch die Concurrenz mit jedem anderen aus. Es dürste wenige Bücher geben, deren Anschaffung mit geringeren Kosten verbunden ist. Auch die Mißstände, welche sich aus dem gleichzeitigen Gebrauch älterer und neuerer Auflagen in einer und derselben Klasse ergeben, fallen durch diese Billigkeit fort. Es entschließt sich jeder leicht die neueste Auflage sich anzuschaffen, obwohl eine solche. Dank der großen Nachfrage, alljährlich erfolgt. Jede neue Auflage ist, wenn auch nicht gerade eine verbefferte, so doch immer eine veränderte. Das Buch nimmt, wie kein anderes auf die Zeit Rücksicht und nimmt von jeder Veränderung derselben sorgfältig Notiz. Für die Lehrer des Reformjudenthums ist es durch diese Rücksichtnahme auf jeden Wechsel der Zeit ganz besonders geeignet. Es ist dies eigentlich der einzige Grund, warum es so oft in neuer, veränderter Auflage erscheint, selbst wenn die vorherige noch nicht vergriffen ist. Dagegen finden Religionslehrer des orthodoxen Judenthums, daß es wenige Bücher von so conservativen und geradezu stabilem Charakter gibt als das in Rede stehende, weil die erwähnten Aenderungen jeder neuen Auflage nur äußere Momente betreffen, welche den Kern des Buches nicht berühren.