Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 21 (12.3.1896)
- Date
- 1896-03-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXITII. Jahrgang. Erste ßeilnne zu M 21 des „Israelit". - --^=- — ---—-----'■■ — ^=a«=— Leitender Artikel Kagadast schel He fach. Zehnte Serie. Mainz, 11. März. IV. -jnDN tyi 'pon?y idd ]n "idkO o u1? '“i ub t*b c^y nyi nnya rr -pm uruNi — „Nicht uns, o Gott, nicht uns, sondern deinem Namen gieb Ehre, um deiner L iebe, um deiner Wahrheit willen. Warum sollen die Völker sprechen: „Wo ist denn doch ihr Gott? Unser Gott i st im Himmel, was er will hat er vollbracht!" Ihre Götzen sind Silber und Gold, (auch) als W e r k v o n M e n sch e n h ä n d e n. E i n e n Mund haben sie und reden nicht, Augen haben sie und sehen nicht, Ohren haben sie und hören nicht, eine Nase haben sie und riechen nicht. Mit ihren Händen fühlen sie nicht, mit ihren Füßen gehen sie nicht und gebenkeinenLaut mit ihrer Kehle. Wie sie sind werden die, welche sie verfertigen, jeder, der aus sie vertraut. Israel! Vertraue auf Gott; ihr Beistand und ihr Schutz ist Er. Haus A h a r o n s! Vertraue auf Gott: ihr B e i - st a n d u n d i h r Schutz i st E r. I h r, d i e i h r Gott fürchtet, vertraut auf Gott; ihr Beistand und ihr Schutz ist Er. Gottes, dessen wir gedacht, segnet, segnet das Haus Israels, segnet das Haus 2l h a r o n s, segnet, die Gott fürchten, die Kleinen mit den Großen. Vermehren wird euch Gott, euch mit euren Kindern. Seid gesegnet für Gott, der Himmel und Erde schafft. Der Himmel ist Gottes Himmel und die Erde hat er d e n M ensch enkinde rn gegeben. Nicht die To dien preisen Gott und nicht die in's Schweigen hinabsinken. Wir aber segnen Gott von jetzt und bis in die Ewigkeit, Hallelujah!" Im Gegensatz zu den Völkern, die Gott aus seinen Großthaten in 'Natur und Geschichte nicht kennen gelernt haben, die diese Erkenntniß Gottes nur aus dem an sie herantretenden Gottesgrimm gewinnen, den deshalb die Worte “)non ^b» herabriefen, veranschaulicht nun unser Psalm die Stellung des Gottesvolkes, das von Gott dazu berufen ist, das Dasein Gottes in der Menschheit zu verbreiten. Wir sind das in allen Zeiten und Zonen leuchtende Denkmal Gottes für seine Liebe und seine Wahrheit. Wie er uns erwählt hat, wie er uns in materieller, numerischer Schwäche, in tausenden von Aengsten und Nöthen, trotz unserer Winzigkeit und Abhängigkeit erhält, mit diesem Wunder sind wir die Zeugen und Bürgen der Liebe Gottes. Und selbst mit der Widrigkeit unseres trüben Lebensgeschicks sind wir die bewährten Garanten der göttlichen Wahrheit, die auch dem Gegenstand ihrer Liebe nichts nachsieht und uns in einem Erile sondergleichen, Sühne für unsere Verirrungen und die der Ahnen finden läßt. Wir leiden für die Wahrheit des Gottesworts, das bei seinen Herolden in erster Reihe auf unverkürzte Erfüllung drängt und jede Abweichung bei seinen Trägern am empfindlichsten rächt. Diese Trägerschaft hat uns den Haß und die Verfolgung einer ganzen Welt an die Fersen geheftet, sie hat Jakob verzehrt und seine heiligen Stätten verwüstet, und doch geht die Sehnsucht unseres Lebens in dem Verlangen auf, nicht daß wir, sondern daß die Gottessache, die wir vertreten, zur Ehre gelangen im Kreise der Menschen. Nicht uns, nicht uns! Uns hat dieser welthistorische Beruf, das Bewußtsein von Gott der Menschheit zu bringen, nur Schmach und Schande, Spott und Hohn von allen Seiten gebracht, aber keine Ehre. Jedes Blüthenstäubchen, das von dem Baume der jüdischen Gotteserkenntniß in den Acker der Menschheit fiel, jeder Strahl, den die heidnische Welt aus diesem Lichtquell hinnahm, scheint die Massen noch unduldsamer und eifersüchtiger gegen diejenigen gestimmt zu haben, welche den großen, göttlichen Wahrheitsschatz noch ungekannt und ungeahnt im Busen tragen. Sic können uns den Besitz der göttlichen Wahrheit nicht verzeihen und möchten uns unser Prioritätsrecht streitig machen. Ehre in den Augen der Menschen war bei diesem ungleichen Kampfe wahrlich nicht zu holen, dafür zeugt die nach Jahrtausenden zählende, mit Blut und Thränen geschriebene Leidensgeschichte des jüdischen Stammes. Und dennoch ist die Ehre Gottes an die Ehre derjenigen mit tausenden von Banden geknüpft, die Gottes Sache auf Erden vertreten. Wir wissen es zwar, daß Gottes Allmacht und Wundergröße ^sich nirgends glänzender manifestirt, als in der Wehrlosigkeit des Lammes, dem siebenzig Wölfe den Untergang planen, und das dank der Fürsorge seines Hirten, dennoch seine Verfolger überdauert. Aber die blind zutappende Gewalt erblickt in der Wehr-