Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 46 (8.6.1896)
- Date
- 1896-06-08
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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868 welcher diese Wahl bestätigen sollte, weigerte sich, die drei erwähnten Juden anzuerkennen, weil, kraft des Gesetzes vom 11. Juli 1892, die Juden keinerlei Verwaltungsamt versehen dürfen. Der Vorsitzende des Municipalraths, indem er sich Namens des Raths über diese Ausschließung beschwerte, machte geltend, das dieser Commission überantwortete Amt trage nicht den Charakter eines Verwaltungsamtes. Der Senat nahm den Protest günstig auf und vernichtete den Beschluß des Gouverneurs von Kowno. Berichtigung. In dem ersten Liter. Bericht II. Beilage Nr. 45 ist in dem Satze: „Wir halten den Thierschutz für einen Gegenstand von sehr untergeordnetem Interesse, so lange der Thierschutz noch so viel zu wünschen übrig läßt" statt des gesperrt gedruckten Wortes: „Menschenschutz" zu lesen. vermischtes. Berlin. Nach neu erlassenen Bestimmungen über die Schule und den Unterricht in den Strafanstalten und größeren Gefängnissen im Ressort des Ministeriums haben bis zum vollendeten 29. Lebensjahr alle Gefangene an dem Unterricht in Religion, Deutsch und den Realien theilzunehmen. In Anstalten mit konfessionell gemischter Bevölkerung sind die Schüler im Religionsunterricht nach Konfessionellen zu trennen; jüdischen Gefangenen ist Religionsunterricht von einem jüdischen Religionslehrer zu ertheilen. Der Schulunterricht ist der Aufsicht der Anstaltsgeiftlichen unterstellt; diese erstreckt sich nicht auf den Religionsunterricht der anderen Konfession. Nürnberg. Am 25. und 26. Mai tagte hier die IV. freie Conferenz der bayrischen Rabbiner, an der sämmtliche Herren entweder persönlich oder durch geschäftsordnungsmäßige Vertretung Theil nahmen Es waren erschienen die Herren Adle r—Kitzingen, Bamberg er—Bad Kis« singen, Dr. Bamberge r—B urgpreppach, Dr. C o h n—I chenhausen, Dr. Eck st ei n—B a m b e r g, Dr. Kohn — Ansbach, Dr. Kusznitzky — Bayreuth, Dr. Meyer—Regensburg, Dr. Neubürge r—Fürth, Dr. Stein—Schweinsurt, Dr. Weinv e v g—S ulzbürg, Dr. Werne r—M ü n ch e n, W i ßm a n n—S ch w a b a ch, D r. Z i e m l i ch—N ü r n b e r g. Als Gäste waren anwesend die Herren Justizrath Josephthal, Gallinger, Jung, Mitglieder der Kultusverwaltung Nürnberg und Dr. Braunschweiger und Dr. Tachauer—Würzb urg. — In Vertretung des erst zur zweiten Sitzung erschienenen Vorsitzenden des geschäftsführenden Ausschusses eröffnete Dr. Neubürger die Sitzung mit einigen begrüßenden Worten, stellte ein neueingetretenes Mitglied und die Herren Gäste vor und schloß mit einem begeistert aufgenommenen dreifachen Hoch auf Se. Kgl. Hoheit den Prinzregenten. Die Versammlung beschloß wie in den Vorjahren einstimmig die Absendung eines Huldigungstelegrammes. — Zum Vorsitzenden wurde Herr D r. Ziemlich, zu dessen Stellvertreter Dr. C o h n gewählt, das Schriftführeramt übernahmen Dr. Bamberger und Dr. W e i n b e r a. Den wichtigsten Berathungsgegenstand der diesjährigen Conferenz bildete der „Lehrplan für den Religionsunterricht in Mittelschulen", den die in Bamberg gewählte Kommission mit großer Hingebung und Gewissenhaftigkeit ausgcarbeitet und, dem vorjährig n Beschluß zufolge, vor der Zusammenkunft den Kollegen zur Prüfung zugesandt hatte. Zu einer ins Einzelne der umfangreichen Arbeit gehenden Diskussion reichte die zur Verfügung stehende Zeit nicht aus; es wurden daher nur die Abschnitte I und II „Disciplinen" und „Lehrziel" gründlichst durchberathen und in der lebhaften Debatte wie in den Beschlüssen die wichtigsten Principien erörtert und festgestellt. Die Conferenz sprach als Resolution den Wunsch aus, der Plan solle zunächst, soweit es thunlich sei, in den beiden untersten Klassen dem Unterrichte probeweise zu Grunde gelegt und die praktischen Ergebnisse zum Gegenstand weiterer Besprechungen gemacht werden. Herr Dr. C o b n berichtete über die Thätigkeit des geschäftsführenden Ausschusses in der Pensions-Angelegenheit und gab nähere Details über die seitens der einzelnen Herren — nach Abzug der vom Finanzausschuß gewährten Zuschüsse — an die Kasse zu leistenden Beiträge. Der geschäftsführende Ausschuß wird die nöthigcn Schritte thun, um fernere, wünschenswerte Erleichterungen für die nicht kontraktlich pensionsberechtigten Kollegen zu erwirken. — Der Rest der Sitzung war durch einen sehr anregenden Meinungsaustausch über mehrere höchst wichtige, internere amtliche Angelegenheiten in Anspruch genommen. Am Schluß der Conferenz — während deren aus der allerhöchsten Geheimkanzlei des Prinzregenten ein huldvollstes Antworttelegramm eingelaufen war — wurden die bisherigen Mitglieder des geschäftsführenden Ausschusses, die Herren DDr. Cohn, Neubürger, Bamberger (Kiss.) und Ziemlich wiedergewählt; neu gewählt wurden die Herren Dr. Werner (München), der auch bisher die Thätigkeit des Ausschusses mehrfach wirksam unterstützt hatte, und gemäß 8 10 der Geschäftsordnung, nach welchem die Ausschußmitglieder zu gleichen Theilen den verschiedenen religiösen Richtungen angchören sollen. Dr. Meyer (Regensburg); als Ersatzmänner wurden bestimmt die Herren Dr Groß und Dr. Stein. An die Rabbinerconferenz schloß sich auch in diesem Jahre eine Ausschußsitzung des „L a n d e s v e r e i n s zur Unterstützung n o th leiden d er israelitischer Kultusgemeinden in Bayern" an. Dieselbe fand unter dem Vorsitz des Herrn Justizrath Gunzenhäuser- Fürth und unter großer Betheiligung von Rabbinen und Gemeindevertrctern am 26 Mai Nachmittags statt und lieferte den erfreulichsten Beweis für das dem Verein allseitig bekundete Interesse, sowie für dessen ersprießliche Thätigkeit. Nach einem eingehenden Kassenberichte, den Herr Dr. N e u b ü r g e r erstattete, berichtete der Vorsitzende über die eingegangenen Unterstützungsgesuche, deren Zahl sich auf 36 belief, und stellte seine auf gründlicher Information und wohlwollender Prüfung der Verhältnisse beruhenden Anträge, welche fast ohne Debatte die Zustimmung der versammelten Ausschußmitglieder finden konnten. Die gesummten Unterstützungen betragen nahezu M. 7000. — Am bemerkenswertesten sind die nach 8 '6, Zifs. 4 bewilligten Subventionen zur Bildung von Kultusgemeinden in Strauberg und Hof, deren geistliche Leitung die Herren Dr. Mayer-Regensburg und Dr. Kusznitzky-Bayreuth unentgeltlich zu übernehmen sich bereit erklärten, und die gemäß 8 2 beschlossene Unterstützung eines 62jährigen emeritirten Lehrers, dem die kleine Gemeinde, in welcher er mehrere Jahrzehnte lang segensreich gewirkt hat. aus eigenen Mitteln keine Pension zu geben vermag. Im Uebrigen wurden Unterstützungen in Einzelbeträgen von M. 40.— bis 400 — bewilligt zur Errichtung bezw. Reparatur von Schulhäusern, Synagogen, Ritualbädern, zur Beschaffung oder Verbesserung von Religionsunterricht und als Beiträge zu den Gehältern von Lehrern in kleinen, finanziell schwachen Gemeinden. Einer liebenswürdigen Einladung der Kultusverwaltung folgend, blieben ein großer Theil der Rabbiner und Vor-