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Der Israelit · 1896-04-16 · Heft 30 (16.4.1896) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 30 (16.4.1896)
Date
1896-04-16
Page
– (sequence 12)
Language
German
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600 Rechnung ertheilen. Oscar Horawitz, Barnathan- Han No. 2, I. Pöra-Teke. Vereinsnachrichten. Berlin. Der hiesige Lissaer Hilssvcrcin beging am 16. März d. I. seine 28. General-Versammlung. Als Gast erschien auch der Amtsgerichtsrath Herr Ko h lisch, Landtagsabgeordneter der Kreise Lissa w', welcher den Verhandlungen bis zum Schluß beiwohnte und an dem darausfolgenden Festmahl Theil nabm. Der Verein, welcher im Jahre >668 begründet wurde und die landesherrliche Genehmigung am 24; Juli empfing, gewährt seine Unterstützung zur Abwendung materieller Rotb an solche würdige und unterstützungsbedürftige Personen, welche entweder selbst oder deren Eltern oder Großeltern der Stadtgemeinde Lissa in Posen angehören oder angehört haben und in Berlin sich dauernd aushallen. Für diesen Zweck gab der Verein im verflossenen Jahre M. 4251,30 aus, außerdem wurden die Zinsen der Stiftungen, gemäß deren Bcstinnuungen vertheilt. Der Verein zählt 4 Ehren-Mitglieder, 45 immerwährende Mitglieder und 178 jährlichen Beitrag leistende Mitglieder in Berlin, sowie 101 ebensolche auswärts wohnend, im Ganzen 328 Mitglieder. Der Mitgliederbeitrag ist mindestens zehn Mark jährlich, als ordentliches Mitglied kann jede unbescholtene Person beitreten, das Aufnahmegesuch ist an den Vorsitzenden Herrn Herm. A. Seeg all, Altonacrstraße >7, Berlin zu richten, wohin sich auch die Unterstützungssuchende schriftlich zu wenden h?.ben. . . n. u vermischtes. Mainz, 14. April. Ein Herr Salomo» F i n d b e r g , ein geb. Russe, jetzt in Straßburg wohnhaft, ersucht uns, mitzutheilcn, daß er mit F e i n bc r g , vor dem im „Israelit" öfters gewarnt worden ist, nicht identisch ist. Berlin. Fm Polizeibezirk Nicszawa beginnt man, wie die „Danz. Ztg." meldet, j. bischen Ausländern mit Grcnzlegitimationske.rten den Eintritt nach Rußland zu verweigern. Stuttgart. Nach der neusten Statistik des württem bcrgischen Volksschulwcscns giebt es in Württemberg 26 is raelitischc Volksschulen «darunter 2 zweiklassige) mit 662 Schülern (303 Knaben, 350 Mädchen», welche von 23 Schullehrern, 3 Schulamtsverwcsern und 2 Unterlehrern unterrichtet werden. Wien. Der Direktor der „Epport-Union Gesellschaft", Wilhetin I. Schmidt, ein gewaltiger Antisemit vor dem Herrn, ist wegen Betrugs rind Eautionsschwindetcien vom hiesigen Schwurgericht nach mehrtägiger sensationeller Verhandlung zu vier Jahren Zuchthaus und zur Landesverweisung vcrurtheilt morden. Budapest. Die „Gedeukblätter" zur pietätsvollen Erinnerung an den höchst betrübenden Heimgang der beiden guten Menschen: an Ebarlotte Spitzer, welche im 23. Jahre ihres hoffnungsvollen Lebens am 15. Thebet 5656 <31. Dezember 1695» sanft von hinnen geschieden ist und an Wive Joseph Spitzer, geb. Fanny Göttlich, welche im 74. Jahre ihres fromnren Erdenwallens am 26 Thebet 5656 (11. Ja nuar 1896) in die ewige Heimath eingczogen ist. welche auf spezielles Verlangen der trauernden Hinterbliebenen von D. H. Spitzer zusammengestellt und herausgegeben worden sind, haben bereits eine zweite Auflage erreicht, eine Thatsache, die von ihrem gediegenen Inhalt zeigt. Mährisch-Trüban. Vor einigen Wocheir ging durch die gesammte antisemitische Presse als ein „Beitrag zum Blutgebrauch der Juden" die Mittheilung, daß zwei bei dem hiesigen Kaufmann Moriz Möller bedicnstete Mädchen, Emilie Schwab und Sophie Memluvil, gegen ihren Dienstherrn die Anzeige erstattet hätten, derselbe habe ihnen „Blut abgezapft". Möller wurde vor den Gcnsdarmeric-Postenführer vorgeladcn, wo er erfuhr, daß eines der Dienstmädchen mit der betreffenden Anzeige sich an den Gcrichtsarzt Dr. Czerny gewendet habe, welcher unter dem Kniegelenk des Mädchens einen kleine» Schorf fand und die Anzeige bei dem Polizeiamte erstattete. Das Dienstmädchen habe weiter erzählt, daß auch der früheren Magd Moltcr's, Pbilomene Woelavek, welche jetzt in Brünn oder Olmütz dient, von Möller Blut abgezapft worden sei, und daß dieselbe aus Angst hierüber den Dienst verlassen habe. Die „Blutabzapfungen" seien schon mehrere Male, und zwar immer am inneren Knie- und Ellcnbogengelenk, erfolgt; eS fei an der Stelle ein etwa Vier-Krcuzcrstück großer rother Fleck zu sehen, in welchem drei bis fünf Stiche, wie von einer starken Radel h.rrührcnd, erkennbar seien. Herr Moriz Möller war über diese Angabe der D'.enstmädchcu selbstverständlich auf das Tiefste entrüstet und wollte wider dieselben gerichtliche Schritte einleiten, jedoch wurde von der Polizeibehörde gegen ihn eine Strafanzeige beiin Bezirksgericht erstattet. Die beim Land gcricht Brünn mit größter Sorgfalt geführte Untersuchung endete, wie vorauszusehen war, mit Einstellung des Verfahrens. Das frühere Dienstmädchen der Herrn Moriz Möller wurde vernommen unt» gab an, daß es sich mit der Schwab einen Spaß gemacht und nicht geglaubt habe, daß dieselbe so dumm sein werde, so etwas zu glauben. Auch die Gcrichtsärzte gaben an, daß die Aussagen der Dienstmädchen . anz unglaubwürdig seien und unmöglich auf Wahrheit beruhen können; an ihrem Körper fanden sich weder Wunden, noch ^Spuren derselben. Der Wahn habe sich nur in Folge von Suggestion im Gehirn der Dienstmädchen festsetzen können. Von wem die Suggestion ausgegangcn ist, konnten die Gerichtsärzte selbstverständlich nicht angeben. Vielleicht werden die wider die Tien'nnädchcn von Herrn Moll r eingelciteten gerichtlichen Schutte auf die richtige Spur führen. Thatsache ist jedoch, daß in Folge der von den antisemitischen Blättern verbreiteten erfundenen Angaben Herr MolleH der sich des besten Leumundes erfreut und sich mit seiner Familie schwer fortbringt, viel von den antisemitisch.» Bewohnern in Mährisch-Trnban zu leiden hatte. Abauj Szanto > Unga n.) D e Mittheilung, daß der Ober-Rabbiner Lipschütz, welcher zeitwe lig die orthodoxe Durchführungseommissron in Budapest leitete, seine Stelle niedergelegt habe und die Leitung der Durch führungscoi' Mission definitiv übernommen habe, rst vorerst unrichtig. Herr I. Reich hat die Leitung wieder Übernommen und Herr Lipschütz versieht se n Amt in A-Szanto weiter. Fülek Püspöki. Am 22. v. M. starb hier der Sohn eines armen Juden. Pfarrer .Nornel Fabiün, welcher von der Nothlage der Familie erfuhr, bestritt sofort die Begräbnißkosten und besuchte auch das Trauerbaus, wo er dem be kümmerten Vater Trost und Ergebung znsprach. Dunakes (Ungarn.) Herr Ludwig Fürst Hierselbst wollte 5000 Gulden zur Errichtung einer Kommunalschule unter der Bedingung spenden, daß auch iüdische Kinder ausgenommen werden. Die Stadtverwaltung wies die Spende wegen dieser Bedingung zurück. Herr Fürst, gründe eine jüdische Schule! — Kasan. Der hiesige Strafrichter Herr Dillon (Jude) hat seine Stelle niedergelegt. Run gibt es in ganz Rußland keinen einzigen jüdischen Richter mehr. Vor 25 Jahren gab es im Reiche noch 18 jüdische Richter und Friedensrichter. Paris. Baron Alfons Rothschild war seit langen Jahren

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