Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 36 (7.5.1896)
- Date
- 1896-05-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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711 Feuilleton. Der Letzte seines Stammes Erzählung von Alphonfe de la Haye. 34) (Alle Rechte Vorbehalten.) 36. Capttel. Ent larvt. Als Jean in der Villa angelangt, kam ihm Martha entgegen. „Wo ist der gnädige Herr?" frug sie ihn voller Spannung anschauend. „Ich weiß nicht," stotterte der Alte; „ich soll sagen, er sei von Räubern überfallen worden, gnädiges Fräulein." „Pfui, wie Sie sich so schlecht ausdrücken," brach Martha in ein weithin schallendes Gelächter aus. „Sie feürfett doch der Comtesse nicht sagen, daß Sie sagen sollen der junge Herr sei entführt worden, sondern müssen womöglich mit weinerlicher Stimme ihr mittheilen, daß Ihnen der junge Herr von vermummten Straßenräubern entführt worden sei. Verstanden V' „Haben Sie sie auch gesehen, gnädiges Fräulein?- „Wen denn?" „Nun die Vermummten?" „So, Sie sind von verkleideten Personen angehalten worden und sprachen von einem Soll sagen? Nur tapfer! Ich gehe mit, aber recht tragisch, wenn ich bitten darf." Sie stieß die Bibliothekthüre auf und schob Jean hinein, während sie abermals hinaushuschte, die übrigen Ankömmlinge zu erwarten. „Du kommst alleine? wo ist Gaston?" — frug die Comtesse sich aus ihrem Fauteuil aufrichtend. Der Pater Pierre legte das Buch, in besten Lektüre er vertieft zu sein schien, bei Seite und sah ebenfalls Jean voller Spannung an. „Ich soll . . . ich muß" — stotterte der arme Jean, dem eine Unwahrheit nicht so recht über die Lippen wollte. — „Ich weiß nicht, wie ich Euere Gnaden, das melden soll." Ein triumphirender Seitenblick traf den Pater und an Jean gewendet, sprach die Comteste mit erkünstelter Besorgniß: „Was ist geschehen, Jean? Rede doch! Willst Du mich wahnsinnig machen?" „Ach!" — stotterte Jean nunmehr mit bebender Stimme — „Vermummte Gestalten habe ich bei der Villa ... ich soll ... ich muß . . . der gnädige Herr ist von Räubern entführt worden — hu! hu!" „Was sagst Du, ein Menschenraub auf offener Straße? Das ist ja empörend! Wollen.!" „Ja, es ist empörend!" — rief eine, laut durch den weiten Saal dröhnende Stimme und Dr. Blum, die zwei Vermummten vor sich schiebend, trat in den Saal. Ihnen folgte Dr. Marpua und Elchonon. Mit weit aufgeristenen Augen schauten die Comteste und der Pater auf die Ankömmlinge und ihre Züge verzerrten sich vor Entsetzen. Was war das? „So meine Bürschchen. Weg mit Euerer Vermummung! Ich will in Euer Schurkengesicht schauen!" — donnerte Dr. Blum; die Vermummten knirschten mit den Zähnen und warfen Pater Pierre einen feindseligen Blick zu. „Wozu wollen Sie in unser Gesicht sehen?" — versetzte einer der Vermummten „fragen Sie doch jenen hochwürdigen Herrn dort. Er kennt uns." Pater Pierre raffte sich auf und nahm seinen ganzen Muth zusammen. „Mit Verlaub", wandte er sich an Dr. Blum „Was sollen diese Scenen hier?" „Die nämliche Frage werde ich an Sie Hochwürdigen richten" — versetzte Blum mit höhnischem Lächeln. „Und Sie, hoffe ich, werden mir Auskunft geben können, da Sie doch der Anstifter dieser Scenen. Na, Bürschchen wirds? weg mit der Vermummung, sage ich! Euer sauberes Gesicht muß ich sehen." Als sie noch zögerten, riß ihnen Blum mit einem Ruck die Vermummung von ihrem Gesichte. Ein ausgeprägtes Gaunergesicht und die verzerrten Züge des Studenten Bloser schauten ihnen entgegen. „Auch Du Brutus!" rief Blum mit Entsetzen aus, Bloser am Ohrläppchen fastend. „Zu einem solchen säubern Geschäft giebst Du Dich her! Du hast es weit gebracht! Vom Lumpen zum Schurken ist eine kurze Spanne! Jetzt bekennt. Wo sollt Ihr Elchonon Pelouse hinbringen? Aber die Wahrheit Burschen, wenn ich Euch nicht der Polizei ausliefern soll!" „Warum sollen wir die Wahrheit nicht eingestehen, da das Spiel doch verloren gegangen ist", sprach Bloser zerknirscht. „Pater Pierre versprach uns einen hübschen Lohn, wenn wir Elchonon überfallen und ihn der Irrenanstalt des Dr. Roche abliefern. Noch mehr als nach dem Gelbe, lechzte mein Herz nach Rache gegen Elchonon, der mich tödtlich beleidigte und dem das Glück so hold war!" Die Comteste war einer Ohnmacht nahe. „Hochwürden wollen Sie mir nicht gütigst erklären", fuhr Blum an den Pater gewendet mit Hohn fort, „was die Entführung dieses jungen Mannes bezwecken sollte? Aber die Wahrheit muß ich mir schon ausbitten, wenn Sie es nicht vorziehen an anderer Stelle der Wahrheit die Ehre zu geben!" „Warum soll ich es leugnen?" sagte der Pater sich hoch aufrichtend mit vor fanatischer Begeisterung blitzenden Augen. „Meines Lebens Ziel und Zweck ist für die Kirche zu kämpfen. Einerlei, welche