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Der Israelit · 1896-02-27 · Heft 17 (27.2.1896) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 17 (27.2.1896)
Date
1896-02-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXVIF. Jahrgang. M 17, Der Israelit. Ein GenLrak-Hrgan für das orLhodore Iudenlßum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 27. Februar 5656 (1896). F» Eine MnvK abonnirt man bei allen Postanstalten sür den Monat März auf den „Israelit“. Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-Zeitvngsschalter des Wohnortes des Bestellers oder bei dem betreffenden Landbriefträger aufgegeben werden. Die Erpeürlron ües „Israelit". Leitender Artikel. DteIsrakMslye NetWnsseseWüsl ZSciltz. Mainz, 26. Febr. Das Prinzip der Religionsgesellschaften, nach welchem in Gemeinden, die neologen Tendenzen huldigen, sich gesetzestreue Minoritäten zusammenthun, um dem von den Vätern überlieferten, historischen Judenthume, das man gewöhnlich das orthodore nennt, wieder eine Heimstätte zu gründen, hat in Deutschland große Erfolge zu verzeichnen. 'Im Ausland hat dieses Prinzip — wenn wir von den eigenartigen Verhältnissen in Ungarn absehen —^soweit unsere Kunde reicht zum erstenmal in Zürich seine praktische Verwirklichung gefunden. Die Verbältnisse und Umstände, unter welchen sich diese Verwirklichung dort vollzog, sind zum Theil so eigentümlich und so grundverschieden von den Kämpfen und Krisen, unter welchen sich dieselben Bestrebungen in Deutschland geltend machten, daß eine gedrängte Darstellung dieser Zustände von hohem, allgemeinen Interesse ist. Es liegen uns mehrere Berichte, hierüber vor, die wir im Wesentlichen hier zum Worte kommen lassen wollen. Die religiösen Zustände der Züricher Reformgemeinde sind unseren gesch. Lesern aus früheren Berichten an dieser Stelle bekannt. Mitglieder des Vorstandes setzen sich im Leben öffentlich über die heiligsten Satzungen unseres Religionsgesetzes hinweg, dessen Aufrechterhaltung doch der einzige Zweck jedes jüdischen Gemeinwesens ist. Der Rabbiner entstammt einer Schule, deren erster Lehrer die Göttlichkeit der Thora leugnete. Die Synagoge hat durch ein K'rcheninstrument und durch einen religionsgesetzlich verbotenen gemischten Chor den jüdischen Charakter ihres Gottesdienstes eingebüßt. Der Religions-Unterricht der Jugend liegt so im Argen, daß diejenigen, w lche ihn ertheilen und beaufsichtigen sollen, selber seine Unzulänglichkeit öffentlich und offiziell anerkennen. Dasselbe gilt von der Beaufsichtigung des Koscherfleisch-Verkaufs.*) Bei diesen und einer Anzahl anderer Mängel und Auswüchse wird es jeder Unbefangene begreiflich finden, daß es innerhalb der Züricher Reformgemeinde auch Leute gibt, die mit diesen Zuständen nicht zufrieden sind. Dieselben haben zum Theil schon seit Jahren dagegen protestirt, wurden aber von der neologen Majorität immer und zwar mit Hohn abgewiesen. Es traten darauf sieben Herren, von welchen sechs Mitglieder der Reformgemeinde sind, zu einer Religionsgesellschaft zusammen und schufen für sich fast alle für ein jüdisches Gemeinwesen erforderlichen Institutionen. In ihr Grundstatut nahmen die Begründer dieser Religionsgesellschaft die Bestimmung auf, daß Leute, welche den Sabbat entweihen und die jüdischen Speisegesetze verletzen, von der Mitgliedschaft ausgeschlossen sind. Wie das Gros der/Zü- *) Derselbe steht zwar pro forma unter Aufsicht des Rabbiners, wie viel der Rabbiner ober selbst von seiner Aufsicht hält, wird durch folgende Thatsache illustrirt. Kürzlich arrangirte ein geselliger Verein ein Souper in einem nichtjüdsichen Hotel, das Ilers ch dazu wurde rwu eurem Metzger bezogen, der nicht der angeblichen Aufsicht desjjRabbinats unterstellt ist. Dieses hielt den Rabbiners aber nicht ab. es sich bei dieser Mahlzeit gut schmecken zu lassen!! — Die Glossen, welche der unter Aussicht des Rabbiners stehende Metzger zu diesem Vorgehen seines geistlichen Controlleurs gemacht haben soll, unterdrücken wir aus dem uns vorliegenden Bericht, weil sie zu drastisch sind.

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