Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 36 (7.5.1896)
- Date
- 1896-05-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXVII. Jahrgang. Jfi AA Der Israelit. Ein Aentrat-Hrgan für das orthodoXe IudenLhum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den Leitender Artikel. [Die Errichtung eines großen jilSischeu KrnnNenhanses in Jerusalem. Wen Pflicht oder freier Wille in die Häuser der jüdischen Einwohner Jerusalems, zumal der Altstadt, führt, der hat nach Fällen von Unglück, Elend uub Roth nicht lange zu suchen; selbst ein schon abgehärtetes Gemüth wird sich dem Mitleid nicht verschließen können; ist doch die große Mehrzahl der jüdischen Bevölkerung Jerusalems gänzlich mittellos und daher auf die Unterstützung wohlhabender Glaubensgenossen angewiesen. Bei der großen Zahl der Bedürftigen wird diese pecuniäre Hilfe aber nur sehr Wenigen in ausreichender Höhe zu Theil. Die große Mehrzahl lebt in drückendster Armuth, sich vergeblich abmühend, durch diese oder jene Thätigkeit den Unterhalt zu erwerben. Nicht als ob es den jüdischen Handwerkern, deren es in Jerusalem eine sehr große Zahl giebt, an Fleiß oder Tüchtigkeit fehlte. Der Mangel an Aufträgen entsprechend der Bedürfnißlosigkeit einer armen Bevölkerung einerseits, der scharfe Wettbewerb anderseits, bedingen es jedoch, daß der Arbeitslohn auf ein geringes Maaß herabgedrückt ist. So unerträglich auch dies Elend dem Europäer erscheint, und so schwer dasselbe auch thatsächlich ist, so ist doch gerade unter den Aermsten die Zahl der Unzufriedenen oder Mißvergnügten sehr gering. Nie wankendes Gottvertrauen und angeborene Mäßigung, bringen in die Häuser der Allerärmsten einen Schatz von Zufriedenheit imb innerem Glücke, den wir anderwärts selbst bei vielen Bessersituirten leider vermissen. So lange nur diese anspruchslosen Menschen gesund sind, wird ihr Elend kaum von ihnen empfunden. Anders aber, wenn sich zur Armuth noch Krankheit gesellt. — Die Entbehrungen, die der Gesunde als Gebot eiserner 7. m a t 5656 (1896),_ Notwendigkeit, dank seiner Willensstärke, oder dank seiner bewundernswerthen Genügsamkeit, leicht auf sich nimmt, werden vom Kranken nicht ertragen. — Die Erkrankung erweist sich stärker, als alle Gewöhnung und heischt nun einmal vom Reichen wie vom Armen die gleichen Mittel zu ihrer Bekämpfung. Auch bei den Genügsamsten stellt sich dann das gräßliche Bild des Unglücks ein, einen Sparpfennig für solche Nothlagen zu erübrigen, erlaubt die kärgliche Unterstützung nie, und, um nur die Gebühren für Arzt und Apotheke zu zahlen, bleibt oft kein anderer Weg, als den e i n z i g e n Werthgegenstand des Besitzes zu verkaufen. Dieser ist bekanntlich bei vielen Armen das Bettkissen. Bis vor einigen Jahren hatten die jüdischen armen Kranken in solcher Noth keine andere Hilfe, als die seitens der bestehenden jüdischen Hospitäler gewährte, aber nur Wenige konnten in diesen eine Zuflucht finden; die Uebrigen, zumal durch ihre Leiden ans Bett Gefesselten, hatten wckhrhaft unbeschreibliche Qualen zu erdulden. Die traurige Lage dieser Unglücklichen ward erst dann etwas gelindert, seitdem zwei aus Deutschland entsandte, tüchtige jüdische Aerzte die Behandlung der Kranken kostenlos, sowohl arnbulatorisch als auch in deren Wohnungen übernommen haben. Von welcher Nothwendigkeit die armenärztliche Thätigkeit ist, zeigen die Zahlen der Kranken, welche die Hülse dieser beiden Aerzte nachsuchen. Die Gesammtziffer der Consultationen der von unserem Herrn Dr. Wallach in der Altstadt behandelten Patienten betrug während des Jahres: 1891 (Thebet 5651 bis Thebet 5652) — 12693; 1892 (Thebet 5652 bis Thebet 5653) — 19352; 1893 (Thebet 5653 bis Thebet 5654) — 20843; darunter 2688 Besuche im Hause der Kranken; 1894 (Thebet 5654 bis Thebet 5655) — 20855; darunter 4537 Besuche im Hause der Kranken; 1895 (Thebet 5655 bis Thebet 5656) — 33020; darunter 4729 Besuche im foaitfe der Kranken. So sehr aber auch anzuerkennen ist, daß durch