Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 49 (18.6.1896)
- Date
- 1896-06-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XuTU Jahrgang. Erste Beilage ju M 49 des „Israelit“. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. L. L. Berlin, 14. Juni. Die heutige Repräsentantensitzung wurde mit der Verlesung eines Briefes eröffnet, in welchem Professor Lewin gegen den ganzen Beschluß des Vorstandes, der Einführung eines Jugendgottesdienstes an hohen Festtagen, als einen illegalen protestirte. Ferner verlesen wurde die Entgegnung des Justizrath Meyer, in welcher Prof. Lewin auf seinen Jrrthum aufmerksam gegemacht wurde. Justizrath Tiktin crtheilte außerdem an der Hand der Gesetzesparagraphen eine Belehrung, die Prof. Lewin befriedigte. Trotzdem war die leidige Angelegenheit später wieder in Fluß gekommen und knüpften sich daran eigenartige Debatten, deren Resultat war, daß auf Vorschlag der Festgottesdienst - Commission der Jugendgottesdienst in diesem Jahre auf Rosch Haschanah Nachmittag zu beschränken sei. Tant de bruit pour une Omelette! Zur Begründung einer David und Erna Packscher- Stistung für das Hospital in der Oranienburgerstraße 31 überwies Herr Moritz Mannheimer die Summe von 6000 M. Herr Stadtrath Dr. Weigert bemerkte darauf Einiges über Aeußeres der Leichenivagen. Zum Anbau einer Veranda für das neue Hospital wurden 7000 M. bewilligt. Der Antrag der Gemeinde Moabit, ihr statt 1000 M. 1500 M. Zuschuß zu geben, wird abgelehnt. Die Gemeinde Adaß Jeschurun erhält 500 M., die Gemeinde der Oranienburger Vorstadt 1200 M., der Verein Westen 3500 M. — Herr Justizrath Meyer theilt mit, daß von Seiten des Vorstands Herr Dr. Lachmann in Sachen der Jewish Colonisation-Affociation (Baron Hirsch) nach Paris gereist ist. — Unsere Repräsentanten gehen nun bald auf Reisen. Mögen sie in Gottes freier Natur den Frieden finden, der keinem redlichen Streben versagt bleibt. Berlin. Die jüdischen Volksschullehrerinnen vertheilen sich in Preußen nach der Abstammung bezw. dem Beruf des Vaters folgendermaßen: Ackerbau 1, Bergbau und Bauwesen 4, Industrie und Handwerk, Handel und Verkehr 40, Offiziere, Geistliche 0, Lehrer, Beamte, Aerzte, Schriftsteller, Künstler 10, Häuslicher Dienst 0, Ohne Beruf 3. Jnsgesammt beträgt also die Zahl der jüdischen Volksschullehrerinnen in Preußen 58 gegenüber 4477 evangelischen und 3853 katholischen. Cs bedarf wohl keines besonderen Nachweises, daß die Zahl der jüdischen Volksschullehrerinnen ebenso wie die der jüdischen Lehrer im höheren oder niederen Schuldienst Preußens nicht dem Prozentsätze unserer Glaubensgenossen entspricht. Um so schlimmer ist es, daß die Zahl dieser Lehrkräfte, wie es nach der bekannten Verfügung des Provinzialschulkollegiums für Brandenburg den Anschein hat, auf den Aussterbeetat gesetzt ist. Ein Zeichen der Zeit ist es auch, daß auf dem zu Pfingsten in Berlin stattgefundenen Kongreß des „Vereins preußischer Volksschullehrerinnen" zu dieser wichtigen Standesfragc gar keine Stellung genommen, ja jede Berührung derselben streng vermieden wurde. Die Thalsache verdiente doch Erwähnung, daß es in ganz Preußen auf dem Lande keine einzige jüdische Volksschullehrerin giebt. Deshalb haben sich auch die jüdischen Volksschullehrerinnen im Verein mit einigen freier gesinnten christlichen Kolleginnen vom „Verein preußischer Lehrerinnen" losgesagt und einen „Neuen Verein preußischer Volksschullehrerinnen" gebildet. Hoffentlich entwickelt derselbe bald eine ersprießliche Thätigkeit. Aus Westprerrtzen. Auch in unserer Provinz sind die jüdischen Lehrer endlich zur Einsicht gelangt, daß es heutzutage nothwendig ist, sich zu vereinigen, um sich gegenseitig mit Rath und Thal beizustehcn. Ein Theil der Lehrer ist an Simultanschulen angestellt, und sind diese Eollegen Religionslehrer im Nebenamte. Einzelne Gemeinden haben seminaristisch oder anderweitig vorgebildete Lehrer angestellt, und in vielen anderen kleinen Gemeinden ertheilen die Kultusbeamten ohne Vorbildung den Religionsunterricht. Daß es gerade für die letzteren von großer Bedeutung ist, wenn sie zu den anderen College» in Beziehung treten, ist selbstverständlich. Im März d. I. erging nun von Herrn Lehrer Brann und A. Krone an verschiedene College» der Provinz die Anfrage, ob dieselben geneigt seien, sich an der Gründung eines Vereins „Jüdischer Lehrer und Religionslehrer Westpreußens" zu betheiligen, und welcher Ort zur Zusammenkunft zu wählen wäre. Im April erging von den Herren Lehrer Brann— Dt.-Krone, Lehrer Geisenberg—Marienwerder, Lehrer Jaffe—Dt. Krone und Lehrer Schreiber—Danzig ein Aufruf an alle College» der Provinz, sich behufs Gründung des Vereins in Danzig am 25. Mai einzufinden. Eine Anzahl fast nur seminaristisch vorgebildeter Lehrer folgte dieser Einladung und haben dieselben in der Hauptstadt der Provinz, in Danzig, den Grundstein zu diesem heiligen Werke gelegt. Bei der Berathung der Statuten, war auch der zeitige Rabbiner der Gemeinde Dr. Posener zugegen, und wurden deffen Rathschläge von den Anwesenden dankbar angenommen. Der gegründete Verein trägt den Namen: Verein