Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 27-28 (8.4.1896)
- Date
- 1896-04-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448608-2448635--41581-2490544- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
mm mm '."7-v-^r 555 Amerika. 8. New-Nork, 13. März. (Das jüdische Z e it u ngsw e s en.) Eine nicht unbedeutende Rolle im Rew-Porker Judenthunle spielen die Zeitungen, welche theils in englischer oder deutscher, theils in jüdisch-deutscher Sprache — Jargon — erscheinen, letztere sogar täglich. Eine sehr auffallende und bcmerkenswerthe Thatsache ist, daß die sämmtlichen Zeitungen, welche die Interessen des Judenthums vertreten, der conservativen, resp. orthodoren Richtung huldigen und alle der „Reform" feindlich gegenüberstehen, was um so auffallender ist, indem die zwei prominentesten Tempeln hier — Tempel Emanuel und Beth-El — dieser Richtung huldigen. Dabei „machen" die hiesigen jüdischen Zeitungen auch in Politik, eine tritt für die Prinzipien der demokratischen Partei ein, während eine andere eine Anhängerin des Schutzzolls a In Me. Kinley — also streng republikanisch ist und wieder andere, besonders im Jargon erscheinende, theils den Sozialismus — ä la Arbeiterzeitung — und theils den Anarchismus vertreten. Letztere Zeitungen werden nur von den russischpolnischen Juden gelesen, welche weder deutsch noch englisch lesen können. Da diese Zeitungen eine unbedeutende Rolle hier spielen, so tonnen wir direct p denen, in englischer Sprache erscheinenden, übergehen. Derselben Richtung wie der „Israelit" huldigend, ist der „Hebrew-Standard", ein wöchentlich erscheinendes Journal, dessen Redakteur Dr. Salomon ist. Dieses Blatt geißelt wöchentlich in seinen „leitenden Artikeln" die Reforrnpartei, macht solche für den Abfall im amerikanischen Judenthnnl verantwortlich und schreckt niemals vor der Wahrheit zurück. In politischer Beziehung ist der „Hebrew-Standard" demokratisch. Aber auch der „Jewish Messenger", der „American-.Hebrew", das „Hebrew-Jonrnal", alle sind Anhänger des conservativcn Judenthnms. Monatlich erscheint die „Menorah", das Organ des Ordens „Bne-Brith". Soviel über das Zeitungswesen in Rew-Pork. Chicago, im März. Mit dem Sonntags- Judenthum d. h. dem Judenthum, welches am Sonntag den Sabbat feiern will, scheint es nicht recht vorwärts geheir zu wollen. Das ist nicht Fisch und nicht Fleisch und wendet sich an Menschen, die eigentlich weder Juden noch Christen sind. Der Chicagoer Rabbiner Dr. Emil E. Hirsch, der ein glänzender Redner ist, aber das Judenthum zu einer Art ästhetischen Angelegenheit umgestaltet sehen möchte, dürfte das wohl auch bald einsehen. In einer seiner jüngsten Sonntags-Predigten klagte er wehmüthig, daß die Synagoge, in der er so schöne Essays predigt, leer bleibt. Ein Rabbiner, der sich nicht an Gläubige wenden will, sollte nicht verwundert fein, wenn man auch ihm keinen — Glauben entgegenbringt. Der Herr „Rabbiner" des Sonntags-Judenthums muß sich überdies in den Tagesblättern eine nichts weniger als schmeichelhafte Kritik seines Wirkens gefallen lassen. Am Ende werden vielleicht auch diese „Rabbiner" erkennen, daß ihr Beruf nur dann kein verfehlter ist, wenn sie vorerst auch — Juden sein wollen, die für und mit Juden wirken. M'reinsnachrichten. Frankfurt a. M. Dem Jahresbericht des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen zu Frankfurt a. Main (1895) entnehmen wir: Unsere Thätigkcit, die einerseits die Ausbildung jüdischer Mädchen zu tüchtigen Krankenpflegerinnen, andrerseits die Ausübung der Krankenpflege durch unsere ausgebildcten Schwestern für Kranke ohne Unterschied der Confession bezweckt, hat nach beiden Richtungen mehr Boden sowohl in unsrer Stadt als auch auswärts gefunden. Die große Anzahl von zum Theil in weiter Entfernung wohnender Mädchen, die sich an uns gewandt haben, um als Schülerinnen ausgenommen zu werden, gibt uns wieder den besten Beweis dafür, daß es auch unter unseren Glaubcnsgenossinnen nicht an edlen und selbstlosen Mädchen fehlt, die sich diesem schweren und aufopferungsvollen Berufe zu widmen beabsichtigen. Ebenso war aber auch oas Verlangen nach unseren Krankenschwestern fortdauernd ein so großes, daß wir mit der bisher noch geringen Zahl unserer Pflegerinnen keineswegs alle Wünsche zu befriedigen im Stande gewesen sind. Im Ganzen waren im Laufe des Bcrichtjahres 23 Anmeldungen cingcgangcn Da cs bis jetzt uns nicht möglich ist, eine größere Zahl zur Ausbildung aufzunehmen, so war es unser hauptsächliches Bestreben unter den Angemcldcten Diejenigen auszusuchen, welche durch Bildung und Intelligenz. geeigneten bisherigen Lebenslauf sowie durch körperliche Beschaffenheit für die Ausübung des schweren Dienstes der Krankenpflege am Besten geeignet erschienen. Daher wurden 18 angemeldetc Schülerinnen zurückgewicsen, resp. zogen sie selbst ihre Anmeldung zurück. Vier Schülerinnen wurden neu ausgenommen, von denen zwei zur Ausbildung nach Köln gesandt wurden, und zwei im israelitischen Gemeinde- Hospital dahier ihre Lehrzeit bestehen. Eine Anmeldung ist noch in Behandlung und wird wohl demnächst als geeignet ausgenommen werden. Dem Unterricht unserer Schülerinnen widmeten sich mit dem bisherigen günstigen Erfolge in Köln die Herren Dr. Auerbach und Dr. Eahn, sowie hier Herr Dr. Deutsch. Diesen Herren sind wir für das lebhafte Interesse, das sie fortdauernd unseren Schülerinnen gegenüber beweisen, zu ganz besonderem Danke verpflichtet' Leider hatten wir erst vor einigen Tagen einen herben Verlust unter unseren Schülerinnen zu beklagen. Fräulein Sara Nobel aus Halberstadt, die Tochter des dortigen Rabbiner Nobel, erlag einer schweren Hirnhautentzündung, nachdem sie ein halbes Jahr Schülerin unseres Vereins im hiesigen isr. Gemeindchospiral gewesen war. Im Laufe dieses Jahres erreichten 4 Schülerinnen ihre völlige Ausbildung und wurden denselben, nachdem die ausbildenden Aerzte ihnen das Reifezeugnitz ertheilt hatten, das Diplom und das Abzeichen unserer Schwestern übergeben. Ferner wurden im Laufe des Jahres eine als Probeschwestebisher thätige Pflegerin definitiv in unseren Verband ausgenommen, während eine bisherige Schwester freiwillig aus unserem Verein geschieden ist, um die Leitung einer auswärtigen Anstalt zu übernehmen. — So. ist am Schluß unseres Berichtjahres die Zahl unserer Schwestern aus 13