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Der Israelit · 1896-04-30 · Heft 34 (30.4.1896) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 34 (30.4.1896)
Date
1896-04-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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676 seine Generalversammlung pro 1896, die 25. seit dem Bestehen des Instituts. Sr. Philipp Magnus, der Vorsitzende desielben, theilt mit, daß zur Zeit 30 Kinder, 17 Knaben und 13 Mädchen in der Anstalt sind, daß aber soviel Gesuche vorliegen, daß man daran denken muß, das Waisenhaus zu vergrößern, ja zu verdoppeln. Diese Vergrößerung wird 120,009 Mk. kosten, doch sind davon erst 60000 Mk. gesammelt, und um den Rest, sowie des ständige Defizit zu decken: wird ein Ball oder Zweckessen nothwendig werden. Von einer Seite wird der zu große Lurus in der Erziehung getadelt, dem gegenüber stellt aber der Schatzmeister fest, daß zwar im allgemeinen jüdischen Waisenhaus jedes Kind nur 560 Mark, dagegen im Taubstummenasyl 700 Mark koste, dies aber eine nothwendige Mehrausgabe sei, wegen des schwierigen und theueren Unterrichtes der taubstummen Kinder. (In Berlin kostet im Reichenheim'schen Waisenhaus jedes Kind 800 Mark, im Auerbach'schen sogar 1000 Mark, also doppelt so viel als in London!) Besonderen Dank sprach die Versammlung dem Leiter und der Hausdame der Anstalt aus. — Viel Aufsehen macht und lebhafte Diskussion veranlaßt die neue Erziehungsbill, die den Juden sehr günstig erscheint, da sie ihren freiwilligen Schulen Staatssubvention sichert. — In der Jews College Literary Society hielt Rev. D. Salomon aus Manchester einen außergewöhnlich interessanten Vortrag über die Juden in der Persischen Periode. Leider verbietet uns Rücksicht auf den Raum, den werthvollen Inhalt dieser Vorlesung wiederzugeben. — Alle Interessen sind freilich jetzt in den Hintergrund getreten, vor der erschütternden Nachricht von dem Tode des Baron Hirsch, der hier ja auch sehr bekannt war und sich einer fast unbegrenzten Popularität erfreute. Alle Zeitungen sind voll von Artikeln zu seinem Lobe. Amerika. New Nork. Neue Ansiedelungen im Westen der vereinigten Staaten sind von unseren russischen Brüdern in jüngster Zeit angelegt worden, darunter eine besonders große in Colorado, Logau, County, wo ein großer Spekulant F. C. Henry, der sogenannte Getreidekönig von Abilene, große Terrains besitzt, mehr als 2 Millionen Acres. Das ganze Land ist mit vorzüglichen Bewässerungsanlagen versehen und für den Gemüsebau hergerichtet. Es sollen hier 500 Familien russischer Juden angesiedelt werden, jede Familie soll 2 Acres Lrnd, 1 kleines Haus, Gespann und 1 Kuh erhalten und soll Gemüsebau und Fruchtbaumzucht treiben, für deren Produkte der Minendistrikt von Denor einen geeigneten Absatzmarkt bietet Bis jetzt haben sich circa 200 Familien russischer Juden für diese neue Kolonie gemeldet. — Noch ein zweiter Versuch einige hundert russischer Juden auf das flache Land zu verpflanzen, wird jetzt gemacht. Man plant einen Theil der jüdischen Schneider, die jetz' in Nerv-Park und Brooklyn in Wohnungen, die kaum noch Löcher zu nennen sind, Hausen und ihr Handwerk betreiben müssen, nach Long-Jsland zu verpflanzen, wo sie in bescheidenen, aber doch reinlicheren und viel gesünderen Häusern auf dem Lande leben können. Große, gemeinsame Werkstätten sollen errichtet werden, in denen die Arbeiter sich der neuesten Maschinen bedienen sollen. Freilich sehen die Eingeborenen auch hier die russischen Einwanderer sehr ungern, denen sie große Verachtung entgegenbringen, vielleicht bessern sich aber die Verhältnisse, wenn die Bewohner erst die guten Eigenschaften der Fremden kennen lernen. — In Manitoba, Staat Winnipog, hatten sich 70 Familien vor einigen Jahren angesiedelt, aber in Folge einiger Mißernten und sonstiger Schwierigkeiten haben sie die Landwirthschaft aufgegeben und sind theils nach Michigan, theils nach Oregon verzogen. — Ebenso schlecht ist der Versuch einiger Spekulanten verlaufen, in Southern Jersey jüdische Kolonisten anzusiedeln. Die armen Leute waren bald nicht im Stande Zinsen und Abzahlungen aufzubringcn nnd jetzt wird das ganze Dorf Halberstown meistbietend versteigert. Indien. Bombay. Hier ist unter die B'ne Israel ein neuer Verein gegründet worden, der seiner Seltenheit bei Juden halber ein gewisses Interesse in Anspruch nehmen dürfte. Es ist dies ein Temperenzverein, das heißt ein Verein, welcher beabsichtigt den Mißbrauch geistiger Getränke bei Juden entgegenzutretcn. Bei der sprichwörtlichen Mäßigkeit der Israeliten ist es sehr seltsam, daß ein solcher Verein für jüdische Kreise ein Bedürfniß sein sollte. Briefkasten der Expedition. Hotel Emmerich: Mk. U erhalten. Privat-Telegramm des „Israelit". Budapest, 29. April, 8 Uhr 49 Min. Der Präsident der orthodoren Durchführungs-Commission, Rabbi Jizchak Reich, über dessen aufopferungsvolles Wirken zu Gunsten der gesetzestreuen ungarischen Judenheit die Leser des „Israelit" wohl unterrichtet sind, ist heute stacht, nachdem er seit längerer Zeit leidend war, im Alter von 70 Jahren verschieden. Das Leichenbegängniß findet morgen, Donnerstag den 30. April, 10 Uhr vormittags statt. Eine überaus große Anzahl von Rabbinen aus der Provinz, sowie zahlreiche Deputationen der verschiedenartigsten Körperschaften befinden sich bereits am Platze.

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