Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 48 (15.6.1896)
- Date
- 1896-06-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448608-2448652--41950-2490931- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXXVH. Jahrgang. M 48, Der Israelit. Si« Aentrat-Hrgan für das orthodoxe ZudenLHum. Begründet von Vr. Lehma«« in Mainz. Montag, de« 15. Juni 5656 (1896). Leitender Artikel. Sprüche der Wäter. Sechstes Buch. VII. Mainz, den 14. Juni. mitfM d’öi Sawi nSra ns min bw man n\*i *p □ni bw nnN minzn rrnn iys ”ni ji^n psn bp nnttri ohy? "i4 2ii2i mn ohjn “ptjw "p 21121 -pt^N p nttny nnx .N2H „So ist die Weise der Thora: Wenn Du Brod mit Salz essen, Wasser nach demMaaße trinken, auf der Er de schlafen, und ein Leben der Entsagung leben würdest, auf die Thora aber Dein Mühen gerichtet ist, wenn Du also thust, dann bist Du glücklich und das Gute ist Dein. Du bist glücklich in diesem Leben und das Gute bleibt Dein in dem kommenden L eben." Der Sinn dieses Spruches kann wohl nicht sein, daß er dem Thorabeflissenen ein Leben der Entsagung und Entbehrung zur Pflicht machen und ihn gegen das Leben und seine Güter mit Geringschätzung erfüllen will. Es ist diese Auffassung aus sprachlichen und sachlichen Erwägungen nicht wohl anzunehmen. Unser Spruch dürfte dann weniger die min als den mina pDiy zum Gegenstände haben und müßte etwa lauten: mm pDiy bw 12m *p: Das ist die Weise deffen, der sich mit der Thora beschäftigt u. s. w., oder: r6na ns *py mim pDiyn Wer sich mit der Thora beschäftigt, muß Brod und Salz effen u. s. w. Diese Entsagung und Verzichtleistung auf alles, was die Erde an erlaubten Genüssen bietet, wird auch sonst nicht nur nicht als Pflicht, sondern es wird sogar als Unrecht und als Gegenstand schwerer Verantwortnng bezeichnet, wenn Jemand dasjenige von sich weist, was ihm die Welt an statthaften Genüssen entgegen bringt. Alles dieses spricht dafür, daß es sich hier um eine neue Eigenthttmlichkeit handelt, die sich den Errungenschaften anfügt, wie sie bereits in den vorangehenden Sprüchen Gegenstand der Darstellung waren. Der ganze Perek, der von den beglückenden Folgen handelt, die sich an die Beschäftigung mit der Thora in der echten, reinen Absicht knüpfen, hat in dem unmittelbar vorangehenden Spruch, der äußeren Ehre gedacht, welche die Beschäftigung mit der Thora ihren Jüngern bringt. Der vorliegende Väterspruch geht noch einen bedeutsamen Schritt weiter und lehrt, was die Thora, dem, der sich ihr hingibt, ist, wenn er auch auf alle äußere Vorthecke verzichten muß. Die Thora hat die Kraft, demjenigen, dem im Leben nur Salz und Brod beschieden ist, alle Leckerbissen nicht nur zu ersetzen, sondern sie nicht einmal als Gegenstand der Entbehrung erscheinen zu lassen. Der Trunk aus dem ewig frisch sprudelnden Born der Thora hat die Kraft denjenigen schadlos zu halten, deffen Armuth ihm nicht einmal das Wasser zur Stillung ves Durstes ungeschmälert zu bieten vermag. Sie ist das bewährteste Ruhekissen für denjenigen, den der Mangel an einer Lagerstätte nöthigt auf der Erde zu schlafen. Alles Leid und alles Weh des Lebens, wie es Krankyeit und Tod, Familiensorgen und sozialer Druck nur mit sich bringen können, alles wird verklärt und gemildert, wenn sie an Jemanden herantreten, der sich durch diese Widerwärtigkeiten nicht von seiner Beschäftigung mit der Thora fortscheuchen läßt. Wer diese Widerstandskraft besitzt, wen die reine, selbstlose Beschäftigung mit der Thora auf jene Höhe bereits gehoben hat, an welche die Miseren des Lebens nicht mehr heranreichen, der besitzt das Glück dieses Lebens und das wahre Gute desjenigen Lebens, das nach dieser Zeitlichkeit unserer wartet. Diese Gottbegnadeten mögen zu jeder Zeit nur vereinzelt auf der sittlichen Höhe gestanden haben,