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Der Israelit · 1896-02-20 · Heft 15 (20.2.1896) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 15 (20.2.1896)
Date
1896-02-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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"*X-_*\ *’,T?gv*e!r?v 303 Gespannt blickte die Gräfin ans die Thüre, in deren Rahmen ein alter, ehrwürdiger Mann in tadelloser, schwarzer Kleidung erschien, während Martha ihr schreckensbleiches Gesicht dem Fenster zuwandte. „Eh bien. Brion, welcbe Neuigkeit bringen Sie uns?" „Nichts von besonderer'Wichtigkeit, gnädige Comtefse!" erwiederte Brion mit tiefer Berbengnng. „Meiner Bemühung gelang es bisher blos zu ermitteln, daß ein Studiosus der Medizin, Elchonon Pclousc, 2 t Jahre alt, masaischen Glaubens, sich an hiesiger Universität aufhält. Er ist in St . . . geboren, Adoptivsohn des verstorbenen Ephraim Neichenbach in N . . . Provinz Posen, wo er auch seine Gvmnasialausbildung genossen. Seine Adoptiveltern ließen ihn vollständig mittellos zurück, denn er ist auf Stipendien imb Ertheilung von Unterrichtsstunden angewiesen, um sein Leben zu fristen. Sonst wird er als bescheiden, fleißig erwähnt; seiner Begabung wird eine große Zukunft prophezeit." „Ein Pelouse Stipendien!" schrie die Gräfin entsetzt. „Oll inon Dien! daß ich so was erleben muß. Und hast Du nicht Näheres über seinen Umgang erfabreu?" „'Nein, gnädige Comtesse, hierüber habe ich nicht viel ermitteln können. Es heißt, er sei sehr fleißig, mache wenig Besuche und empfange gar keine. Soll ich noch mehr zu erfahren suchen"" „Natürlich, guter Brion! Aber vorsichtig, denn Borsicht ist hier geboten, damit Dr. Blum von unserem Borhaben Nichts erfährt. Du kannst auch den Pater Pierre aus dem grauen Kloster ersuchen, daß er mich Morgen mit seinem Besuche beehre: nn veviv. Brion!" Brion verneigte sich respeetvoll und verließ die zwei Damen; auch wir, lieber Leser, wenden uns einem andern Bilde zu. 21. Kapitel. Ein würdiger Sohn. Am Samstag, drei Dage nach den beschriebenen Borgängen hat endlich der Frühling feine Herrschaft angetreten. Sommerhell und wolkenlos war der Himmel; die Erde schmückte sich überall mit Blumen uitb Grün. Die Luft war so lau, so weich und trug die Düfte zahlloser Blumen und Blüthen in mächtigen Wellen daher. Die Vögel fangen in jubelndem (Shore; überall war Freunde unb Wonne — nur in der Brust jenes jungen Mannes, der auf einer Bank im Parke saß, schien die Freude keinen Raum gefunden zu haben. Seine seelenvollen, tiefblauen Augen blickten täumerisch in das Gewühl der promenirenden Menge, ohne jedoch von den Borübergehenden eine Notiz zu nehmen. Ein wehmüthiger, tiefer Ernst leuchtete ans seinen feinen, durchgeistigten Zügen und die tiefe Falte auf seiner weißen Stirn spricht von unsäglichem Weh, von großem Seelenschmerze, aber muh von muthigem Weiterringen und energischer Ausdauer. Er fuhr mit feiner schmalen, weißen Hand über die Stirn und ein Zug des Unwillens umkräuselte seine Lippen. „Ich sollte ulich eigentlich bestreben, so wenig als möglich allein mit ineinen trüben Gedanken zu sein; denn ohne es zu wollen, schleichen sich die Sorgen mit ihrer martervollen Frage: Was? wo? woher?, in mein Denken ein. Ach, ein schwächliches Ding ist doch der Mensch! Vergeblich ist doch sein Ringen nach Vollkommenheit; selbst das Bischen Gottcsvertrauen will ihm nicht immer gelingen. Sei stark Elchonon! 'Weg mit den Sorgen, die das Leben zu einer gualvollen Marter gestalten. Der Höchste, der über den Sternen thront und dessen ewigen Gesetzen die größten, wie unbedeutendsten Wesen im Naturreiche sich willig unterordnen, weil sie seine unendliche Güte empfinden, wird auch mich nicht verlaßen. Auf Deine Hilfe vertrau ich, o Gott! Drum weg mit der Sorge, die eine nutzlose Last ist; fort mit dem Kummer, der die Seele trübt, das klare Denken hindert! Ich will den Sabbat froh mtb beiter verbringen, wie die Gesetze meiner Religion es vorschreiben. Sabbat! — Welch' herrlicher Klang liegt in diesem einen Worte für den Juden, der sich nach Ruhe und Erholung sehnt! — Bor seinem harmonischen Klang löst sich der Schmerz unserer Seele und Engel des Friedens und der Versöhnung ziehen in die Israelitenbrust ein. Drum —-" „Mablzeit. Freund Pelouse!" unterbrach sein Selbstgespräch eine tiefe Baßstimme, der man cs anhörte, daß der übermäßige Genuß des Gerstensafts diesen tiefen Klang bewirkte. Elchonon wandte sich hastig lim, vor ihn: stand ein Student, der die Couleur der Burschenschaft Alsatia trug. Die aus rothem Tuche mit Gold- und Silberstreifen verbrämte Kappe, saß keck auf den braunen Locken, lieber sein Gesicht zogen sich mehrere Narben, die den obnebin häßlich verzerrten Zügen, das Aussehen eines Raufboldes verliehen. „Na wie geht's Freund Pelouse?" fuhr er vertraulich fort. „Warum so nachdenklich? Sie brüten wobt abermals über ein Problem in der Phvsiologie nach? Wollen Sie die von der medizinischen Fakultät gestellte Preisaufgabe lösen? Ach, wie hasse ich Euch Streber!" „Ihren Haß finde ich ganz natürlich Herr Bloser," gab Elchonon mit feinem, sinnigen Lächeln zurück. „Schon die Lehrer des Talmuds finden den Haß der Unwissenden gegen die Wißbegierigen, die sogenannten Streber, ganz naturgemäß. Trösten Sie sich übrigens, diese Ihnen so unausstehlichen Streber werden wohl

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