Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1896-05-14 · Heft 38-39 (14.5.1896) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 38-39 (14.5.1896)
Date
1896-05-14
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448608-2448645--41793-2490767
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

XXXVH Jahrgang. Zweite Keil. M M 38 & 39 des „Israelit". Literarischer Mericht- Jüdisch-spanische Chrestomathie von M. Grünbaum. Mil Unterstützung der Zurrz stistUNg gedruckt. Frankfurt a. M. I. Kauf fma nn 1896. Glänzende Bilder, herrliche Gestalten treten vor unseres Geistes Auge, wenn wir der spanischen Epoche in der jüdischen Geschichte gedenken. Sterne erster Größe am Himmel des Juoenthums, wie Gabirol und Jehuda Halewi, Iben Esra und Maimonides verbreiten hier ihr hellglänzendes Licht —, der vielen Sterne zweiter Größe nicht zu gedenken. Dieser Periode gehören aber auch die traurigsten und düstersten Seiten in der Geschichte unseres Staurmes an. Sie erzählt uns nicht nur von der Blüthe der jüdischen Wissenschaft, von einer glänzenden Reihe klangvoller Namen, die zu den größten Söhnen des Judenthums zählen und seinen Ruhm ausmachen, die als Gesetzeslehrer und Philosophen, als Staatsmänner und Dichter, als Exegeten und Grammatiker Großes leisteten, auch die Leidensgeschichte des jüdischen Stammes nimmt einen breiten Ramu in ihr ein. Es gibt wohl kein Land der Erde, dessen Boden so reichlich getränkt wurde vom Blute jüdischer Märtyrer und von den Thränen jüdischer Gtaubenshelden als das sonnige, schöne Land auf der pyrenüischen Halbinsel. Die siuchwürdigste und ruchloseste Institution, die nur je menschlicher Fanatismus ins Leben gerufen, hat in jenem von der Natur gesegneten Lande mit Feuer und Schwert ärger gewüthet, als der grausamste, zerstörungslustige Eroberer. Unheilbare Wunden hat sie dem Lande geschlagen, von deren Nachwirkungen es sich bis auf den heutigen Tag noch nicht erholen konnte; seine besten Söhne hat sie entweder dem Scheiterhaufen überliefert oder in die Fremde hinausgestoßen. Und da bietet sich uns eine merkwürdige, staunenerregende Erscheinung! Vier Jahrhunderte sind verflossen, seitdem die Juden auf Befehl Ferdinands des Katholischen und der Königin Jsabella Spanien verlassen mußten, und noch heute sprechen die Nachkommen jener Vertriebenen die Sprache jener unnatürlichen Mutter, die so schonungslos und ohne Erbarmen gegen ihre eigenen Kinder gewüthet hat. Wie die Juden deutscher Zunge die Sprache ihres ehemaligen Vaterlandes, freilich arg verstümmelt und mit fremden Bestandtheilen vermischt, bis an die Grenzen das Ural mit sich geführt und ihr so eine Verbreitung verschafft haben, die sie sonst nimmer erlangt hätte, so sprechen noch heute die Spaniolen ooer Sefardim in der Türkei und in Serbien, in Rumänien und in Bulgarien, in Amsterdam und in Wien die Sprache ihres ehemaligen Heimathslandes, das sie vor vier Jahrhunderten verlassen mußten. Es wird für Biele von besonderem Jntereffe sein zu lesen, was der Verfasser des vorliegenden Werkes S. 5 in der Einleitung schreibt. „Bemerkenswerth ist namentlich, daß die in Wien lebenden Sephardim, zumeist Levantiner, gewissermaßen eine spanische Eolonie bilden. Nicht nur daß sie im gegenseitigen Verkehr sich der spanischen Sprache bedienen; es erscheinen auch Bücher in derselben Sprache, wie deren tuehrere, zuni Unterricht und zur Religionosphäre gehörige, weiter unten anzuführende, in den jüngsten Jahren erschienen sind, ebenso zur Prosanliteratnr gehörige Bücher, sowie zumeist für den Trient bestinunte Zeitungen und Zeitschriften." Grünbaum, der rühmliebst bekannte Verfasser des vorliegenden Werkes, hat sich den Dank weitester Kreise erworben, iudeur er nicht nur auf diese Thatfachen, die nicht allgemein bekannt fein dürften, hinweist, sondern auch Jedermann in den Stand setzt, sich mit der eigenartigen Literatur des Jüdisch- Spanischen vertrant zu machen. Wer die srüberen Arbeiten Grünbaumo kennt, z. B. „die I ü d i s cfr deut s eb e E h r e st o nt a 1 b i e", „Neue Beiträge zur seiuitischen Sagen künde" oder seine Aufsätze in der Zeitsebrift der D. M. G., wird von dein Vers, nur Gediegenes und Mustergültiges erwarten, und diese Erwartung hat uns auch diesmal nicht getäuscht.- das vorliegende Werk reiht sich würdig den früheren Arbeiten des Verfassers an. Eine jüdisch-spanische Ebrestomathie bat zwar mit ganz anderen Schwierigkeiten zu kämpfen als eine jüdisch-deutsche; jene erfordert ausgebreitete, nicht gewöhnliche Kenntnisse aus romanischem Sprachgebiete und auch ihre Literatnrerzeugnisse und für uns nur schwer zugänglich. Doch die erstere Schwierigkeit besteht für den Vers, gar nicht, denn er beherrscht die romanischen wie semitischen Sprachen mit gleicher Meisterschaft, und, was die zweite betrifft, so wußte er sie durch Fleiß und Beharrlichkeit zu überwinden. Mit vielen Mühen und großen Kosten bat er sich eine reichhaltige Kollektion jüdisch-spanischer Werke, manche darunter von großer Seltenheit, verschafft. In dieser Beziehung ist schon das Inhaltsverzeichnis; intereffant und belehrend, denn es enthalt die Titel von 88 Werken und Zeitschriften biblischen, liturgischen, ethisch-religiösen, belehrenden und kabbalistischen Inhalts; ferner humoristische und unterhaltende Schriften und Zeitungen. Diese Sammlung hat ihn auch in den Stand gesetzt, viele Angaben bei Käufer-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.