Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 25-26 (26.3.1896)
- Date
- 1896-03-26
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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DWMMMVWWWWWWWW 523 sollte jungen, strebsamen Männern frühzeitig die Aussicht auf solche Aushilfe aus Kassen oder von Privaten eröffnen, um sie anzuspornen, ihre Jugendzeit gut zu benutzen und nicht auf Abwege zu gerathen. Wir zweifeln nicht, daß in derselben Weise, wie Handwerkervereine den Handwerkern abzuhelfen suchen, es auch mit Gärtnern und Ackerbauern der Fall sein wird. Das Gelb, das nach einiger Zeit zurückgezahlt werden wird, ohne den Anfänger zu drücken, wird zu keinem wohlthätigeren Zwecke angelegt werden können. Wenn die Nothwendigkeit für solche Unters: ützungen sich erst herausgestellt hat, werden bei dem wohlbekannten Wohllhätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen sich auch derartige UntersiützungSkassen bilden, wie bereits das Kuratorium der Israelitischen Erziehungsanstalt in Ahlem den Anfang mit einem zwar nur kleinen Fond von einigen hundert Mark gemacht hat. Neben der Versorgung, die jüdischen Jünglingen so bereitet wird, hat die Ergreifung dieser Berufsarten auch noch einen idealen Zweck. Jeder jüdische Arbeiter, der sich im Schweiße seines Angesichts müht, sich sein Brod zu verdienen, ist ein wirksamerer Protest gegen antisemitische falsche Anschuldigungen, als viele lange Reden, und die Erziehungsanstalt in Ahlem wird sich mit der Zeit, wenn sie mit göttlicher Hilfe die materielle Unterstützung findet, als ein Bahnbrecher erweisen. Ihre Aufgabe erblickt sie zwar zunächst in Ausbildung von jüdischen Gärtnern und Ackerbauern für Deutschland, aber sie weist auch Ausländer nicht zurück, die hier nur ihre Lehrzeit verbringen und dann in ihre Hennath zurückkehren. Kein Vorurtheilsfreier wird daraus den Vorwurf internationaler Bestrebungen erheben können; wie Deutsche, Franzosen, Engländer, Russen und andere Nationen die Lage ihrer in fremden Ländern wohnenden Glaubensgenossen zu bessern suchen, so streben wir danach die materiellen und kulturellen Zustände unserer Glaubensbrüder zu heben. Roch vieles ist in bicfer Beziehung zu thun, und wir hoffen, daß mit der Zeit diese Erziehungsanstalt mit zu den wirksamsten Schöpfungen gezählt werden wird. Zeitungsnachrichten und Correspondenzcn. O e st err.-U ng ar. Monarchie. Waiherr, im März. (Stiftung des Bischofs Dr. Schuster für Kranke aller C onfes si o nen.) Der hiesige Bischof, Dr. Constantin Schuster, spendete vor einigen Tagen hunderttausend Gulden zur Errichtung eines Krankenhauses in seiner Residenzstadt, in welchem nach dem Stiftungsbriefe Kranke aller Confessionen Aufnahme finden sollen. Der Bischof empfing nun einen Berichterstatter des „Pesti Naplo", welcher die Bemerkung machte, daß die Bestimmung des Stiftungsbriefes, wonach bei Aufnahme von Kranken kein Unterschied in konfessioneller Richtung gemacht werden dürfe, großes Aufsehen hervorgerufen habe. Bischof Dr. Schuster ermiederte: ..Das ist doch ganz natür« lich. Vor dem Richterstuhle Gottes und in meinen Augen sind alle Menschen gleich. Der Herr des Himmels de'ohnt und bestraft uns Alle ganz gleich. Soll ich mich etwa vor das Thor des Krankenhauses hinstellen, und wenn man einen verlassenen Schwerkranken bringt, fragen: Weß Glauben bist du? Das wäre weder menschlich noch christlich. Ich sage vielmehr : Ich bin ein Samaritaner und nehme dich auf! In meinem Herzen findet jeder ehrliche gottesfürchtige Mensch den gleichen Platz, und ich danke dem gütigen Himmel, daß die verschiedenen Confessionen in meiner Diöcese sich sehr gut vertragen. Glauben Sie mir, ich kenne in meiner Diöcese hunderte von Bekenner« anderer Confessionen und Juden, die das tägliche Brod für ihre Familie ehrlich, aber kämpfend verdienen. Sie stehen meinem väterlichen Herzen ebenso nahe, und ich schließe deren Glück in mein tägliches Gebet ebenso ein wie dasjenige meiner Gläubigen. Es wäre kein gottgefälliges Werk gewesen, wenn ich ihnen eine Wohlthat nur deßhalb entzogen hätte, weil sie Anhänger eines anderen Bekenntnisses sind. Ich bin ein achtzigjähriger gebrechlicher Greis, der nur mehr eine kurze Zeit zu leben hat. Ich habe stets sorgsam gewirthschaftet, Heller zu Heller gelegt, nicht für mich und meine Familie, sondern für das Geineinwohl, für die Verlassenen und Verirrten. Nun, da mich die Vorsehung des Glückes theilhastig werden läßt, das Fest des tausendjährigen Bestandes meines theueren Vaterlandes mitzufeiern, konnte ich nicht anderes handeln, als der Dankbarkeit, die ich Gott schulde, dadurch Ausdruck zu geben, als daß ich ein gutes Werk für Alle stifte, wie es meine geistliche Pflicht ist." Vermischtes. < HardheiiNch Nach 28jährigem Bestände des hiesigen isr. Frauen-Vereins hielten dessen Mitglieder am i-r>- v. Mts. ein geselliges Festmahl in der Hanft'schen RestanrationZdah'er ab. Dasselbe nabm einen recht würdigen und feierlichen Verlauf; während desselben nahm der Sekretär des Vereins, Herr Lehrer E. Wertheimer Bezug ans Zweck, Bedeutung und die langjährig ersprießliche Thätigkeit des Vereins; er knüpfte in seiner Ansprache die Schiller'schen Worte an: „Ehret die Frauen, sie flechten und weben himmlische Rosen in's irdische Leben," worin er das jüd. Weib in den mannigfachsten Stellungen, aus frühester Vergangenheit bis zur Gegenwart im schönsten Lichte charakterisirte, sowie dasselbe als den wichtigsten Faktor für's Hans mtW UT3, wie für die religiös-sittliche Erziehung betrachtete. Eine ergiebige Geldsammlung für wohlthätige Zwecke beschloß den offiziellen Theil der Festlichkeit und gestaltete dieselbe zu einer DW NTttP »TD».