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Der Israelit · 1896-05-14 · Heft 38-39 (14.5.1896) · page 24

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 38-39 (14.5.1896)
Date
1896-05-14
Page
– (sequence 24)
Language
German
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. - '•?-' 764 ein fürchterliches Schneegestöber ein, und draußen zeigte sich keine lebendige Seele. Der Gastwirth war sehr mißmuthig, da er keine Aussicht hatte, am Sabbat einen Gast bei Tische zu bewirthen. Er ließ daher einspannen, um auf die Landstraße zu fahren, in der Hoffnung, dort Wanderer anzutreffen, denen er sein Haus und seinen Tisch anbieten könnte. Da kam ein Schlitten einhergefahren, der eine ganze Reisegesellschaft führte. Der hocherfreute Wirth ließ nun sein Gefährt quer über stehen, so daß es den Reisenden den Weg versperrte, und lud diese zu sich auf Sabbat. Die Reisenden antworteten, sie könnten seiner Bitte nicht willfahren, da sie auf dem Wege nach der nächstgelegenen Stadt wären, um für die Aussteuer einer armen Braut Geld zu sammeln. Sie müßten noch heute dort eintreffen, da sie von einem reichen Manne, der dort wohnte, eine größere Geldgabe erwartete, welcher aber morgen Abends verreise. Der Gastwirth ließ sich jedoch nicht abweisen und sagte: Ich bin zwar nicht so reich wie jener Mann, aber ich will Euch gerne die gleiche Summe bieten, wenn Ihr nur meine Einladung nicht zurückweiset. Es fällt mir schwer, die Mizwah, die ich seit vielen Jahren übe, gerade heute mir entgehen zu lasien, auch fürchte ich, Ihr könntet Euch verspäten, und den Sabbat entweihen. Solchen Vorstellungen gaben die Reisenden nach und kehrten beim Wirth ein, wo man den Sabbat bei fröhlicher und gehobener Stimmung zubrachte. Abends, zum Ausgange des Sabbat, bereitete man ein fröhliches Geleitemahl, wie es geboten ist, und saß in munterem Gespräche bis Mitternacht beisammen, da sich die Gäste verabschieden sollten. Aber als diese schon sich zur Abfahrt rüsteten, stellte es sich heraus, daß es nicht Almosensammler, sondern gewöhnliche Räuber waren. Sie banden den Wirth, seine Frau und Kinder und steckten alles Geld und alle Kostbarkeiten zu sich. Dann wollten sie ihre Gastgeber ermorden. Vergebens stehte der Wirth sie an und beschwor sie, ihm und den Seinigen das nackte Leben zu schenken. „Du wirst die Sache den Gerichten übergeben, dann wird man uns verfolgen und um unser Leben ist's geschehen," war die Antwort. Da entstand draußen ein großer Lärm, der Boden erdröhnte wie von tausend Pferdehufen und eine Stimme rief: „Oeffnet, denn wir wollen hier Militär einqartieren!" Die Räuber erschracken zu Tode und flüchteten sich durch ein Hinterthürchen. Dann entledigten sich die Wirthsleute langsam der Fesseln, öffneten das Thor, aber Niemand war zu sehen. Sie gingen hinaus, spähten einige hundert Schritte in der Runde, sie riefen — Niemand antwortete. Da wußten sie, daß es Gottes Hand war, welche sie durch ein Wunder vom Tode gerettet. Da sagte der Wirth zu seiner Frau: „Nun wollen wir Gott loben und lustig fein." Sie setzten sich wieder an den Tisch, aber da vernahm man von neuem ein Klopfen am Thor. Der Mann erhob sich um nachzusehen, aber die Frau wollte ihn zurückhalten. „Vielleicht sind es die Räuber, die gemerkt haben, daß keine Gefahr sei und nun wiederkommen, um ihre Opfer zu holen." Doch davon ließ sich der Mann nicht abschrecken und versetzte: „Wenn es auch die Räuber wären, so können sie doch inzwischen Reue empfunden haben und kommen nun, um mich um Verzeihung zu bitten. Soll ich ihnen denn unmöglich machen, vor Gott Buße zu thun?" Er öffnete und herein traten sieben Greise, geführt von einem kleinen „Jüdel". Sofort erfüllte strahlendes Licht den Raum, und diese Greise sagten: „Wir sind die sieben Hirten Israels und kommen zu Dir, geführt von Eliah dem Propheten, um unter Deinem Dache zu weilen und an Deinem Tische zu sitzen, weil Du so fromm bist und Gott vertraut hast. Die künftige Welt wird Dein Erbtheil sein." Eliah ist ein Friedensstifter, er ist ein Feind alles Zankes und Haders in der Familie und der Gemeinde, die Friedfertigen können seines Schutzes stets gewärtig sein, während der Zanksüchtigen eine unerbittliche, oft nicht leichte Strafe harrt. Letzteres erfuhr in bitterer Weise ein frommer Bachur. Dieser verließ nämlich seine Heimath, um in eine entfernte Stadt zu wandern, wo ein großer Rabbi ein hochberühmtes Lehrhaus leitete; dort wollte er an der Quelle seinen Durst nach Weisheit stillen. Unterwegs begegnete ihm Eliah, der Prophet, und rieth ihm, zuerst eine Frau zu nehmen, um sich dann um so ungestörter dem Studium der Lehre hingeben zu können. „Ich kenne ein Mädchen, die verwaiste Tochter eines Rabbi, die werde ich Dir gerne zur Frau geben, wenn Du mir versprichst, sie mit gebührender Achtung und Liebe zu behandeln, und ihr nie ein böses Wort zu sagen." Der Jünger der Lehre versprach Eliah, seine zukünftige Frau wie seinen Augenstern zu schonen, und sie wie die eigene Mutter zu ehren. Eliah verheirathete das Paar und nährte sie von dem Ertrage seines Ackers, den er selbst bestellte. Von Zeit zu Zeit besuchte er seine Schützlinge und war überaus zufrieden mit ihrem musterhaften ehelichen Zusammenleben. Mit der Zeit aber erwachte in dem Herzen des Mannes die Herrschsucht. er begann sich über seine Frau zu überheben, weil er gelehrter war wie sie, vergaß das Versprechen, das er Eliah, dem Propheten, gegeben und kränkte hin und wieder seine Frau durch Worte. Diese nahm es geduldig hin, im Stillen jedoch vergoß sie bittere Thränen und klagte über ihr entschwundenes Glück. Einmal merkte Eliah bei seinem Besuche, daß die Frau geweint hatte. Er wies in strengen Worten den Ehemann zurecht, und dieser versprach auch, sich

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