Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 38-39 (14.5.1896)
- Date
- 1896-05-14
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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766 ihn siebenjährige Knechtschaft verhängt, zur Strafe, weil er seine Frau so schlecht behandelt hatte. Er, der hartherzige Mann, müsse nun sieben Jahre lang unter fremder Herrschaft seufzen, um an dem eigenen Leib zu erfahren, wie bitter cs ist. hart behandelt zu werden. Vergebens jammerte und flehte die Gattin um Gnade für ihren Mann, — nie! ts half, das Urtheil war gefällt und konnte nicht mehr rückgängig gemacht werden. An der Stelle, wo ihr der Mann entrissen wurde, erbaute die getreue Gattin eine Hütte und beschloß, hier seiner Wiederkunft zu harren. Sie litt viel Kummer und verzehrte sich in Sehnsucht nach ihrem Manne, denn im Grunde des Herzens liebte sie ihn tief und treu, wie es einer jüdischen Gattin geziemt. Sie hatte ihm alle Kränkungen verziehen und betete zu Gott, ihm sein Schicksal zu erleichtern. EincS Tages, es war gerade am ersten Jahrestage des verhängnißvollen Ereignisses, kam an die Hütte der einsamen trauernden Frau ein Mann in Sklavenkleidung und bat um Einlaß. Die Frau erkannte sofort ihren Gatten und suchte ihn zum Bleiben zu bewegen. Er aber antwortete, seine LeidenSzeit sei noch nicht erfüllt, er müsse noch sechs Jahre in Knechtschaft leben zur Strafe dafür, daß er siebenmal den Ermahnungen des Propheten kein Gehör geleistet, seine Frau durch böse Worte gekränkt und ihr Thränen erpreßt hatte. Da begann die Frau bitterlich zu weinen und zu klagen, bis Eliah kam und sie tröstete, indem er sagte, nun könne der Gatte bei ihr bleiben. „Die Thränen dieser Frau haben Dich erlöst. Nun sieh' zu, daß sie nicht mehr durch Deine Veranlassung fließen'. Sie begannen ein neues Leben voll Frieden und Eintracht. Eliah gab ihnen seinen Segen und sagte: „Merkt Euch, ich bin ein Freund der Bedrängten!"' Waren einmal zwei Brüder, der eine reich, der andere arm. Der Reiche war hartherzig, gab keine Almosen und gewährte armen Leuten, die auf dem Wege waren, kein Nachtlager in seinem Hause; der Arme dagegen theilte gerne seinen Bissen mit dem noch Aermeren und nahm Wanderer in seiner Hütte gastlich aus. Da kam einmal ein armer Mann zum Reichen und bat um ein Nachtlager; er wurde aber abgewiesen. Hierauf begab er sich zum Armen und von diesem wurde er gastfreundlich ausgenommen und bewirthet. Als er sich am anderen Murgen verabschiedete, sagte er zu seinem Wirthe: „Ich bin Eliah der Prophet, und zum Lohn für Deine Gastfreundschaft segne ich Dich, daß Dir drei Herzenswünsche in Erfüllung gehen." Der^Arme hatte drei Herzenswünsche: daß seine Frau einen Sohn gebäre — er hatte nur Töchter, daß er einen Antheil an der künftigen Welt habe, und daß die Armuth von ihm genommen werde. Dieser letzte Wunsch war so beschaffen, daß er gleich in Erfüllung gehen konnte, und als der reiche Bruder zum Fenster hinausschaute, war er nicht wenig erstaunt, an der Stelle der bisherigen ärmlichen Hütte einen herrlichen Palast zu erblicken von prächtigen Gärten umgeben. Erfüllt von Ueberraschung und von Neid, begab er sich zu seinem Bruder und befragte ihn darüber. Als ihm dieser den Sachverhalt erzählte, erkannte er in Eliah dem Propheten den armen Wanderer, den er gestern abgewiesen hatte. Sofort ließ er ein schnellfüßiges Roß satteln und eilte ihm, der inzwischen fortgegangen war, nach. Als er ihn eingeholt hatte, suchte er sein Betragen von gestern, so gut es ging, zu entschuldigen und flehte Eliah an, bei ihm einzukehren. Dieser wollte sich jedoch keineswegs dazu bewegen lassen, aber um den Zudringlichen los zu werden, sagte er ihm: „Da es sich für Dich ja blos darum handelt, daß Deine Wünsche in Erfüllung gehen, so verspreche ich Dir die Erfüllung von drei Wünschen, und nun gehe in Gottes Namen Deines Weges." Der Reiche war froh und kehrte heim, da er aber sehr habgierig war, wollte er sich etwas recht Großes ausdenken, viel Gold und Silber und Diamanten; er getraute sich nicht selber die Wünsche zu stellen und wollte mit seiner Frau über die wichtige Angelegenheit berathen. Unterwegs ward jedoch sein Pferd träge und er fluchte ihm ungeduldig und roh: „Daß Du verenden möchtest auf der Stelle!" Augenblicklich streckte sich das Pferd hin und verendete. Der Mann erschrack, denn nun hatte er nur noch zwei Wünsche übrig. Schwer beladen mit dem kostbaren Sattel, den zurückzulassen ihm sein Geiz nicht gestattete, eilte der Mann nach Hause, um so schnell als möglich mit der Frau über die noch übrigen zwei Wünsche zu berathen. Da wurde ihm die Last zu schwer und er rief verdrossen: „Ach, wenn meine Frau, die jetzt bequem zu Hause sitzt, auch etwas von dieser Last, unter welcher ich beinahe zusammenbreche, zu verspüren bekäme!" Und alssogleich war der Sattel verschwunden. Zu Hause angelangt, sah der reiche Mann seine Frau keuchend unter der Last des Sattels schier unterliegen, der gar nicht hinunterwollte. Da mußte er auch noch den dritten Wunsch preisgeben, um seine Frau von der drückenden Last zu befreien. Und Alles blieb beim Alten. (Schluß folgt.)