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Der Israelit · 1896-04-13 · Heft 29 (13.4.1896) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 29 (13.4.1896)
Date
1896-04-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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579 Feuilleton. Der Letzte seines Stammes ErMlung von Atphonse de la Hayr. 27) (Alle Rechte Vorbehalten.) Doch von dieser äußeren Umwandlung blieb sein Inneres ganz unberührt. Wohl mußte er täglich einige Stunden in dem Kreise seiner vornehmen Verwandtschaft verleben, doch das hinderte ihn nicht, sein Studium mit dem nämlichen Fleiße fortzusetzen, seine jüdischen Pflichten mit der nämlichen Treue zu erfüllen und seine dem Stildium des Talmuds gewidlneten Stunden bei Dr. Marpua mit dem nämlich freudigen Eifer zu nehmen. Zu den schönsten Stunden seines Lebens zählte er diejenigen, in welcher ihm seine knapp bemessene Zeit gestattete, mit seiner Recha zu plaudern. Es bestand ein eigenthümliches Verhältniß zwischen diesen zwei jugendlichen unverdorbenen Herzen; ohne daß jemals ein Wort der Liebe zwischen ihnen gefallen war, wußten sie, daß sie einander gut sind und es als das höchste Glück ihres Lebens ansahen, wenn Eines zu der Wohlfahrt des Andern etwas beitragen konnte. Dr. Marpua hatte wohl diese aufkeimenden Gefühle in den Herzen der jungen Leute bemerkt und wünschte im Stillen Glück dazu; versuchte er auch nicht, dieses Verhältniß zu stören, so war er weit entfernt davon, dasselbe zu fördern. Wohl war Elchonon sehr begabt, und wenn menschliche Berechnung nicht Jrrthümern unterworfen wäre, so wäre mit Bestimmtheit anzunehmen gewesen, daß ihm eine schöne segensreiche Zukunft gewiß; doch vorerst war er noch vollkommen mittellos und mußte mit Entbehrungen und Mühseligkeiten kämpfen, bis er sein Studium beendete. Warum soll er nun das Loos seines einzigen Kindes an eine ungewisse Zukunft bindend Elchonon war noch jung, sogar sehr jung, wer bürgte ihm auch dafür, daß er diese Gesinnung seiner Tochter bewahren wird, wenn er einige Jahre älter, gereifter geworden ift V — Nein, stören wollte er das Verhältniß nicht, aber auch nickt fördern, sondern Alles dem Lenker der Geschicke anheimstellen, der Alles zum Besten und 511m Wohle bc$ Menschen gestaltet. Auch heute treffen wir Elchonon im Studirzimmer des Dr. Marpua beim Studium des Talmuds. Mit großer Aufmerksamkeit folgte er der haarscharfen, logischen Folgerung einer ihm bisher unverständlich gebliebenen Determination des Talmuds, da wurde die Thüre etwas hastig aufgestoßen und Recha trat in's Zimmer. „Du entschuldigst, lieber Papa, meine Störung," sagte sie mit vor Freude strahlendem Gesicht, „aber ich konnte meine Ueberraschung nicht länger unterdrücken. Es ist nicht hübsch von Ihnen, Herr Pelouse, daß Ihre Freunde erst aus der Zeitung erfahren müssen, welche ehrenvolle Auszeichnung Ihnen zu Theil wurde!" „Ich weiß wirklich nicht, was Sie meinen, Fräulein Recha," versetzte Elchonon mit freundlichem Lächeln. „Etwa, daß ich gestern in Gesellschaft des Grafen R . . . . ausgefahren war? Ich würde untröstlich sein, wenn jener fade Mensch, dessen langweilige Begleitung mir von der Comtesse aufoctroirt wurde, Ihnen zum Aerger Anlaß gegeben haben würde!" „Wie vortrefflich Sie beit Schuldlosen zu spielen verstehen, Sie gräflicher Sproß, Sie!" neckte Recha. „Oder sollten Sie schon so aristokratisch gewordcn sein, daß Ihnen jede plebeische Ehrung gleichgiltig ist, keine Freude mehr macht? Und da soll einer so viel Sanftmuth besitzen, um nicht ärgerlich zu werden?" „Nun so schlimm wird es nicht sein," warf Marpua ein, „doch laß' hören, was es ist?" „Denke nur, Papa," fuhr Recha eifrig fort, „Herr Pelouse wird mit dem Preise der medizinischen Fakultät ausgezeichnet, weil er ein Problem in der Physiologie löste, das seit einer Reihe von Jahren von der medizinischen Fakultät gestellt wurde und keine Lösung gefunden hatte; ltnb eine solche ehrenvolle Auszeichnung müssen seine Freunde erst durch die Zeitung erfahren! Ist es nicht unverzeihlich?" „Das weniger," sagte Marpua hocherfreut, „aber falsche Bescheidenheit ist es. Nun, meine herzlichste Gratulation, mein lieber Elchonon! Fahren Sie nur fort, der Wissenschaft und Ihrem Glauben Ehre zu machen." „Solcher Sanftmuth, lieber Papa, bin ich nicht fähig," fuhr Recha in neckendem Tone fort. „Nun meinetwegen, gratuliren will ich Ihnen, aber freundlich null ich mit Ihnen nicht eher sein, bis Sie mir ausführlich darüber Bericht erstattet haben, wie Sie diese Arbeit gelöst haben!" „Um Gotteswillen, Fräulein Recha, verlangen Sie alles, nur das nicht! Das hieße das langweiligste Zeug, das jemals Damenohren vernommen, abermals durchkneten. Die ganze Arbeit verdient eigentlich nicht, daß viel von ihr geredet werde. Es thut mir leid, daß die Zeitung sich dieser Angelegenheit bemächtigt! Biel Aufsehens ist diese Arbeit nicht werth!" „Hör' mal, Elchonon, zu viel Bescheidenheit ist eine Schande! Deine Arbeit hat einen großen Werth nnb ist bahnbrechend für die Heilung eines Theils der Schwächen im menschlichen Organismus. Professor Rosner hat heute im öffentlichen Eolleg erklärt, daß die hiesige Universität stolz ist, die Lösung durch einen der Ihrigen herbeigeführt zu haben!"

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