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Der Israelit · 1896-06-11 · Heft 47 (11.6.1896) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 47 (11.6.1896)
Date
1896-06-11
Page
– (sequence 17)
Language
German
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w m m XXXTH Jahrgang. Zweite Beilage zu M 47 des „Israelit". Literarische Umschau. 8. Immer mehr wird durch die Aufmerksamkeit, die man einem altehrwürdigen Werke zuwendet, dasselbe zu der ihm gebührenden Anerkennung gebracht, nachdem lange Zeit hindurch selbst der gefeierte Nainen des Verfassers es vor Vernachlässigungund Unterschätzung nicht schützen konnte. Es ist der Mischnacommentar des Maimonides, der in der hebräischen Uebertragung allerdings den gewöhnlichen Talmud-Ausgaben beigedruckt ist, aber theils durch die Uebersetzer, theils durch die Drucker entstellt, nicht so gewürdigt wurde, wie er es verdient. Es ist darum höchst anerkennenswerth, daß seit einigen Jahren jüngere Gelehrte dieses Werk zum Gegenstand ihrer Forschungen machen, die in den Bibliotheken ruhenden Handschriften hervorsuchen, den arabischen Text mit den Übersetzungen vergleichen und so durch Vergleich verschiedener Handschriften in den Stand gesetzt werden, sowohl Text als Uebersetzung richtig zu stellen. Es sind schon überraschende Resultate dadurch zu Tage gefördert worden, manches Dunkel wurde erhellt, scheinbare Widersprüche zwischen dem Commentar und dem Hauptwerke Maimonides wurden gelöst, der Sprachforschung wurden große Dienste geleistet, und verschiedene Zweige der Wissenschaft fanden historische Bereicherung. Seinen Vorgängern Weil, Zivi, Salom. Bamberger, Weiß, Herzog, Wohl, Wiener reiht sich in würdiger Art Dr. Selig Bamberger mit der Herausgabe von Maimonides' Commentar zum Tr actat Ch allah (Frankfurt a. M. 1895. I. Kauffmann) an. Sowohl der Text der Mifchna, wie auch die arabische Uebersetzung und deren hebräische Uebersetzung sind sorgfältig durchgesehen, bezw. berichtigt, die Einleitung gibt in kurzer Nebersicht die Geschichte des Commentars und seiner hebräischen Uebertragungen und die von genauer Sachkenntnis; unb gründlichem Studium zeugenden Noten geben dem Philologen, wie auch dem Forscher der Geschichte der Wissenschaften willkommene Erörterungen und Aufschlüsse; namentlich wird die Geschichte der beschreibenden Naturwissenschaft manche schöne Bereicherung aus diesen Notizen gewinnen. Die schöne Ausstattung der Schrift entspricht dem innern Werthe. — Eine Reihe „Kabbalistischer Studien" eröffnet Dr. Marcus Ehrenpreis mit einer Abhandlung über „Die Entwickelung der Emanationslehre in der Kabbala des XIII. Jahrhunderts." (Franks, a. M. 1895. I. Kauffmann.) Die Kabbala und ihre Entwickelung wissenschaftlich zu behandeln, schien bisher manchen unbeunberechtigt, manchen geradezu absurd. Ueberschätzung auf der einen, Unterschätzung auf der andern Seite hemmten die wissenschaftliche Erforschung dieses interessanten Gegenstandes. Der Vers, vorliegender Schrift hat sich nun die Aufgabe gestellt, zu erweisen, daß „die Kabbala als ein zusammenhängendes System metaphysischer, ethischer und religionsphilosophischer Gedanken zu betrachten sei, das in seinen wesentlichen Bestandtheilen ein ureigenes Produkt des jüdischen Geistes ist und sich parallel und in Wechselwirkung mit allen übrigen Collectivsormen des jüdischen Volkslebens entwickelt." Interessant ist gerade die Beobachtung der Entwickelung der Emanationslehre, die im Bahir-Buche auf bedenkliche Abwege geräth und zu Schlüffen gelangt, die sich mit dem jüdischen Lehrbegriff, wie ihn Maimonides scharf präcisirt, der Erschaffung der Welt aus Nichts, nicht vereinigen laffen, bis Latif in die richtigen Wege wieder einzulenken versucht. Die Abhandlung ist höchst intereffant und auch den: Laien auf diesem Gebiete verständlich. Sie zerfällt in 5 Capitel; Vorläufer der Kabbala, die Entwickelung der K. im XIII. Jahrhundert, die Vahir-Gruppe, Jsaae Jbn Latif und die Marechet- Gruppe — Dem Gebiet der jüdischen Philosophie gehört auch die Schrift von D r. A. Tänzer „Die Religionsphilosophie Josef Albo's nach seinem Werke „I klar im" 1. Theil (Frankfurt 1896. I. Kauffmann)" an. Von dein ganz richtigen Gedanken ausgehend, daß der Begriff der Religionsphilosophie, im engsten Sinne genommen, im positiven Judenthum so wenig wie in jedem andern positiven Religionsbekenntniß Raum habe, da die Philosophie voraussetzungslos sein müsse, mährend jedes positive Religionsbekenntniß gewisse Sätze als ununistößliche, der Kritik nicht unterworfene Lehren zur Voraussetzung hat: setzt der Vers, auseinander, daß die verschiedenen Versuche das Judenthum philosophisch zu begreifen, aus der Nothwendigkeit es andern Lehren gegenüber zu vertheidigen und zu schützen hervorgegangen seien. Philo wollte das Judenthum, als es mit dem Hellenismus in nahe Berührung kam, vor dem Forum der griechischen Philosophie rechtfertigen; Saadia bediente sich philosophischer Erörterungen, um es den Karäern und der arabischen Mutazita gegenüber zu vertheidigen, bezw. jene zu bekämpfen; Maimonides sah sich veranlaßt, der arabisch-aristotelischen Philosophie gegenüber Stellung zu nehmen und die Lehre des Judenthums aufrecht zu erhalten; Albo endlich stellte sich die Ausgabe, das Judenthum dem Chriftenlhum gegenüber zu vertheidigen. Die Frage nach der Abfassungszeit des „Jkkariin" sucht der Vers, durch eingehende Untersuchung zu erledigen, welche zu dem Resultate ge-

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