Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 33 (27.4.1896)
- Date
- 1896-04-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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660 -> Personalien. -4- Steinamanger, im April. Einen schweren schmerzlichen Verlust hat die hiesige jüdische orth. Gemeinde und mit ihr das gesmnmte strenggläubige Judenthum Ungarns zu beklagen. Der Rabbiner der hiesigen orth. Gemeinde, Herr Markus tfornfciu bo wurde verflossenen Mittwoch in ein besseres Jenseits abberufen. Kanin 25 Jahre alt, wurde der Verewigte von der damals im Entstehen begriffenen Gemeinde an ihre Spitze berufen, und es ist nicht zum geringen Th eile sein Verdienst, wenn heute nach 25 Jahren eine große blühende, in allen ihren Institutionen das Gepräge echt jüdischen Geistes bekundende Gemeinde an seiner Bahre trauert. Allsrichtige wahre Frömmigkeit, strengster Pflichteifer, llnterstützt von hoher Intelligenz und einem richtigen Taktgefühl kennzeichnen das segensreiche gottgefällige Wirken dieses leider viel zu früh hinweggerafften edlen Menschen. Seit länger als t 2 Jahren voll einein schweren körperlichen Leiden heimgesucht, ließ er es sich doch nicht nehmen, feinen Pflichten der Gemeinde und Schule gegenüber fast mit Selbstailfopferilng nachznkommen. Was der Verewigte in seinem Kreise zur Pflege voll mn und O'vp tnt gewirkt, wird noch übertroffen voll einer in Anbetracht feiner beschränkten Mittel als großartig zu bezeichnenden "isn fW^-Thätigkeit. Nach seinem Hause pilgerte hier alles was Rath, Hilfe und Unterstützung bedürfte, uub er wurde nicht müde zu rathell und zu helsell. Selbst mit Ent behrungen kämpfend kargte und darbte der Edle ilin die 'Roth Anderer zil lindern. Gar oft verpfändete er die eigenen wenigen Habseligkeiten, imt verschämten Armen in der schonenden Form eines Darlehens Unterstützung znkomlnen zu lassen, nnb rührend war die Bescheidenheit, mit welcher er sich entschllldigell zu müssen glaubte, wenn er die nicht selten unbescheidenen Wünsche gewisser Bittsteller nicht voll jn erfüllen vermochte. Vor ettva 18 Monaten traf ihn der härteste Schlag seines Lebens — die trette Lebensgefährtin, die Mutter seiner Kinder, ein wahres Musterbild einer jüdischen Gattin, Mlltter und Hausfrau, die sein edles Streben nnb frommes Wirken, aufs kräftigste ullterstützt, ward ihrrr durch dell Tod entrissen. Durch gesteigerten Eifer in der Ansübnilg seines heiligen Berufs suchte er Trost und Linderung für sein wundes Herz; aber sein kranker Körper siechte allmählich dahin und wie ein Heiliger hauchte er fast schmerzlos seine edle Seele ans. Drei Söhne, welche dem Thorastildium obliegen nnb drei Töchter, voll den bereits zwei an 'mm »-hd □,eün iTD1?n Khmern verheiratet sind — die Dritte ist Braut eines jbsiD n*n — jammern um den besteil und zärtlichsten der Väter. Die Sympathien, deren der edle Verblichene sich in allen hiesigen Gesellschaftskreisen erfreute, traten bei dem Leichenbegängnisse recht zu Tage. Eille nach Tausenden zählende Menge war herbeigeeilt, um dem verehrten die letzte Ehre zil erweisell. Die neologe Gerneinde mit ihrem Rabbiner, Vertretungen der Stadtgemeinde, der Schulen der städtischen und konfessionellen Lehranstalten, Deputationen von 2o Gerneinden, zil denen die Trauerkilnde gelangt war, geleiteteil den Sarg bis zur letzteil Ruhestätte. Die Rabbiner der Rachbargemeinden Papa, Dedenbnrg, Sarvar sowie ein Sohn und der eillzige Brllder des Verewigten, gaben in erschütternder Weise ihrem Schmerze und der Klage der gallzeil Trauerversainrnlung Ausdruck. Dem Vernehmen nach beabsichtigt die hiesige Gemeirrde dem unausgesprochenen 'Wunsche ihres frommen Lehrers gerecht zil werdeil, lllld den Brälltigam feiner jüngsten Tochter, der sich eilles ausgezeichneten RnseS erfreut und als vollkommen würdig bezeichlwt wird, zlliil Nachfolger in das Aull des Verblichenen eilizilsetzeu. Die (Gemeinde würde sich dilrch ein solches Vorgehen nur selbst ehren. d> vermischtes. *4 Berlin. Das „Deutsche Boibrecht", das am l. März v. g. von den Neichstagsabgcordncten Ahlwardt und Dr. Böcke! gegründet rvurdc, hat sein Erscheinen eingestellt. Potsdam, bereu Rabdiner Dr. E o h n . ist aus All last seines Scheidens aus dem A'.ute der Rruhe Adlerorden ID. Klasse verliehen worden. Herr Polizei-Präsident v. Ba lan überbrachte die stinszeichnnng persönlich und äußerte sich in Worten rühmendstcr Anerkennung über die W'rksam feit des Herrn lüabbiners. (Nach Schlus; der Redaction.) Das LklchmtieBWliitz des öaton Hirsch. staut Anordnung der vermittwcten Frau Baronin, die gestern Nacht in D'Gualla aulangre und heute noch vor Beginn der steicheuseier nach 'Neuhäusct und von dort über Wien nach Paris fuhr, rnusste diese nach streng jüdischem Ritus vorgeuoiulueu werden, nur bat sie die angeordnete Beit der steicheuabfubr pünktlich einzuhalten, damit die steiche ja noch vor!CHip NüB in Paris anlange, was sie auch bei der Direktion der Staatsdahn ausdrücklich bedungeil hatte. Trotz der Nederhast, mit der inan den steicheutransporl anssührle und trotz des Mangels eines Drdners, der ein Programm festgcstcllt n. bekannt gegeben Hütte, hatten sich bereits zur frühen Morgenstunde große Menschenmasten aus Nah und Fern vor dem Drauerbanse versaminelt, um der Leichenfeier anzuwohnen. Ohne jedeRachricht, um welche T agesstunde die rvV? stattsinden soll, waren um 7 ilhr Nt'orgcns schon Deputationen der Gemeinden Reuhänsel, Komorn, Kurths Perbete, Esnsz, Kurtakeszi, Udvard Bätorlesz u. A. m. erschienen, um dem berühmten Dodten, das letzte Geleite zu gebeit. Mau sah hier, die Bekenner verschiedener Consessionen vereint in dein Bestreben, diesem Manne nach Möglichkeit Ehre zu erweisen, der sie, wie ivenigc vor ihn:, in so reichem Maße verdiente. Gegen 3/49 Uhr wurde der Sarg knapp an der Eingangsstiege in denr Hofraume aufgestellt und nachdem der Cantor der Neuhäusler Gemeinde einen Theil des