Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 17 (27.2.1896)
- Date
- 1896-02-27
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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857 A Zerusalem Paris, irw7 Wie so viele in Rußland verfolgte isrml. Glaubensgerossen, »nachte auch Unterzeichneter von der türkischen Gastfreundschaft Gebrauch und si.delte vor nunmehr 43 Jahren aus seiner Hei. math nach Jerusalem über, um durch Schreinerarbeit und Anfertigung von Olivenholrwaaren sich und seine Familie ernähren zu können. Die Sympathie der ganzen Welt we.r für das heilige Land und sür die Ur.t-rnehmung daselbst, und mit dr Zeit entstanden Anstalten auf Anstalten, uni junge Leute zu nützlichen Mirftiiederi» der me,,schlichin G-sellschoft u erziehen. Mit welchem Erro'g jüdischerteirs? Diesen Punkt, der in den Berichten der Gesellschaft'n als so gelungen und mustergiltig zum Zweck des Geldwachens dargestcllt wird, wird der Schreiber dieses, in einer demnächst erscheinenden Schrift allen Nimdusses enMedet, den sich dafür Jnteressirenden wahrheitsgemäß klarlcgen. Die Alliance universelle isvaeiite mit ihren Zweitereinen in London, Berlin, Frankfurt a, M. g ündete vor 14 Jahren in Jerusalem eine Schule, angeblich zur Hebung der Religion und Bildung unter den israelitischen Glaubensgenossen zu virbrciten. Heute ist sie eine Holzbearbeitungsfabrik, we'che mit Dampfbetrieb den langansä'sigen Handwerkern, deren siüher noch die Lstöglichkeit geboten war, sich anständig ernähren zu können, daS Brod vor dem Munde wegnimmt, und dadurch die übrigen Handwerker zu einem mehr als bette!hasten Dasein veru'theilt: l.weil die Alliance-Schule mit Dampfbetrieb massenhafter produz-ren, 2. gestützt auf die jährlich ans allen Welttheileu ziist:eße,,den Subsidien ihre Erzeugnisse, ohne Rücksicht auf die dadurch lenachth ftigttn Stadia,beiter, geradezu verschleudern kann. Dies sind ui gesunde Zustände, die schon Sir Philipp Mai liuS im „Jewish Ehioniclc" 1889 v rrn'heilte, indem er sagte, daß die Schu e erricht t worden wäre,;um Zweck, Schüler zu unterrichten, und nicht dazu da sei, den andereu Arbeitern, denen man in Jerusalem eine Heimath gründen wollte, den Nährboden zn en'ziehen. Alle Hochachtung vor d u anderen christlichen Anstalten und Klöstern, in welchen auch in den Werkstätten produziert wird, die Preise aber mit Rücksicht auf die and-reu Arbeiter so hoch gehalten werden, daß es denselben noch ermöglicht ist, mitkomnren zu können, und dieselken noch unterst ritzen. Auf dringende Vorstellung der jüdischen Arbeiter in der irr Jerusalem erscheinenden Zeitung „Hazcw," um Aenderung di'ser Verhältnisse, sagte der Herr Direktor: Er arbeite nach seinem Verstände, die übrigen Arbeiter könnten machen, was sie wollten. — So die Ar-sicht ern s sattgegesseueil Herrn, dessen Ensicnz durch Bettelgaben aus ganz Eurcpa sichergestellt ist. Schreiber dieses, welcher für sich und seine Familie die Zukunft intmer teüber sich gestalten iah, glaubte durch eiue Reise nach Europa m d durch Aust ärur g der irireUeklu'llen Leiter sänrmtlicher Unter, ehmnngen, in Paris, London, Berlin, Frankfurt a. M. eine Btssirgeslaliung der Leberrtzverhältnrsse der geringen Handwerker erwirken zu können, aber bis jetzt vergebens, trotzdem dem Unterzeichne en in einer S tzung in London seine Schilderung des heil. Landes und seiner Verhältnisse als vollständig wahr anerkannt und Abhilfe versprochen wurde. Die Folge lehrte aber, daß es die Herren mit der Wahrheit nicht so genau nehmen, und die Religion zwar auf den Lippen, aber nicht im Herzen haben. Nach dem Jahrbuch des Herrn Driwez hatte Jerusalem im Jahre 1895 einen Olivenhclzwaaren-Export für 425,000 FrcS. Der Laie denkt, davon hat mancher jüdische Arbeiter sich «nährt. Das Gegenthefl liegt «sichtlich auf der Hand, wenn man den Bericht in Nr. 21 vom 14. März 1894 im „Israelit" durchgeht, worin in der Rubrik „Einnahmen aus den Werkstätten" FrcS. 5819 verzeichnet steht. Die Vergleichung der Ziffern der Ausfuhr und der Einnahme aus den Werkstätten läßt den Beweis in vollem L chte erscheinen, laß die Alliance Schule alle anderen Handwerker zu Bettlern macht Um also eine Werkstätten-Einnahme von nicht ganz FrcS. 6000 zu erzielen, wird daS I8jache aufgeweirdet, wie können also, unparteiisch gefragt, die LebenS» Verhältnisse der übrigen Arbei ec sein, die keine Zuschüsse haben und von der Hand in den Mund leben? und wie leben? Die Wahrhe t obiger Zifsernangabe nicht bezweifelnd, steht aber fest, daß jüdischerseitS kein Erport stallfinden kann, weil die jüdischen Arbe ter aus Armu.h nicht leistungsfähig sind und ohne Hilfe dastehen, während die Alliancc-Schu'e, wie die Einnahme aufzeigft zu Sch'euderpreisen sür christliche Exporteure und Missionsanstalten arbeitet und dadurch ihre Glaubensgenossen schädigt, daß die Christen silbst darüber lachen. Auch existirt kein jüdischcr Ausstellungsbazar, wo die Fremden zur Zeit der Reise kaufen könnten. In Folge dieser oben geschilderten Thatsachen, auf Hilfe wartend, sitze ich in der Holzbude, im Sommer vor Hitze verschmachtend, im Winter vor Kälte erstarrend, mein L den kärglich durch Verkauf von einigen Cigarren, Zündhölzchen und einigen Stückchen O.iv« holzwaaren fristend, von meinen Glaubensgenossen irn Srich getcssen. Ich beabsichtige eine Schrift über das heilige Land, seine verschiedenen Bewohner, deren Anstalten und 11 rternehmungen, speziell über Jerusalem und die jüdische Bevölkerung auf Grund 43jähriger Beobachrung. nebst Abbildungen der historischen Orte, hrrauszugeben, und bitte ein verehr'. Publikum, mein Unternehmen durch Abnahme von Olivenhoizwaaren auS Jerusalem wohlwollend unrerstützen zu wollen. Hochachtend Haine Tischlermeister aus Jerusalem, vor dem Iaffathor. Frankfurt a. M., HolMde» Neve Kaiserstraße Hanpibahnhof. soeben erschien in unserem Verlage: Gedenk-Blätter an Selig Goldschrrridk TT Sonder-Abdruck der über das Hinscheidm und d>e Leichenfeier >m »Israelit" erschienenen Artikel mit eleg zweifarbigem Titelblatt. Preis M. 0.60 pfg. gegen Einsendung von 0.63 pfg. franco. Aranstfurt a. A. & Mainz. 3. KlwffMNN. 3ol). Wirth'siye AsdUlhüllllNktti A.-G. Zn me:n em Haushattungs-u. Hanüardeilspenstonarr. welches sich in schönster und gesundester Lage befindet, werden zu jeder Zeit junge Madcheu ausgenommen. Gründliche Ausbildung im Kochen, Backen, Gnmachen, Bügeln, Maschinennäheu, Zuschneiden und Anfertigen von Herren- und Damenwäsche, sowie in allen Handarbeiten. Anleitung in der Buchführung u. s w. Auch schulpflichtige Kinder finden liebevolle Aufnahme. Näheres durch Prospekte. — Nehme nur eine beschränkte Zahl junger Mädchen auf. 7594) Sibilla Levi, Rheinbach, Rheinprovinz.