Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 32 (23.4.1896)
- Date
- 1896-04-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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^M^EKWWUUWW 636 derweitig gefunden z. B. in Nürnberg, wo von 1000 Mitglieder 11—12 Personen anwesend waren und man den Prediger wegen des Echo's nicht verstehen konnte. In Charlottenburg würde es aber mit der Zeit besser werden. Herr Professor Lewin bittet den Antrag nur mit der Clausel anzunehmen, daß auch der Nachweis über wirkliche Leistungen der Gemeinde erbracht werde, und nicht bedürftige Gemeinden unter dieser Bevorzugung leiden. Herr Justizrath Tiktin meint, daß inan nicht inconsequent sein dürfe. So lange man kein richtiges Urtheil habe, dürfe man auch sub clausula nicht bewilligen. Herr Moritz Mannheimer rühmt den opferfreudigen Sinn der Charlottenburger. Sie hätten Beiträge aufgebracht, keine Synagoge in der Nähe hätte einen so würdigen Gottesdienst als diese, er bittet ohne Weiteres die 70OO M. zu bewilligen. — Herr Justizrath Tiktin entgegnet, daß von einem im Stichlassen keine Rede sein köune. Das Schreckbild der Subhastation in 14 Tagen sei ja zerstört, doch sei man vorläufig nicht genügend insormirt. Herr Leonhard Sachs meint, es sei kein Zweifel, daß momentan unter allen Umständen das Geld bewilligt werden müsse. Der Vorschlag des Herrn Comm ssars vom Vorstonve die Hypothek zu erwerben, sei dankend zu acceptiren. Auf diese Weise sei es möglich die Lasten zu erleichtern. Es wird ferner dem Religionsverein Ben Zion eine Subvention von 600 M. bewilligt, wenn er sich mit dem Verein Ben Jacob verschmelzen wolle, und der Beitel Ephraim'schen Stiftung 500 M. zur Unterstützung armer Hörer. — Zur Verhandlung gelangt weiter ein interessanter Streitfall. Im Erziehungshause in Pankow hat ein verstorbener Lehrling 190 M. hinterlassen. Die Mutter hat bei dem Curatorium das Gesuch eingereicht, ihr einen Theil des Geldes zu überlasten. Sie ist dort abschlägig beschieden worden und will sich mit dem Bescheid nicht zufrieden geben. Herr Profestor Lewin bittet nicht zu büreaukratisch zu sein, es sei kein jüdischer Geist, der Mutter das Anrecht zu verkümmern. Herr Louis Sachs sagt: Der College Lewin habe den Nagel auf den Kopf getroffen. Der Knabe ist im Krankenhause gestorben und die Mutter ganz arm. Man möge die Beschlußfassung vertagen, bis man weitere Erkundigungen eingezogen. — Zu dem Passus: Ueber die offizielle Thätigkeit der Rabbiner und Cantoren ergreift alsdann He r Professor Lewin das Wort: „Ein Prediger habe in erster Linie zu predigen, eine gute Predigt sei ein erziehliches Moment, aber man kann die Grundprinzipien feststellcn, in welcher Weise das geschehen kann. So wie es für jede Arbeit einen Lohn gebe, so gäbe es auch für jeden Lohn eine Arbeit. Aus der Leichenrede allein kann man noch keine Seelsorger erkennen. Für die Enterbten, für die Armen, für die Unglücklichen sollen auch Prediger sein, die ihnen den Trost des göttlichen Wortes künden. Auch bei den Cantoren habe er keinen Eifer bemerkt, man braucht gar kein großer Musikkenner zu sein, um das Detoriren zu empfinden. Man möge auch hier eine feste Basis schaffen. Herr Martin Simon ist der Ansicht, daß nur bei Anstellung neuer Beamten Wandel geschaffen werden kann, da die alten Zustände durch Verträge festgelegt sein. Herr Leonhard Sachs bittet diese ganze Angelegenheit der Commission der Rabbinate zu übergeben, worauf eingegangen wird. Das Resultat über den Zuschuß an Ferien-Colonien wird einer späteren Sitzung Vorbehalten. E. R. S p a n i e n. (M.) Madrid, 27. Mürz. Wer sich vorgestern, Mittwoch, Abends auf dem hiesigen Bahnhofe einfand, der konnte sich durch den Augenschein überzeugen, wie heilig noch heute in manchen Ländern die Israeliten das Passahfest halten und wie sie demselben zuliebe nicht nur die größten Geldopfer bringen, sondern sogar ihre Geschäfte unterbrechen, um dieses Fest mit seinen strengen Vorschriften in ihrer alten Heimath begehen zu können. Das ganze Jrhr hindurch, besonders aber im Winter treiben sich hier und auch in anderen Spaniens viele marokkanische Juden herum, die sich vom Hausirhandel ernähren und dabei, da sie nur die rituelle Kost genießen, ein kümmerliches Dasein fristen. Einige Tage vor dem Passahfeste verlassen sie dann Spanien und kehren in ihre marokkanischen Gemeinden zurück, um dort dieses Fest zu verbringen. Vorgestern haben nun sämmtliche hier weilenden jüdischen Hausirer aus Marokko unsere Stadl verlassen, und traten sie vereint die Reise nach ihrer Heimath an. Mit der Pünktlichkeit der Schwalben pflegen sie dann wenige Tage nach dein Passahfest wieder hier einzutreffen. A b y s s i n i e n. Masfauah. In der furchtbaren Schlacht bei Adua, in der das von General Baratterie befehligte italienische Heer von dem abyssinischen, das der Negus Menelik selbst commandirte, fast gänzlich aufgerneben wurde, haben auch mehrere unserer Glaubensbrüder wacker und tapfer mitgekämpft, von denen dann auch die meisten den Heldentod für ihren König und ihr Vaterland starben. Dagegen entrannen folgende jüdische Offiziere glücklich dem Tode und der Gefangenschaft: Oberstlieutenant Simon Supino vom 3. Infanterie-Bataillon, Hauptmannn Guglielma Guastalla vom 6. Infanterie-Bataillon, die Artillerie-Lieutenants Ugo Luzzatti undGuis e p p e L e v i und der Lieutenant G i u l i o L e v i vom 4. einheiinischen Jäger-Bataillon. So erfüllt Israel überall seine Bürgerpflichten und auch unter der tropischen Sonne Afrikas vergißt es nicht an die Pflichten, die es seinem Vaterlande schuldet und erfüllt dieselben mit Liebe und Begeisterung.