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Der Israelit · 1896-03-05 · Heft 19 (5.3.1896) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 19 (5.3.1896)
Date
1896-03-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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^Pff|lP!SI!fe4;>ll--Mj!SS£!g^^ 387 Der fast anderthalbstündige Vortrag, der im Vorstehenden nur skizzenhaft und in seinen wesentlichen Hauptpunkten dargelegt wurde, fand rauschenden, begeisterten Beifall bei den zahlreich erschienenen Zuhörern. Dieser Beifall galt nicht blos dein geistreichen, belehrenden Inhalt, sondern auch der anerkannten Meisterschaft des Redners in rhetorischer imb stilistischer Hinsicht. —n— Oest err.-Ungar- Monarchie. Wien, 2. März. Bei den heutigen Gemeinderathswahlen aus dem 2. Wahlkörper haben die Liberalen 14 Mandate, in der inneren Stadt (7), Leopoldstadt (4) und Alsergrund (3), die ihnen bei den Septemberwahlen geblieben, behauptet. Die übrigen 32 Mandate in den übrigen 16 Bezirken fielen wiederum den Antiseiniten zu, die in allen Bezirken Stimmenzuwachs verzeichnen können Im Ganzen wurden 9300 Liberale und 11,650 antisemitische Stimmen abgegeben. Die Erwartung, daß nach den Vorgängen der letzten Zeit die Beamten für die Regierung stimmen oder sich der Abstimmung enthalten würden, haben sich nicht erfüllt. Die Sozialisten erhielten eine unbedeutende Stimmenzahl. Die Verkündigung der Wahlresultate wurde von den Antisemiten auch dort, wo sie in der Minorität blieben, mit den Rufen: „Hoch Lueger! Nieder mit der polnischen Mißwirthschaft!" ausgenommen. Die Antisemiten verfügen bereits über 78 Stimmen und werden ihren früheren Stand von 92 Stimmen sicherlich erreichen. Die Meldungen eines Antisemitenblattes über Verhandlungen Badems mit Lueger sind erfunden. Prag, 29. Febr. (Berurtheilung eines antisemitischen Studenten). Der croatische Student Georg Jambrischak verursachte am 15. November v. I., als er mit zwei Bekannten aus einem Weinhause nach Hause ging, einen argen Erceß; er beschimpfte alle Junen, welche er traf und rief: „Hoch Lueger!" Unter Anderen stieß er auch mit einem Wechselstuben-Besitzer zusammen, der mit Frau und Tochter von einem Kränzchen nach Hause ging, rief diesen zu: „Alle Juden soll man. todtschlagen, die Juden sind keine Menschen! Hoch Lueger!" und bedrohte sie mit seinem Stocke. Der Wechselstuben-Besitzer zog jedoch einen Revolver aus der Tasche und drohte, Jambrischak zu erschießen worauf dieser die Beschimpfungen einstellte. Jambrischak hatte noch zwei Mediciner und einen Bahnbeamten beschimpft und wurde schließlich in einen Kaffeehause verhaftet. Heute stand Jambrischak wegen Vergehens nach §. 305, sowie wegen Wachebeleidigung vor einem Vier- Richter-Collegium und wurde zu sieben Tagen Arrests verurtheilt. Der als Zeuge einvernommene Wechselftuben-Besitzer erklärte, seit drei Jahren die behördliche Bewilligung zum Waffentragen zu besitzen, seit nämlich sein Onkel in Brünn ermordet wurde. DaS Unterrichtsministerium hat dem Rectorate der czechischen technischen Hochschule aufgetragen, eine neuerliche Jnseription Jambrischak's nicht zuzulassen. Frankreich. Paris. Unter den Opfern des Feldzuges in Madagaskar befindet sich auch ein Glaubensgenosse M. Heymann, ein Sohn des Beamten der Synagoge, in der ni6 de la Victoria. Derselbe fiel am 18. September 1895 bei Adriba. England. London. Aus Süd-Afrika wird mitgetheilt, daß in Johannesburg ein Raubanfall aus den Reverend M. L. Harris am 26. vorigen Monats viel Aufsehen erregt hat. Mr. Harris, der Prediger an der alten jüdischen Gemeinde in Johannesburg, ist schwer verwundet, doch hofft man, daß er von seinen Wunden genesen wird. In Kapstadt wurde bei der kürzlich abgehaltenen Generalversammlung der jüdischphilantropischen Gesellschaft Herr David Jsaacs zum Vorsitzenden gewählt. Mr. W. Baumann, der seit langem in Ceres ansässig, jetzt aber sein Domizil nach Kapstadt verlegt, erhielt vor seinem Fortgang eine feierlich überreichte Adresse seitens seiner bisherigen Nachbarn, auch der Pfarrer und die übrigen Geistlichen des Ortes haben sich dieser Ehrenbezeugung angeschloffen. A m e r i k a. Rew-Pork. Der letzte Jahresbericht der ..United Hebrew Charities“, erregt berechtigtes Aufsehen auch in christlichen Kreisen, und wird von den Tageszeitungen vielfach besprochen. Er gibt auch in der Thal ein Bild von einer ganz erstaunlichen Wohlthätigkeit, wie sie wohl nur äußerst selten noch Vorkommen wird. Der Bericht beziffert die Zahl der Juden in New-2)ork auf 300,000 Seelen, aber es will uns scheinen, als wenn die wirkliche Zahl noch größer wäre, denn allein im letzten Jahre wanderten 19,518 Juden neu ein. Dieser gewiß enormen Zahl, die New Dort zur größten jüdischen Gemeinde der Welt macht, steht eine erschreckende Armuth gegenüber, denn von nicht weniger als 115000 Personen wurden die Wohlthätigkeits-Anstalten der United Hebrew Charities in Anspruch genommen. 7508 Fälle, welche 27011 Personen repräsentiren, kamen einmal vor. während wiederholte llnterstützungs - Gesuche Vorlagen von 25,844 Bittstellern, die mindestens 75,000 Personen entsprechen. Außerdem wurden 6629 Bewerbern Stellen vermittelt, und in ca. 1900 Fällen in Summa rund 15000 Personen mit Reisegeld versehen. Die ganz enormen Beträge, die diese Unterstützungen erfordern, werden von einer ganz kleinen Zahl von

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