Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 33 (27.4.1896)
- Date
- 1896-04-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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V WWWMW mmm 655 Vermischtes. _ E. R. Berlin, 23. April. Dr. Heinrich Simon, l2ohn des Herrn Dr. Mar Simon vom hiesigen jüdischen Lehrerseminar, ist zum Bibliothekar an der kgl. Universitätsbibliothek ernannt worden. Derselbe ist in weiten Kreisen durch die Herausgabe von Schumann's Schriften, sowie durch ein humoristisches Musiklexicon, das er unter dem 'Kamen K. Lauer publieirte, bekannt geworden. Feuilleton. I>er Letzte seines Stammes Erzählung von Alphonse de la Haye. 31) (Alle Rechte Vorbehalten.) „Daran habe ich in meiner Herzensfreude gar nicht mehr gedacht. Der Letzte ihres Stammes muß unl jeden Preis die Taufe empfangen. Die Baronesse l'Endome soll sein Herz in Liebe für sie zu entflanunen suchen uitb ihn heirathen, aber mit der Bedingung, daß er zürn Katholizismus Übertritt. Arme Gräfin! Dlt hast wahrhaft den Bock zmn Gärtner gemacht! Einen größeren Streich konnte Dein Geschick Dir gar nicht spielen, in die Hände einer Jüdin Deine schönsten .Zukunftsträume zu legen! brr! Mich schaudert!" „Meine Freunde haben also doch soweit in allem recht behalten!" murmelte Elchonon mit tiefer Wehmuth. „Und wenn ihre Voraussetzungen mißlingen sollten? Was soll da mit mir vorgenommen werden?" „Das weiß ich llicht. Aber ich traue ihr mib noch mehr dem finsteren Mönch, jede Gewaltthat zu. Als sie rnich in meiner trostlosen Lage bei der Leiche meines 'Katers aufsuchte, da lvar es weniger verwandtschaftliches Interesse, welches sie anspornte, sich meiner anzunehmen, als hauptsächlich vor der 'Welt den Schein zu meiden, daß die gräfliche Familie de la Pelouse ihre Verwandten in bedrängter Lage zurückläßt. Erst als sie Ihre Spur durch eitlen Brief eitles Studenten A'amens Bloser erfuhr, da gewann ich an Werth in ihren Augen, als das Werkzeug ihrer Pläne." „Ah, dicrch einen Brief Bloser'S erfuhr sie meine Existenz?" rief Elchonon aus. „Der Gewährsmann des Doktors scheint also in allem genau unterrichtet zu sein! Der Gewaltaet gegen meine Person wird also mich folget!. Wenn ich tiilr ergründen könnte, tvic dieser bewerkstelligt werden sollte! Doch weshalb erfahre ich das 'Alles erst heute aus Ihrem Munde, tväre es nicht richtiger gewesen, mir scholl vor Monaten klaren Wein einzuschenken?" „Gewiß, lieber Elchonon, richtiger wäre es schon gewesen! Mit Widerstreben mußte ich scheinbar^ ans die Wünsche der Comtesse eingehen, denn Gehorsam verweigern, hieße für mich' so viel, wie obdachlos werden; aber ich nahm es mir vor, Ihnen, sobald sich eine Gelegenheit dazu biete, rückhaltslos die ganze Sachlage mitzutheilen. Als ich Sie jedoch kennen lernte und die Ueberzeugung gewatnl, daß Ihr starker Charaeter den Wünschen der Gräfin eitlen Damm entgegenstellt, selbst wenn ich ein gefügiges Werkzeug wäre, hielt ich es für überflüssig, Jhiletl Aufklärung zu geben. In letzterer Zeit jedoch fing die Comtesse an, meine Gesinnung, aber auch die Zailberkraft ihres Werkzeuges zu bezweifeln und sinnt auf gewaltsame Mittel. Da hielt ich es für meitle heilige Pflicht, Sie an Vorsicht zu mahnet:. Der Pater Pierre gefällt mir nämlich gar tlicht uild die geheimen Conferenzen, die sie miteinander pflegen, flößen nrir Angst und Sorge ein." „Haben Sie Dank, meine theuere Martha," sagte Elchonon mit bewegter Stimme. „Ihre Theilnahme tverde ich Ihnen niemals vergessen! Eigenthümlich ist es doch. Sie sind nicht die erste, die mich schon heute vor einer Gewaltthat der Gräfin gewarnet hatte." „Und tver hat Sie schon gewarnt?" „Ein Freund, den Sie auch lieben. Es war nämlich ein gewisser Dr. Longini." „Ah! Er weiß auch davon? Um so besser! Wir werden vielleicht der Freunde bedürfen. Doch, was ist das?" (Sin Schlüssel knarrte im schlosse der Thüre, welche detl Eingang in den Pavillon bildete, die Thüre ward geöffnet und in dem Rahmen derselben erschien die Comtesse uub hinter derselben Pater Pierre. Die Eonltesse schloß die Thüre. Martha legte den Finger auf ihren Mund, zum Zeichen, daß Elchonon schweige und mit angehaltcnem Athem lauschten Beide. „Sind wir hier sicher vor Lauschern, meine Tochter?" frag Pater Pierre, indem er sich an der Seite der Gräfin niederließ. „Vollständig, hochwürdiger Vater," erwiederte die Gräfin. „Hier in diesen Theil des Parkes verliert sich selten ein menschlicher Fuß und den Schlüssel zu diesem Pavilloil führe ich immer bei mir Denn dieser Pavillon lvar Zeuge der freudigsten und trübsten Stunden meines Lebens. Hier in diesen! Pavillon gestand mir Aosemonde feine Liebe und gelobte mir ewige Treue und hier erhielt ich auch die ersten Beweise seiner Untreue, die zum Bruche mit ihm führteil. Wir können hier ruhig Alles besprechen, was noch zu erwägen ist. Du hast Dich jetzt überzeugt, daß meine Befürchtungen berechtigt waren. Auf gütlichein Wege werde ich niemals das gesteckte Ziel erreichen. Weder Schönheit noch Reichthum und Glanz vermögen das hartnäckige Herz dieses verjudeUn Pelouse zu rühren.' jjEs ist der Charakterzug ^unserer, Familie, einen eingenommenen