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Der Israelit · 1896-06-01 · Heft 44 (1.6.1896) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 44 (1.6.1896)
Date
1896-06-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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’wm 7* Y V - y-;• >;• •••' 7 827 I I das Wort ab, „daß ich nicht gesonnen bin, mich in meinem Hause über Ritterlichkeit und Ehre belehren zu lassen — am allerwenigsten vcn Ihnen." Er zog seine goldene von Edelsteinen funkelnde Uhr aus der Tasche, ließ den Deckel aufspringen und warf einen Blick auf das Zifferblatt. „Ich gewähre Ihnen noch eine Viertelstunde Aufenthalt in meinem Hause. Trachten Sie, sich dieselbe nützlich zu machen." „Eine Viertelstunde!" wiederholte Arthur. „Ein kurzer Zeitraum, fürwahr, zur Herzählung all' des schweren Unglücks, welches Sie über unser Haus gebracht. So will ich mich blos auf Ihre Capitalsünden beschränken. Vor Allem gestatten Sie mir die Frage, ob in Ihrem Gewissen keine Stimme gegen das Unrecht erwacht, einem Vater, einer Mutter zu verbieten, ihr Kind zu umarmen? Ahnen Sie nicht, was Sie damit thun, daß Sie mit beispielloser Fühllosigkeit das heiligste Gesetz der Natur antasten? Wenn es nicht unter Ihrer Würde war, die Tochter m heiralhen, auf den Pferden des Sohnes zu reiten, in dessen Wäldern zu jagen, sich vom Vater Ihre nicht eben von Gesundheit strotzenden Finanzen regeln zu lassen, wie dürfen Sie mit einemmal erklären, es vereinige sich nicht mit der Würde Ihres Standes, mit diesen Leuten ferner zu verkehren, ja ihnen auch nur den Zutritt in Ihr Haus zu gestatten? Weiter möchte ich mir die Frage erlauben, ob Sie sich nicht mehr der Pflichten bewußt sind, welche Sie vor dem Altäre meiner Schwester gegenüber übernommen haben. Aus Schonung für Sie, will ich es unterlassen. Sie an den Zustand zu erinnern, in welchem Sie sich befanden, als Sie um die Hand meiner Schwester anhielten. Helene war damals ein blühendes Mädchen, umgeben von Glanz und Reichthum, umworben von einer Schaar aufrichtiger Anbeter. Da kamen Sie und Ilona war schwach, wir aber thöricht genug. Ihnen den Vorzug vor allen Andern geben. Von den Beweggründen, die uns, meine Eltern und mich, bei dieser Wahl leiteten, will ich lieber schweigen; leider ist es nur zu wahr und ich gestehe es reumüthig ein, daß sie nicht die edelsten waren. Wir waren eitel genug nach dem Glanze eines gräflichen Wappens zu begehren. Aber Ilona war frei von unserer thörichten Verirrung! Bei der unantastbaren Heiligkeit meines Mannesworts schwöre ich Ihnen, daß sie auf keine andere Stimine hörte, als die ihres Herzens, daß nichts anderes sie zu Ihnen hinzog, als oer magnetische Zug des Herzens, den Sie zu erwecken gewußt haben. Ich war der Vertraute ihrer geheimsten Regungen — verzeihe mir Schwester", unterbrach er sich, zu Ilona gewandt, die ihn mit flehender Geberde zu schweigen beschwor, „verzeihe mir, daß ich einen Verrath an Deinem Zutrauen begehe — ich kann nicht anders!" Dann wieder sich zum Grafen wendend, fuhr er fort: Ich war Zeuge der glühenden Gefühlsäußerungen, welche dem armen, leichtgläubigen Wesen Ihre Schwüre von ewiger Treue und Liebe entlockten. Wie haben Sie diese Schwüre gehalten, wie lange hat die Ewigkeit gedauert? Kaum fühlten Sie sich durch die reiche Mitgift vom Drucke der Armuth befreit, als Sie sich vor der blaublütigen Gesellschaft Ihrer Meßalliance zu schämen ansingen. Schnöde brachten Sie Ihrer Leichtfertigkeit das Glück eines hoffnungsvollen Menschenlebens zum Opfer; mit der Herzlosigkeit eines spanischen Folterknechts. —" „Hüten Sie sich", sprach der Graf mit dem Zeigefinger drohend, „meine Nachsicht auf die Spitze zu treiben." „. . . . Setzten Sie den Fuß auf eine zarte Menschenblume und knickten sie. Sehen Sie, wozu die Jahre der Verbindung mit Ihnen meine Schwester gemacht haben — zu einem Schatten ihres einstigen Wesens!" —• Arthur schwieg, die Blicke zuwartend — in das Gesicht des Grafen gebohrt. Er versprach sich von seinen Worten eine vernichtende Wirkung auf denselben. Die Wirkung ließ denn auch nicht lange auf sich warten. Der Graf gähnte unendlich gelangweilt, währenddem er die Hand vor seinen Mund hielt. Dann lehnte er sich leicht an die Kante eines niedrigen Möbels, schlenkerte einen Fuß unter den andern, ließ die eine Hand tief in der Hosentasche verschwinden und begann dann endlich, nachdem er noch vorher behutsam die Asche seiner Cigarrette abgeschüttelt hatte: „Ich werde weniger schwunghaft, dafür aber um so kürzer sein, als Sie. Die Sache kalt betrachtet und von dem Schwulst befreit, mit dem Sie dieselbe verbrämt haben, stellt sich folgendermaßen dar. Die finanzielle Aufhülfe, mit welcher Sie geflunkert haben — ich bin nicht im mindesten überrascht davon, denn Sie mußten nicht Jude sein, um eine so günstige Gelegenheit unbenutzt zu lasten. — Diese Abhülfe allo war nach einer stillschweigenden Voraussetzung der Preis dafür, daß ich Ihrem Vater zu einer gräflichen Tochter verhalf. „Schämen Sie sich", brach jetzt die Gräfin mit thränenerftickter Stimme ihr Schweigen. — „Das ist eine Schändlichkeit!" „Sachte, sachte, meine Liebe. Wählen Sie Ihre Ausdrücke besser und echauffiren Sie sich nicht ohne Roth.-Diese Auffassung herrschte von meiner Heirath in der gesammten aristokratischen Welt und nur unter diesem Gesichtspunkte durfte ich hoffen, von derselben Absolution für diesen Schritt zu erlangen. Ich durfte die Ehre meines Standes um kein Iota mehr engagieren. Ihre Schwester war meine Frau — das ist Alles. Demnach versteht es sich von selbst, daß ich mit einem Manne und seiner Sippe

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