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Der Israelit · 1896-03-26 · Heft 25-26 (26.3.1896) · page 39

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 25-26 (26.3.1896)
Date
1896-03-26
Page
– (sequence 39)
Language
German
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543 Scholle gefesselt, wohin vor vielen Jahren ihre Väter, Großväter und Urgroßväter verschickt wurden. Sie werden durch diese Verfügung noch härter betroffen als die Verbannten selbst, denen das Gesetz gestattet, nach Beendigung der Verbannungsfrist sich einen Ansiedelungsort wählen zu dürfen. Mit der gegenwärtig getroffenen Entscheidung hat der Senat, der berufen ist, das Gesetz zu wahren, auch die schwach aufkeimende Hoffnung der Juden auf die Gerechtigkeit der ersten gesetzgebenden Körperschaft des Reiches wieder vernichtet und der Willkür der Beamten den Juden gegenüber Thür und Thor geöffnet. Daß dem so ist, beweist die erneute Verfolgung der jüdischen Handwerker in Kiew, gegen welche sogar der keineswegs judenfreundliche „Kiewljanim" energisch Stellung nimmt. Diese Verfolgung wurde charakteristischer Weise unmittelbar nach der Entscheidung des Senats in der Angelegenheit der sibirischen Juden eingeleitet, und auch hier wurden die geltenden Gesetze völlig mißachtet. So verfügte die Administration von Kiew die Sperrung der Kunstschlvsserei be* Juden Boruch Zyganowskij, trotzdem sie seit mehr als fünfzehn Jahren mit Zustimmung der Behörden bestand und Arbeiten für das Arsenal und andere ärarische Etablissements prompt, billig und dauerhaft ausführte. Der Jude Zyganowskij, der vor fünfzehn Jahren von einer Sachverständigeneommission der Kiewer Handwerkergenossenschaft geprüft und als Meister befunden wurde, der früher schon als FeldwebeldieSchlosserwerkstätte des KiewerArsenalsgeleitet hatte, wurde von der Administration plötzlich als des „Befähigungsnachweises entbehrend" erklärt und zur Allsweisung bestimmt. Das sind die Früchte der Beanltenwillkür, die sich vor jeder Verantwortung geschützt weiß, nachdem die höchste gesetzgeberische Instanz des Reiches ihr mit schlechtem Beispiele vorangegangen ist. Es wäre müßig, zu untersuchen, welcher Zukunft die Juden in Rußland entgegengehen; ihre Lage ist anr besten durch die Worte gekennzeichnet, welche ein liberaler russischer Schriftsteller an einen angesehenen Petersburger Juden unlängst richtete: „So lange das Schicksal der Juden in der Brusttasche eines Polizeibeamten steckt, kann eine Besserung tu der Lage derselben kaum eintreten. Jedes Rechtsgefühl bar sind die Polizeibeamten, die hohen wie die niedrigen; die Juden aber sind Opfer des allgemeinen Systems, welches das ganze Reich in eine Wüste verwandelt, wo nur Hilferufe gepeinigter Menschen zu hören sind." (Fr. Bl.) Lodz, 20. Marz. Aus Petrikaw wird uns soeben die traurige Nachricht, daß der bei der Behörde hochangesehene Entrepreneur A. Jacob Majeran nach kurzem Leiden verschieden ist. Wo es galt seinen Nächsten zu unterstützen, war er unermüdlich, namentlich hat die Petr, jüdische Gemeinde einen unersetzlichen Verlust durch sein Ableben erlitten. Er war es, der bei der Behörde es durchsetzte, (trotzdem es nicht gestattet ist), daß alle im dortigen Gefängnisse befindliche jüdische Arrestanten zu hds österlich verspeist werden und war er überhaupt überall dabei, wo es sich darum handelte ein humanes Werk durchzuführen. Jehudi von Scheitel bis zur Sohle ist er seinen religiösen Pflichten immer gewissenhaft nachgenommen. Da er oft bei den höheren Beamten zu Feste geladen war — fiel es erst neulich dem Gouverneur auf, daß ihm nur den Israeliten erlaubte Speisen vorgesetzt wurden und belobte ihn dieser öffentlich wegen seiner Gesetzestreue. L. Amerika. 8 New-Aork. (Die jüd. Theater). New-Aork ist die einzige Stadt des Erdenballs, die drei jüdische Theater besitzt. Selbstredend werden da nur „jüdische Stücke" aufgeführt und zwar in dem Dialekt des „Jargon." Leider kann Ihr Correspondent über diese Theater nicht viel berichten, indem solcher, da er den Jargon nicht versteht, noch nie ein solches besuchte. — Das „Jewish Theological Seminary“, welches in seinem Gebäude, Lexington-Avenue 736, seine „Convention" abhielt, hatte im letzten Jahre eine Einnahme von 17 014.23 Doll., denen 14 498.22 Doll, gegenüberstanden. Von San Francisko Cal. ging das Gerücht aus, daß Bürgermeister Major Sutro — ein deutscher Jude und mehrfacher Millionär, Sohn des früheren streng frommen Rabbiners Sutro in Altena, Westfalen — in das Lager der „Salvations-Armee" übergegangen sei. Herr Sutro widerrief es, und erklärte, er unterstütze solche blos mit Geld — that is all. — vermischtes. Mainz. Man schreibt uns: Der hier ansässige Kunstmaler, Herr JSrael Krupenie, der vor einiger Zeit die Mitgieder der Religionsgesellschaft durch eine meisterhafte Darstellung und Vervielfältigung des Bildnffses ihres verehrten Herrn Rabbiners erfreut«-, hat dieser Tage durch die Ausstellung eines größeren Werkes die Aufmerksamkeit der hiesigen Kunstfreunde auf sich gelenkt. Es ist dies das fast lebensgroße Gruppenbild der Familie eines hiesigen angesehenen Stadtverordneten. Die Kritiken sämmtlicher hiesiger Tagesblätter stimmen darin überein, die Arbeit als ein Meisterwerk zu bezeichnen. Sollten wir noch eines Beweises bedürfen, daß Erfolge auch auf dem Gebiete der bildenden Künste von dem religiösen Bekenntnisse unabhängig sind, so würden wir vorliegenden Fall anführen. Der Herr I. Krupenie steht ganz und gar auf dem Standpunkte des traditionellen Judenthums. Mainz- Zu den Vorgängen an der Wiener Universität machen die Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus, folgende treffende Bemerkung: Unserer Meinung nach sollten die jungen Leute den Kampf auf den geistigen Tournierplatz verlegen. Es gibt nur eine Revanche für die Ablehnung der persönlichen Satisfaction. D i e Erreichung geistiger Satisfaction. Die jüdi-

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