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Der Israelit · 1896-06-18 · Heft 49 (18.6.1896) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 49 (18.6.1896)
Date
1896-06-18
Page
– (sequence 21)
Language
German
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943 größeren Hälfte weder schreiben noch lesen konnte, so sehr zu Herzen, daß sic den Plan faßte, in Neapel eine Schule, nach den Grundsätzen Fröbcl's und Pestalozzi's, einzurichtcn. Dank ihren großen Bemühungen war sie im Jahre 1H7-1 endlich im Stande, ein Lehrer- und Lchrerimwnsein'nar, wie auch einen Kindergarten zu errichten. Diese Schulen, waren dermaßen von Erfolg begleitet, daß in ganz Italien ähnliche Institute entstanden. Frau Schwabe kehrte hierauf nach England zurück, setzte sich dort mit Mr. Claude Montesiore in Verbindung, und den Bemühungen Beider gelang cd, auch in England ein Seminar sammt Kindergarten zu errichten. welche voriges Jahr in West Kensington (London) von der Kaiserin Friedrich eröffnet wurden. Obgleich Frau Schwabe stets das lebhafteste Interesse für jüdische Angelegenheiten bezeugte und gelegentlich der Judenverfolgungen in Rußland sich au der Sammlung für die Unglücklichen auf's Freigebigste betheiligtc, gehörte doch ihre große philantropische Thätigteit der ganzen Menschheit ohne Unterschied des Bekenntnisses und der Abstammung. Moskau« 'Außer den drei Rabbinern waren noch folgende Juden zur Krönung hier als Abgesandte von ^tadtvertretungcn und Vereinen: Baron Horacc Güiizbnrg Staatsrath E. Poliakoiv, die Näthe Jakob Poliakorv, Daniel Poliakow aus Petersburg : Brennnrann aus Groduo, Wilkowski atis Byalistok und Eliasberg aus Libau. Bacau. Eine unerhörte Gewaltthat der hiesigen Polizei, die selbst unsere an derartige Willkürakte gewöhnte und, zumal wenn Inden davon betroffen werden, nicht eben leicht zu erregende öffentliche Meinung in Harnisch gebracht hat, spielte sich hier vor etwa vierzehn Tagen ab und hat noch keine befriedigende Lösung gefunden. Der Sohn eines hiesigen jüdischen Handwerkers, Namens Fischclsohn, saß mit einigen Freunden in einem Wirthshause, wo auch ein Gerichts^ aitttcr Platz genommen hatte Dieser „Pfleger des 'Rechts" cntferitte sich nach einiger Zeit, aber lticht, ohne die Astrachanmütze des Fischeisohn mitgehen zu heißen. Als dieser später seinen Verlust bemerkte und seine Mütze, vielleicht ctivas heftig, rcclamirte, entstand zwischen ihnr und eitrigen Gästen ein Streit, zu dessen Schlichtung ein Poliwicommissär hcrbeigcruseit wurde. Dieser, Namens Mattian, ließ Fischclsohn zu Polizei absühren, allein unterwegs machte die Escorte vor dem „Eafö Central" Halt, und hier gelang es Fischelsohn. durch eine zweite Thür das Lokal zu verlassen und zunächst seilte Freiheit zu gewinnen. Kurz entschlossen ließ Mattiau mm den Wirth, Ehajiitr Josephs, festnchmen und zirr Wache bringen, wo er zwei Tage festgchaltcn und furchtbar mißhaitdclt wurde. Ucbcrdics ließ der Polizeimeister Tillian am Abend das „East'' ntral" von Polizisten bc setzen, bedrohte die anwesenden Gäste, falle, sie ausständen, mit Erschießen, durchsuchte alle Räume nach dem Entflohenen und ließ endlich fünfzehn Personen festnehmcn und zur Wache absühren. Vierzehn, welche Geld bei sich hatten, erkausten darnit ihre Freilassung, der eine, Goldstcin, der kein Geld besaß, wurde in Hast behalten Am folgenden Tage begab sich der Polizeigcwaltige zu der Frau Fischclsohn, bedrohte sie und suchte von ihr das Versteck ihres Mannes zu erpressen. Die geängstigte Frau lief zum Procuiator und tlitd Ztliit Ptäsecten, und Beide ricthcn ihr, den Mann zu veranlassen, sich freiivillig ztl stellen, da ihiti doch nichts Ernstliches geschehe» könne. In der Thal stellte sich Fischclsohn deltn auch, uitd nnu ließ der Polizeimeister an den drei Verhafteten seine volle Wuth aus. Sie wurden mit Säcken, tvelchc mit Sand und kleinen Steinen gefüllt waren, so lange geschlagen, bis sie zusammenbrachen nnb ohiituächtig liegen blieben. Die Frau des Fischclsohn lief zürn Procurator, welcher Zeugen vernahni und den Sachverhalt, wie geschildert, fcststcllte; aber trotz seines Einspruches vermochte er erst am dritten Tage durchztlsctzcit, daß die Gefangenen als Polizcikranke an das Gericht ausgcliefert »vurden. Inzwischen batten aitgcsehene Christen, darunter viele Ossi ziere, sich an den Epininistcr Fleva mit der Bitte gewandt, dafür zu sorgen, daß die Opfer der Polizeiwillkür in das Hospital gebracht wurden. Das versuchte aber die Polizei zu verhindern, und nur dem energischen Einschreiten des Generals Grifinsti war cs zu danken, daß die Todtkrankerr endlich sortgesührt iverdcn konnten. Die Entrüstung wurde nachgerade so allgemein, daß der Ministerpräsident Sturdza sich entschließen mußte, Präsect, Polizeimeister und einige Eommissärc zu suspcndiren. Aber diese rühmen sich trotzdem öffentlich ihrer L>chandthat und erklären, in wenigen Wochen tviedcr im Amte zu sein. Ilnd ivcr Herrn Sturdza kennt, zrveifelt keinen Llugenblick. daß sie Recht behaltcit werden. Anzeigen. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. /Lin Bäckergehilse u. ein " Lehrling gesucht, ratt' 13 "’1 frei. Oss. u. 3327 bef. die Exp. dss. Bl. er>ieReligionslehrer-, Cantoru. Schächter stelle zu Gimbsheim mit Filiale Eich (Rheinhcsseu), mit eincm Fixum von M. 800, sowie M. 400 Nebeneintommen und freier Wohnung nebst Garten ist per 1. August ev. 1. September d. I. zu brsitzen. Bewerber wollen sich an den Unterzeichneten wenden. Nähere Auktunkt ertheilt der seitherige Lehrer Herr M. Oppenheimer. Der Vorsteherr 3296) Emil David II. Streng l&O Streng Bad Biringen. Hotel Herzfeld (vorm.Klywed). Maxftratze u. a. der Salinenpromenade. Elegante neu eingerichtete Zimmer, vo zügliche knrgemäße Küche. Reingehaltene Weine. 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