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Der Israelit · 1896-05-14 · Heft 38-39 (14.5.1896) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 38-39 (14.5.1896)
Date
1896-05-14
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Orthodoxe «MuderrthumÄ j-O-M O 5 E S v'l- ' 13. Mai 1896.] lNr. 7. msm Rliay der Mrophet. Aus einem jüdischen Sagenkranze. og}+ Seitdem Eliah der Prophet sein Erdenwallen abgeschlossen hat, um auf einem mit Feuerrossen bespannten Feuerwagen gen Himmel zu fahren, hat er nicht aufgehört sein Volk öfter zu besuchen. An den beiden Pesachabenden beim Seder, zwischen dem ersten und zweiten Theil der Hagadah beehrt er Jedermann ohne Ausnahme mit einem, sozusagen offiziellen Besuch. Dabei bleibt er allerdings unsichtbar. Aber gar manchem ist er schon erschienen, um ihn vor einer drohenden Gefahr zu warnen — namentlich wenn eine Gelegenheit zur Sünde lockend bevorsteht — um Trost im Leiden zu spenden, oder zur Buße für eine begangene Sünde zu ermahnen. Er kommt auch, um in der Roth seine helfende Hand zu reichen, in Gefahren seine schützenden Fittige über die Schwachen und Hiflosen zu breiten, das Elend der Armen zu lindern; nicht selten spielt er den Bösen einen schelmischen, niemals einen gefährlichen Streich. Besonders sind die heimathlosen Armen seine Schutzbefohlenen und er weilt am liebsten in den Häusern derer, die sie gastlich ausgenommen und liebreich bewirthet haben. Auch die Kinder hat er lieb uitb läßt ihnen seinen Schutz angedeihen. Er erscheint dem Auge des Sterblichen am liebsten in der Gestalt eines wandernden Bettlers, als altes, kleines „Jüdel" in einem abgetragenen Mantel, zerrissenem Schuhwerk, einen zerknitterten Hut auf dem Kopf, im Munde ein kleines Pfeifchen. Er tritt ein, bittet um Feuer zur Pfeife, um ein Almosen oder ein Stück Brod, und kaum aus der Stube getreten, ist er verschwunden. Zuweilen erscheint er als Rabbiner oder als reicher Mann in prächtigem Seidentalar und Zobelmütze, in der Hand einen Stock mit Silberknopf. Die Gestalt nimmt er nur an, wenn es gilt sich unter die Reichen zu mischen, um sie zum Besten zu haben, oder ihnen eine herbe Wahrheit zu sagen. Eliah der Prophet ist ein Glücksbringer. „Heil dem, der sein Antlitz im Traume geschaut, der ihn gegrüßt, und seinen Gruß entgegengenommen hat." (Aus einem Hymnus auf Eliah, der beim Ausgange des Sabbat gesungen wird.) Empfiehlt sich Jemand, um eine Reise anzutreten, so wird ihm nachgerufen: „Begegne Eliah und schick' ihn auch zu uns." Denn zuweilen lüftet Eliah der Prophet sein Inkognito, und in solchem Augenblicke steht dem Sterblichen eine Frage an die Ewigkeit oder eine Bitte an den Himmel offen. Und nicht nur himmlische Seligkeit, auch irdisches Glück kann er da zusichern. Eliah durchmißt die Welt in vierfachem Fluge, daher seine Allgegenwart, die ihn fast den Engeln gleichstellt, während er andererseits, wie alle Frommen und gerechte Menschen, gewissermaßen über ihnen steht. So kann er zuweilen etwas auf eigene Faust unternehmen, was in die Kompetenz der höchsten Gewalten eingreift, ohne daß sein Beschluß rückgängig gemacht wird. In alten talmudischen Zeiten, da war Eliah unter den Menschen öfter zu Gast; so mancher fromme Rabbi erfreute sich sogar seiner intimen Freundschaft. Zuweilen mengte er sich in den gelehrten Streit der

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