Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 25-26 (26.3.1896)
- Date
- 1896-03-26
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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für düsc^-- i'Wlk ^orthodoxe «MuderrthumÄ -OM OS ESO l«r. 4. 26. Mär; 1896.] Eine Erzählung aus der neuesten Zeit. Äu8engel8 Dr. Hans Epstein war ein junger Rechtsanwalt in M., der, obschon er noch nicht drei Jahre an seinem jetzigen Wohnsitz etablirt war, eines der besten Bureaus hatte und ans dem Wege gewesen wäre, ein reicher Mann zu werden — wenn er das nicht gewesen wäre. Er selbst entstammte einer sehr wohlhabenden Familie und hatte mit seiner Frau, der einzigen Tochter eines niederländischen Glaubensgenossen, ein fürstliches Vermögen erheirathet. Man sprach von zwei Millionen Mark und es mochte in Wirklichkeit das Doppelte gewesen sein. Dr. Epstein betrieb seine Anwaltschaft, wie der geschätzte Leser, die schöne Leserin einsehen werden, nur zum Vergnügen, und trotzdem war er der fleißigste und gewissenhafteste Anwalt, den man finden konnte, steine Gerechtigkeit und Unbestechlichkeit war über jeden Zweifel erhaben, sein immenses Wissen in.jure — sowie in Schass und Poskim*) stadtbekannt und wie man heute über sein unübertreffliches Plaidoyer vor den Schranken des Geschworenengerichts und der Strafimd Civilkammer erstaunt und verblüfft war, so war man des Abends entzückt von dem talmudischen Vortrag, den er einer Anzahl Männern wöchentlich zweimal in seinem Hanse hielt. Es darf uns deshalb nicht wundern, daß er ein gesuchter Anwalt war, und daß er in der Auswahl seiner Klienten wählerisch sein konnte und es in der That auch war. So sehen wir ihn jetzt vor dem eleganten Schreib- *j In Talmud und Decisoren. (Nachdruck verboten.) tische in seinem Bureau einer jungen bildhübschen Dame gegenübersitzen, deren Worten aufmerksam lauschend. Sein feines, intelligentes Gesicht, das ein hübscher blonder Vollbart umrahmt, drückt Mitleid aus, und als die Dame jetzt geendet, sagte er: „Ich bedaure, Frau Gräfin, Ihre Sache nicht führen zu können?" „Aber warum denn nicht und weshalb so förmlich, Epstein? Lassen Sie doch den Titel und das Sie weg und nennen mich Anralie, wie früher im Hause meiner Eltern." „Rein, Frau Gräfin, jene Zeiten sind vorbei. Als Sie noch Amalie Lipstadt waren, hätte ich das Recht das Sie mir gaben. Sie mit Ihrem Vornamen zu nennen, gerne angenommen. Dieses Recht gaben Sie bald daraus dem Lieutenant der Husaren, Grasen Donnersberg, dessen Gattin Sie heute sind. Die Banden der Ehe mit diesem Herrn lassen sich nicht so leicht lösen und wie gesagt, ich kann Ihre Sache nicht vertreten." „Aber, lieber Epstein, Sie sind auch nicht ein wenig galant gegen mich," sagte die schöne Frau, indem sie einen bestrickenden Blick aus ihn warf. „Ich gebe Ihnen heute noch das Recht mich mit meinem Vornamen und Du zu nennen, wir sind ja alte Freunde, ulld erkläre mich bereit, Ihnen jeden Lohn zu bewillige«, deu Sie von niir verlangen, wenn Sie meine Sache vertreten, hören Sie? jeden Lohn."