Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 16 (24.2.1896)
- Date
- 1896-02-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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327 Feuilleton. Per Letzte feines Stammes Erzählung van Alphonfe de in Haye. I ») (Alle Rechte Vorbehalten.) „Sie sind im Jrrthnm, Herr Bloser," sagte Elchonon und ein tiefer Seufzer rang sich aus seiner Brust. „Diesesmal beging ich Ihre vermeintliche Dhorheit nicht. Meine Gedanken waren jenem Problem, von welcher die Preisaufgabe spricht, sehr fern." „Und das sagen Sie Unglücksmensch mit einem solchen hoffnungslosen betrübten Gesichte!?" rief Bloser mit erkünstelter Empörung aus. „Bei den (Göttern des Otvmps, ich gratulire zu dieser Besserung! Doch sagen Sie Freund Pelonse, welcher Kummer drückte Sie sonst? Hat irgend eine Venus deil Spitzbuben, den kleinen Amor veranlaßt seine Pfeile nach Ihnen abzudrücken? Dder drücken Sic Geldschulden? Na so nehmen Sie Droit ltub Belehrung von mir an. Ich verliebe nlich jeden Dag tu eine andere Kellnerin, aber das Bier, welches ich von ihnen pumpe, schmeckt mir doch. Plein Bierdurst und meine sonstigen Bedürfnisse stehen init dem Monatswechsel, den mir mein Alter mit einer Moralpredigt jeden prim«» übersendet, auf sehr gespanntem Fuße; aber deßhalb lass' ich mir kein graues Haar wachsen. Ich trinke, genieße und pumpe einfach weiter und gebe bcu Schneidern und Schustern, Cigarrenhändlern und Waschfrauen ans dein Wege." „Und so soll ich es ebenfalls machen?" ries Elchonon voller Empörung über den gehörten Cvnisnuls arrs. „Hören Sie mal, Herr Bloser, Ihre wüste Lebensweise eignet sich für einen gewöhnlich chrlichdenkenden Menschen nicht, für den Sohn eines Rabbiners ganz gewiß nicht. Ihr Vater wird keine Reichthümer besitzen, daß sein Sohn das sauer ersparte Geld so gedankenlos verschleudern darf." „Hä! hä!" lachte Bloser. „Sie sind noch ein ganz harmloser Junge, dem man die sechs Seinester, die Sie zählen, nicht gerne geben möchte. Sie verdienen wahrhaft den Namen Rabbi Elchonon, wie Sie die Studenten unseres Glaubens scherzweise nennen. Doch Spaß beiseite! Sagen Sie, ist es wirklich wahr, was man sich hier von Ihnen erzählt?" „Und das wäre?" „Man sagt, daß Sie blos koscher essen und daß Sie sich am Samstag aus der Klinik drücken, wenn Sie practiciren sollen. Ist es wahr?" „Und warum soll es nicht wahr sein, Bloser, Sobn des Rabbi Bloser?" „Weil Sie dann mindestens hundert Fahre zu spät die Welt mit Ihrer Gegenwart beglückt haben," lachte Bloser hohnvoll aus. „So, so," entgegnete Pelouse mit unwilligen! Achselzucken und die Zornesader an feiner Stirn schwoll gewaltig. „Und die Schulden bei den Schneidern und Waschfrauen k. ift das zeitgemäß? Nicht wahr, Herr Bloser?" „Beim Jupiter, ganz gewiß nicht?" brach Bloser in ein weithin schallendes Gelächter aus; „die verdammten Philister kommen inuner zur Unzeit, wenn ich noch im Bette liege. Doch halt! — durch unsere Wcltbetrachtung vergesse ich den eigentlichen Zweck meiner Unterredung. Ich habe bei meinem Alten vorige Woche einen mm Gcneralpump machen müssen, und weit man bei solchen Gelegenheiten es gerne vermeidet, gleich mit der Dhüre ins Haus zu fallen, so schrieb ich meinem Vater unter anderem auch von meiner Bekanntschaft mit Ihnen. Und eigenthümlich! Mein Vater schien über Ihre Eristenz sogar die gewohnte Moralpredigt, die bei solchen Veranlassungen in Schwung zu kommen pflegen, vergessen zu haben. Ist es nicht sonderbar? Können Sie mir vielleicht Aufklärung geben, daß ich das Verhalten meines Alten zu motivircn im Stande bin?" Während er so sprach, zog er aus seiner Tasche ein Cigarrenetui, entnahm derselben eine Cigarre und wollte sie in Brand fetzen. „Bitte, Herr Bloser," versetzte Clchonon hastig, „unterlassen Sie das Rauchen in meiner Gegenwart. Schänden und entweihen Sie die Heiligkeit des Sabbat's, wo Sie wollen, ich aber will kein Zeuge Ihres Frevels sein!" „Das ist aber intolerant, Pelouse!" „Nennen Sie es, wie es Ihnen beliebt; aber von Ihnen ist es eine ganz gemeine Frechheit!" „t>, das ist ja eine Beleidigung! Nehmen Sie das Wort zurück?" „Nein, niemals!" „So werde ich Ihnen meinen Kartellträger schicken!" „Thun Sie, was Sie nicht lassen können," gab Pelouse mit vor Zorn blitzenden Augen zurück. „Aber ich behalte es mir vor, ihn mit dem Bemerken zurückznschicken, daß selbst wenn es nicht gegen mein Prinzip gewesen wäre, eine zngefügte Beleidigung in dieser 'Weise zu schlichten, ich es dennoch unterlassen würde, mit einem Manne von Ihrer Gesinnung, mich zu schlagen, weil ich Sie für nicht satisfaktionsfähig halte." „Cine solche Beleidigung beantworte ich in der Regel mit einer Ohrfeige, mein Junge!" „Aber nickt da, wenn Ihnen Ihre Knocken lieb sind!" Ein junger Mann von schlankem Wüchse und angenehmen Gesichtszügen hielt plötzlich den erhobenen Arm Bloser's wie mit eisernen Schrauben umklammert. Er stand schon eine Weile da und lauschte mit angehaltenem Athem dem heftigen Wortwechsel der