Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 31 (20.4.1896)
- Date
- 1896-04-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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■ - —— -w XXXVII. Jahrgang. 7n-y > /'-V? h*? ” f. f M 31. Der Israelit. Ein Aenlrat-Hrgan für das orthodoXe Iudenlhum. Begründet von Dr Lehmann in Mainz. Montag, de» 2«. April 5656 (188«). sü- Butct MÄvlr abonnirt man bei allen Postanstalten für die Monate #@ Mai und Juni auf den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-Zeitungsschalter des Wohnortes des Bestellers oder bei dem betreffenden Landbriefträger aufgegeben werden. Die Expedition des „Israelit". Leitender Artikel. Die jSrsmth im Geiste der jäd. Kllleulehre. Von Rabbiner H. Galan bau er in Soborten (Böhmen). II. Wie oft pflegen Priester unter dem Deckmantel der Demuth Gewalt und Terrorismus zu üben, sich zu überheben und ihr heiliges Amt zu mißbrauchen; wie allgemein mar die Anschauung unter den Herrschern verbreitet, daß nur zu dem Zwecke den Unterthanen eine Existenz gegeben worden ist, um Ersteren die Mittel zu schwelgerischen Genüssen zu verschaffen. Da zeigt uns die Thora in dem Brüderpaar Moses und Ahron, welcher Art geistliche und weltliche Häupter sein sollen. Der geistige Führer muß sein ganzes Bestreben dahin gerichtet haben, ein Förderer des Friedens, wie Ahron in seiner Gemeinde, zu sein *pm 3,-nx, überall als Menschenfreund sich zu zeigen nvizin nt* arr« und die Herzen für die Gotteslehre zu gewinnen. Das weltliche Oberhaupt hingegen muß das materielle und geistige Wohl seines Volkes im Auge haben, nur das thun und veranlaßen, was demselben zum Nutzen und Heil gereicht für dasselbe in jeder Gefahr mit seiner Macht einstehen, und wenn er, sich zu all dem als unfähig erweist, so ist es verpflichtet im Interesse seiner Unterthanen zu resigniren und seine hohe Würde niederzulegen, wie dies Moses so oft gerne thun wollte, wenn er Gottes Zustimmung hiezu erlangt hätte, d. h. wenn die Pflicht ihn nicht an seine Führerschaft festgehalten hätte. Darum können der Herrscher als erster Diener des Volkes und der Priester als erster Diener Gottes nur dann als solche wirklich gedacht werden, wenn die Krone ihrer Tugenden die Demuth ist, wie dies bei Moses und Ahron der Fall war. Ist die Demuth beim Priesterthum etwas Selbstverständliches, so wird sie vom Königthum ausdrücklich als Gebot Gottes gefordert, wie es heißt: Er soll sein Herz sich nicht erheben über seine Brüder" (Deutronom. 17, 20). So dachte auch D av id als er vor der Bundeslade tanzte, indem er zur stolzen Königin sprach: Ich will noch geringer, als so, und will niedrig sein in meinen Augen. (Samuel II, K. 6.) Dieser kühne Held, der mächtige Eroberer Kanaans, der heldenmüthige Besieger zahlreicher Könige, wie grundverschieden erscheint er von den großen Herrschern seiner Zeit, die siegestrunken sich wie Götter geberdeten, sich abgöttisch verehren ließen und maßlos in ihrem Dünkel waren. Ec kehrt heim von seinen Eroberungen, von seinen Sieges- und Triumphzügen in seine Burg, nimmt die Harfe zur Hand, fällt vor seinem Gotte in die Knie und singt Ihm in Demuth ein Dankeslied : O Herr! Ich bin dein Knecht, dein Knecht, deiner Magd Sohn, Du lösest meine Fesseln, Dir will ich Dank opfern und Deinen Namen preisen, Du bist meine Hilfe, mein Schutz. Ich danke Dir o Herr, daß du mich gedemüthigt und mir hilfst. Der Stein, den die Bauleute verschmäht haben, er ist zum Eckstein geworden. Das ist vom Herrn so geschehen und ist so wunderbar in unfern Augen. Du richtest den Geringen auf aus dem Staube und erhöhest den Armen aus dem Koth, und setzest ihn neben den Fürsten, neben die Edlen des Volkes. Es ist mir lieb, wenn du mich demüthigst, daß ich deine Rechte lerne. Gering bin ich und verachtet, ich