Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 38-39 (14.5.1896)
- Date
- 1896-05-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXVII Jahrgang. M 88 <fc 39. Der Israelit. St« Aenlrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag , den 14. Mai 5656 (1896). Des heil. Schabuolhfestes wegen geben wir heute eine Doppelnummer. Die nächste Nummer, wiederum eine Doppelnummer, erscheint Donnerstag, den 21. Mai« Leitender Artikel Frühling auf rother Erde- „Das Grün auch, das auf Gräbern sproßt — Mahnt an den Frühling leise." Dieses Wort des deutschen Dichters könnte man als Motto auf ein Ereigniß anwenden, das für unsere Emunah von der größten Bedeutung zu werden verspricht. Und nicht nur für die Emunah der gesetzestrerren Israeliten Westfalens, sondern für das gesammte wahre Judenthum. Ein Projekt, dessen Durchführung von allen Denen, welchen die Erhaltung und Fortpflanzung unserer heiligen Lehre noch am Herzen liegt, schon lange herbeigewünscht, dein sich aber bis jetzt unüberwindliche Schwierigkeiten in den Weg gestellt haben, ist unter göttlichem Beistände endlich zur Verwirklichung gekommen. In einer am 19. Januar d. I. zu Münster i. W. stattgefundenen Versammlung, zu der sich 22 Herren aus 15 westfälischen Gemeinden eingesunden, ist ein „Verein zur Wahrung der r el i gi ö sen Inte r e s s e n des I u d e n 1 h u in s i n der Provinz Westfalen" gegründet worden. Dieser Verein hat es sich zur Ausgabe gestellt, mit allen Kräften dahin zu wirken, daß die Fahne des von unseren Vätern uns überlieferten Judenthums auch in Westfalen wieder zu der ihr gebührenden Ehre gebracht und hochgehalten werde, daß der Thora wieder eine Stätte angewiesen — mtsj/n Tinr6 — und unseren Kindern unser heiliges Religionsgesetz vererbt werde, wie cs in ruempn lirnin niedergelegt, wie es im Talmud und seinen Decisoren codifizirt ist. Um dieses zu erstreben, ist das nächste Ziel des Vereins an die Spitze dieser Vereinigung einen streng g e s e tz e s t r e u e n Rabbiner zu berufen. Wenn man bedenkt, wie die circa 150 jüd. Gemeinden umfassende Provinz Westfalen schon seit langen Jahren, seit dem Tode des Oberrabbiners Sutro — es mögen seitdem wohl ca. 30 Jahre verflossen sein — noch immer des Rabbiners entbehrt, die Gemeinden noch immer umherirren inid nyn dn1? yx -)»x, wenn man ferner berücksichtigt, wie in Folge des Mangels eines geistlichen Oberhauptes der religiöse Verfall unter unseren Glaubensgenossen immer größere Dimensionen anzunehmen droht, so daß in Bezug auf die wichtigsten religiösen Institutionen einer jüo. Gemeinde, nmay rrpo rnrnr, Religionsunterricht u. s. w. die ärgste Zerfahrenheit, die größte Willkür herrscht, wie solches nirgendwo, in keiner anderen Provinz des deutschen Reichs, auch nur annährend der Fall ist, so daß man mit Recht sagen kann: rwjr n’yn -tcrn pd etn, und wenn man endlich bedenkt, wie der Vorstand des Verbandes der Synagogengemeinden Westfalens alle Anstrengungen macht, um die ptu Verband gehörenden Gemeinden mit den „Segnungen" und „Errungenschaften" der erassesten Reform zu beglücken, wie es dem Vorstande auch bereits gelungen, an Stelle unserer heil, allehrwürdigen das sogenannte Vogelstein'sche Gebetbuch zur Einführung zu bringen, so wird es jedem einleuchten, wie nothwendig, ja wie dringend geboten die Bildung des nunmehr ins Leben gerufenen Vereins für Westfalen ist. Und darum ist das nun vollzogene, in seinen Folgen so schwerwiegende Ereigniß, das in allen gesetzestreuen Kreisen mit Freuden begrüßt werden wird, nicht hoch genug anzuschlagen; wünschen wir deßhalb dem Verein im Anschluß an den letzten Wochenabschnitt ein herzliches p*nn:n p;n. In der in Münster stattgefundenen Conserenz wurde zur Vorberathung der Statuten und Erledigung der erfordert. Schritte eine Commission gewählt,