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Der Israelit · 1896-05-04 · Heft 35 (4.5.1896) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 35 (4.5.1896)
Date
1896-05-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXYH. Jahrgang. Beilage ju M 35 -es „Israelit". Leitender Artikel. UMi IicchaK UM T2J*. (Präses der ung.-orthodor-israel. Durchsülirungscommifston.) Budapest, den 29. April. Wie ich Jhrlcu bereits telegraphisch berichtete, ist der in der ganzen Welt, wo gesetzestreue Juden wohnen, bekailnte Präses der sogenannten „orthodoxen Landeskanzlei", Reb Jiezchak Reich, heute Rächt 111 /8 Uhr in seiner 1 \/2 Stimbe von der Hauptstadt entfernten Reiipester Wobiurng verschieden. Die Kunde von seinem Ableben, die sich im Laufe des Vormittags wie ein Lauffeuer verbreitete ltub sowohl in den hauptstädtischen jüdischen Zirkeln wie auch in der Provinz das Tagesgespräch bildete, wirkte in vollem Sinne des Wortes niederf ch m e t t e r il d auf jcbcit Jehudi, der die langjährige segensreiche Wirksarnkeit des Verstorbenen — wenn atlch nur vom Hörensagen — gekannt, und verfehlte llicht im Kreise der Orthodoren die größte Trauer und Niedergeschlagenheit hervorzurnfen. Weder Wort iloch Schrift vermögen eingehend zu schildern den Verlust, den das Jlldenthum, speziell aber das ungarische orthodore Judenthum durch das leider allzufrüh eingetretene Hinscheiden dieser erhabensten und hervorragendsten (Gestalt erlitten hat. Die Dienste, die er, der Gesetzestreue, geleistet, seine aufopferungsvolle Thätigkeit, die er zum Wohle feiner Glaubensgenossen stets entfaltete, stehen in der Geschichte des ungarischen IudeuthumS vereinzelt da und werden mit unverwüstlich goldenen Lettern ewig in deren Tafeln eingegraben feilt. Vor 25 Jahren, als die strenggläubigelt Juden unseres Vaterlandes infolge schmählichen unb tief beschämenden Verhaltens der Neotogen anläßlich des denkwürdigen Cvngresses, gezivungen waren, mit diesen jede Gemeinschaft zil lösen, jedes Verhältnis; abzm brechen, wurde der Verblichene, der seinerzeit zu den hervorragendsten Mitgliedern der cvmmerziellen Kreise Temesvürs zählte unb im Eong reffe den Mahalaer Bezirk (Temeser Eomitat) als Deputirter vertrat, zum Vertreter der Orthodoren in Ungarn im Sinne der bestehenden Verordnungen gewählt und auch seitens des Ministeriums für Eultus und Unterricht bestätigt. Was er währelld dieser Jahre leistete, rechtfertigte zur Genüge das Vertrauen, das in ihn gesetzt wurde. Sein Eifer für die heilige Sache, sein unerschrockener Muth, sein bewunderungswürdiges Talent veranlaßten seinerzeit die pto -r« U'JDt viw non, die auf der Suche nach einer geeigneten Person waren, uitfcrc Angelegenheit seinen Händen anzuvertrauen. Man braucht nur zwischen den desolaten Zuständen, die seinerzeit im Schooße des Judenthums herrschten nnb der Stellung des orth. Judenthums, die es sich inr Laufe der Jahre errungelt hat, eine kleine Paralelle zu ziehen, und man gelangt zur Ueberzeugung, wie glücklich die Wahl Reich's gcwesen. Sein klarer unb Heller Verstand, seine verbindlichen, höflichen Umgaugsformen verschafften ihm Eingang zu den höchsten Amtspersonen, zu den hochgestelltesten Persönlichkeiten, und nur in äußerst seltenen Fällen waren die Bemühungen des „Judenkönigs", wie ihn die Beamtenschaft nannte, erfolglos geblieben. Sein Bestreben tvar rein d'ö* Dvb, er identifizirte sich mit der heiligen Sache, die er vertrat. Die Anfeindungen, die er von neologer Seite zu erdulden hatte, die Vcrdächtigttngen, die hie und da im eigenen Kreise gegen ihn erhoben wurden, erschütterten durchaus nicht seinen Muth. Seine Bestrebungen wurden auch vielfach verkannt; bei zahlreichen Anlässen ward sein Vorgehen nicht allseitig gebilligt, aber nur zu bald kam man zur Einsicht, daß sein klar sehendes Auge die Situation richtig beurtheilte, daß man nicht nur mit der Gegenwart, sondern auch mit der Zukunft zu rechnen hat. Wenn er auch nicht im Stande war, allen Meinungen Rechnung zu tragen, so dürfte dieser Umstand durchaus nicht seine Verdienste, die er sich als jesj -ny erworben, schmälern, die Anerkennung dürfte ihm aus dieser Ursache durchaus nicht verargt werden. Gab es je noch eine Negierung, die alle Wünsche sämmtlicher in ihrem Schoße bestehenden Parteischattirungen befriedigen konnte? Trägt denn nicht alles, zu dessen Bestände Menschenhände, zu dessen Entwickelung menschliche Kräfte erforderlich sind, den Stempel der Unvollkommenheit an sich? Vollkommenheit vermögen wir nur bei m"pn selbst zu finden. Selbst der göttliche Lehrer und Prophet irai r.ttro, der mit göttlichen Vollmachten ausgestattet war, war nicht im Star de allen 'Wünschen und Anschauungen des ihm untergebenen Volkes Rechnung zu tragen! Das Andenken des Verblichenen, der dem bbj solch' große Verdienste geleistet, zu ehren, ist unsere Pflicht und Aufgabe. Roch viele Generationen werden die Früchte seiner Bestrebungen, denen er sich so mühselig unterzog, genießen, sein Name wird uns unvergeßlich bleiben. — Die *»bn war eine der imposantesten, die Ungarn vielleicht je gesehen. Von den entferntesten Theilen des Landes eilte Alles herbei, um dem großen Todten des Judenthums das letzte Geleite zu geben. Circa

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