Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 27-28 (8.4.1896)
- Date
- 1896-04-08
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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570 in den Juden-Sawannah eine Reihe von blühender Niederlassungen, in denen sie mit Hilfe der mitgebrachten Negersklaven Zuckerrohr, Kaffee, Cacao rc. bauten. Sie nahmen Antheil an der Verwaltung der Kolonie, sie traten in die Armee ein und sie bildeten eigene jüdische Milizkompagnie. Die Ansiedelungen führten meist biblische Namen, wie Rama, Moria, Petra, Karmel rc. und wurden auch in patriachalischem Style geleitet. Das Verhältnis zwischen den Juden und ihren Sklaven war ein durchaus gutes und in dem ersten halben Jahrhundert gehörten Ausstände der Sklaven von jüdischen Besitzungen ec. zu den größten Seltenheiten. Unter den jüdischen Kolonisten erlangte Don Sanmel Nassy bald den größten Einfluß in der ganzen Provinz, er wurde Bürger-Kapitän und führte die Miliz der Kolonie in den Kämpfen gegen die Indianer so glücklich, daß es ihm gelang einen Frieden zu Stande zu bringen, der längere Zeit Ruhe vor den Angriffen dieser wilden Feinde versprach. Nassi kam zu solchem Ansehen und erreichte so einflußreiche Beziehungen in dem Mutterlande Holland, daß er darauf hoffen konnte an Stelle des verstorbenen Gouvernurs Clerssen selbst diesen Posten zu erhalten. Indessen die Hoffnung erwies sich als trügerisch, einen Juden zum Gouverneur dieser wichtigen Kolonie wollte man doch in Amsterdam nicht, so kam dann bald ein anderer Gouverneur Herr Van Shirponhuizen, mit dem sich aber die Juden nicht gut stellen konnten, sie beschwerten sich über ihn in Amsterdam, Samuel Nassi selbst verstimmt und verbittert, weil er bei der Besetzung des Gouverneurpoftens übergangen worden war, wanderte nach Amsterdam aus, und als endlich Shirponhuizen zurückberusen wurde, trat Nassi als Anwalt der von jenem verfolgten Juden auf und zog ihn vor Gericht. Vor kurzer Zeit wurden die Akten dieses interessanten Prozesses, die 1697 publizirt worden waren, wieder entdeckt und veröffentlicht. Erfreute sich die Kolonie eine zeitlang des inneren Friedens, so hatte sie dagegen viel von äußeren Angriffen zu leiden, besonders durch die Franzosen wurde mehrmals die Existenz der Kolonie auf das äußerste bedroht. 1689 und 1712 griffen die mächtigen Flotten dieser Großmacht, die mit Holland, dessen Stern schon im Niedergang war, im Kriege lag, die Ansiedelungen in Surinam mit großer Energie an. Im Jahre 1689 erschien Admiral Cassard an der Küste und bedrohte die wenigen schlecht gerüsteten Forts. Eilig wurde von dem Gouverneur Van Chatillon von den offenen Ansiedelungen im Lande die Miliz in die Forts berufen und die Juden folgten zahlreich und willig dem Rufe. Es war gerade an einem Sabbat, als die Franzosen zu landen versuchten, aber die jüdische Miliz focht tapfer an der Seite ihrer christlichen Kameraden und die Franzosen erlitten eine Niederlage und konnten nicht landen. Der wichtige Theil, den man in dem Siege den jüdischen Milizen schuldete, wurde in dem offiziellen Bericht an die Generalstaaten dankbar ananerkannt. Im Jahre 1712 kam derselbe Admiral mit einer größeren Flotte wieder und wiederholte seine Angriffe, im Juni noch mit Mißerfolg, aber im October gelang es der Uebermacht, die Landung zu erzwingen, Paramaribo zu bombardiren und die ganze Gegend zu verwüsten. Die Kämpfe dauerten fort, wobei die jüdische Miliz tapfer an der Seite der holländischen Seeleute und Soldaten focht, aber den Feind nicht aus dem Lande treiben konnten. Zum Glück für die Kolonie machte der Frieden von Utrecht schon im folgenden Jahre 1713 den j Kämpfen ein Ende. Unter den jüdischen Soldaten werden namentlich erwähnt die Familien Pinto de Fonseea, Arias, Naar, De Brito und d'Avilar. Schon während der letzten Kämpfe zeigten sich die ersten Vorboten des Uebels, das die blühende Kultur von Surinam zu zerstören bestimmt war. Einzelne Negersklaven entliefen in die Urwälder, rotteten sich dort zusammen und überfielen dann die blühenden Ansiedelungen, um zu morden und zu plündern. Zu wiederholten Malen mußten die Milizen aufgeboten werden, um dem Unwesen zu steuern, weil die Polizei sich dieser Aufgabe nicht gewachsen zeigte. Aber auch die Milizen vermochten nicht auf die Dauer die Räuber zu bewältigen, die im Urwald jederzeit geeignete Schlupfwinkel fanden. Wie tapfer die jüdischen Milizen, denn diese trugen die Hauptlast der Kämpfe, auch ihre Schuldigkeit thaten, wie oft die Räuber befiegt und gefangen wurden, immer wieder schuf die Sklaverei neue Unruhen und allmählich verödeten die fruchtbaren Plantagen und die Besitzer zogen in die Stadt, um in Paramaribo unter dem Schutze der Besatzung wenigstens ihres Lebens sicher zu sein, während angestellte Beamte schlecht und recht die Besitzungen verwalteten. Ost zogen die eigentlichen Grundherren nach Europa, während in Paramaribo ihr Direktor saß, dem wieder die Inspektoren auf den einzelnen Plantagen untergeben waren. So verminderte sich auch die Zahl der spanischportugiesischen Juden zusehends, während die deutschpolnischen Gemeinden Hollands nur wenige Auswanderer nach Surinam sandten. Auch diese nahmen regen Antheil an dem öffentlichen Leben der Kolonie und unter den angesehenen Familien finden wir neben den Nassi, da Corta, Lonzada, Morpurgo auch van Emden, van Prag und Feitelbaum. Die jüdischen Kolonisten gelangten mit Ausnahme des Gouverneurspostens in alle Aemter, sie waren die Hauptträger des Handels, aber auch des