Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 16 (24.2.1896)
- Date
- 1896-02-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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•-Sv’ .?^ ' »; - -<'^^ 831 der Unterrichtsverwaltung so direkt der Verfassung zuwiderlaufen, wie es hier der Fall ist. Berlin, 17. Februar. In einer Sitzung des Abgeordnetenhauses kam die Frage der Parität der Konfessionen bei Besetzung von Beamtenstellen wieder aufs Tapet. Der Abg. v. Eynern sagte: „Ich will keine Bevorzugung der Evangelischen, die Regierung soll ihre Beamten nach der Tüchtigkeit auswählen. Nach der Berufszählung von 1882 waren von den 65,000 höheren Beamten 77 pCt. evangelisch, ly,2 pCt. Katholiken und 3 p($t. Juden. Der Justizminister Schönstädt erwiederte hierauf: „Ich fühle mich frei von der Bevorzugung einer Konfession bei den Anstellungen, die meiner Bestimmung unterliegen, und meine bisherige Amtsführung bietet zu einer solchen Annahme durchaus keine Unterlage." Aus dem Oldenbrrrgifchen. Infolge des Ablebens unserer erlauchten Landesfürstin Elisabeth, sollte auf allerhöchsten Wunsch Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs am vergangenen Samstag ein Trauergottesdienst stattfinden. Derselbe wurde denn auch am festgesetzten Tage in allen Synagogen unserers Landes abgehalten. In verschiedenen Gemeinden hatte man mit dem Trauergottesdienste eine größere Feier verbunden. So unter anderen in Oldenburg, unter Mitwirkung des Jeveraner Synagogenchores, in Varel, Jever und DUmenhorst. Hier halten sich die Mitglieder der Gemeinde gegen l0 Uhr im Gotteshause versammelt, worauf dann nach einem vom Großherzoglichen Landesrabbinate aufgestellten Programme die erhebende Feier von statten ging. Schon während der Krankheit unserer verblichenen Landesmutter wurde in allen Synagogen unseres Landes wöchentlich ein Bittgebet gesprochen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, im Februar. Bei seiner gelegentlichen Anwesenheit dahier hielt auf Einladung des Vorstandes der „Schiffschul", Herr Oberrabbiner S a l o m. Schreiber i"^j, aus Beregßaß (Ungarn), der bekanntlich der jüngste Sohn des ~6id ana ist, im obengenannten Bethause eine anderthalbstündige, großartigen«»^, die sowohl in Bezug auf scharffinnige 'nnyor als mjN formvollendet war. Die zahlreichen Zuhörer lauschten den von Glaubenseifer und wahrhafter ixt getragenen homiletischen Ausführungen des ehrwürdigen Redners mit gespanntester Aufmerksamkeit, welche auch durch die belebende Wärme seiner iv'v die den realen Verhältnissen und Zuständen angepaßt waren, einen tiefen und hoffentlich nachhaltigen Einfluß ausübten. Der Vorstand überreichte als Zeichen der Anerkennung und Hochachtung zum Andenken einen prächtigen silbernen Pokal mit entsprechender eingravirter Widmung, nebst einem sinnigen und warmgehaltenen Schreiben, worin er abermals den rückhaltslosen Beifall und allseitigen Dank der Zuhörer ausdrückte. Eperies (Ungarn), im Febr. Mit der im Monate Dezember v. I. erfolgten feierlichen Jnstallirung des bisherigen orth. Rabbiners von Tyrnau, Herrn Siegmund Fürst, Schwiegersohn des Eifenftädter hochw. Bezirksrabbiner's Kutna, zum Oberrabbiner unserer Gemeinde, ist ein neues, frisch pulsirendes Leben in unsere Gemeinde gekommen. Jeder Einzelne fühlt sich gehoben, gekräftigt und zu verdoppelter Thatkraft im Interesse unserer heil. Religion, angespornt durch die Initiative des für solche Bestrebungen bekanntlich von jeher reges Interesse und aufopfernde unermüdliche Thatkraft, energischen Willenseifer bekundendenHerrn Oberrabbiner. Sowurde u. A. auch schon der Bau einer neuen, den Anforderungen der Zeit und der sich von Tag zu Tag erfreulicherweise vergrößernden Gemeinde entsprechenden Synagoge beschlossen; das jetzige Bethaus vermag unmöglich die große Zahl der Andächtigen zu fassen. — Insbesondere hat sich die Gemeinde um die Förderung des Thora-Lernens durch reiche, ausgiebige Unterstützung der in ziemlich großer Anzahl unter der Aegide unseres geliebten OberrabbinerS stehenden Talmudjünger verdient gemacht; an zweihundert Gemeinvemitglieder leisten monatliche Beiträge. Unter den Bachurim selbst hat sich auf Anregung des Sohnes des H. Rabbiners sowohl ein Megidaßals auch ein Charifuß-Verein gebildet, dessen lobenswerter Zweck es ist, allsabbatlich durch einen der Mitglieder einen Halacha- und Agada-Vortrag hallen zu lassen. — Die Gemeinde trägt ferner neben den Kosten der Elementarschule diejenigen einer, von nahezu hundert Kindern frequentirten Talmud - Thoraschule, welche unter der Leitung verdienstvoller Lehrer außerordentlich befriedigende Resultate aufweist. — Vor zwei Wochen veranstaltete die über 120 Mitglieder zählende Schaß-Chewrah (d"«m man) zu Ehren des neugewählten Oberrabbiners eine msD bv irryo, die, gewürzt von scharfsinnigen nun nai und geistreichen humoristischen Vorträgen bis spät in die Nacht hinein währte. Amerika. New - Uork. Eine Karrikatur missionarischer Bestrebungen ist die Judenbekehrung im Herzen dieser Stadt. Man stellt Renegaten als Lockvögel an, und verwendet unlautere Mittel, meistens das unlauterste Geld, um das Schäflein in die Heerde zu locken. Der Jüdische Jargon wird benützt und altjüdische Gebete mit kaum merkbaren, aber dennoch wesentlichen Zusätzen „bereichert". In Spanien hießen die scheinbekehrten Juden „Marannen", bitfe sahen aber zu ihrem Schaden ein, daß ihre Scheinbekehrung sie nicht vor der blutigsten Verfolgung schirmte, denn