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Der Israelit · 1896-02-17 · Heft 14 (17.2.1896) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 14 (17.2.1896)
Date
1896-02-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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291 der christlich-sozialen Partei, den dieselbe als einen ihrer Besten zu schätzen allen Grund hat", lobpreist. Die Erklärung schließt mit folgendem Satze: „Geradezu unvernünftig, ja lächerlich finde ich es, wenn man mir als Rassenantisemiten den Borwurf macht, den Mann znm Bertheidiger gewählt zu haben; man kann Rassenantisemit sein, ohne auf denk zwar radikalen, aber recht talmudischen Standpunkt der Rasse zu stehen." Also man kann Rassenantisemit sein, meint Herr Dr. Deckert und diesen Rassenzustand erklärt er dann für einen „echt talmudischen." Demnach wäre es also eine Art Verjudung des Antisemitismus, wenn man sich gegenüber den Juden auf den Standpuukt der Rasse stellt? T ü r k e i. (tt) Salonichi, 4. Februar. Gleich nach denr vor fünf Jahren vorgefallenen großen Brande, durch den mehrere hundert Wohnhäuser uitb auch einige Synagogen in Asche gelegt wurden, ward bekanntlich hier, Dank der vielen Spenden, die damals hier erntiefen, zu denen auch der „Israelit" durch seine eifrigen Sammlungen sein Scherslein beigetragen, ein Armer zu dem Judenviertel hinzrrgefügt, der aus einigen hundert ebenerdigen Häuschen, die ausschließlich als Armenwohnungeu dienen, besteht. Um nun den Kindern dieser Armen bcu nöthigen Schulunterricht zu Dheil werden lassen 311 können, wurden jetzt in diesen: Ärmere zwei neue Dalmud-Thoraschulen eröffnet, die, Dank der Freigebigkeit des Barons M 0 r i tz Hi r s ch, mit allen nöthigen Unterrichts-Hilfsmitteln ausgestattet sind. Der Schüterzudrang zu diesen neiren Schulen war ein enormer, doch konnten Alle, die sich zur Aufnahme ureldeten, gehörig nntergcbracht werden. > Wersonalien. Wien, 10. Febr. Das gestern stattgehabtc Leichenbegängniß des so früh dahingeschiedenen (belehrten Professors Rudolf Benedikt gestaltete sich zu einer ergreifenden Kundgebung seiner Freunde und Schüler, die in großer Zahl dem Sarge folgten. 3luf dem Eentral-Friedhofe hielt zunächst Ober-Rabbiner Dr. Güdemann eine kurze, würdige 'Ansprache, worauf am offenen Grabe Rector Kick das Wort nahm. Er führte aus, Professor Benedikt habe seinen Platz im Leben als Gelehrter, als Lehrer und als Mensch ganz und voll ausgefüllt. Er habe mit hingebender Pflichttreue Hunderte von Hörern in das Gebiet chemischen Könnens, in die analntifche Chemie eingeführt, er habe sich selbst als hervorragender Analytiker und Forscher erwiesen, und seine Arbeiten feien von maßgebender Bedeutung derart, daß sein Name weit über Oesterreichs Grenzen hochgeachtet sei und stets ehrenvoll in der Entwicklungsgeschichte der Chemie genannt werden wird. Die Hochschule werde des Berblichencn stets in Verehrung gedenken. Mit bewegten Worten feierte der erste Assistent des Verstorbenen, Dr. Hans Mever, die Lehrthätigkeit Benedikt's. „Der uns so jäh verließ", sagte er unter Anderm, „schien dazu berufen, noch lange Zeit der suchenden Jugend den dornenvollen Pfad zur Erkenntniß zu ebnen, ihr die Bahn zu den höchsten Zielen der Menschheit zu weisen. Die Saat, die du in unsere jungen Herzen gepflanzt hast, wird aufgehen, und dein Vermächtnis ist für uns die schöne Pflicht, das Evangelium deiner freien, ehrlichen, pflichtgetreuen Forschung den Jüngern zu verkünden." Zum Schlüsse widmete ein Schüler Benedikt's, der Hörer des vierten Jahrganges v. Demal, dem Verblichenen einen warmen Nachruf. „Wir Alle, seine Schüler", sagte er, „liebten ihn, wir Alle suchten bei ihm Rath und Belehrung. Professor Benedikt war ein echter Studentenfreund, ein Mann, der die Wünsche und Bedürfnisse der Studentenschaft zu beurtheilen und zu würdigen wußte. Nun ist dieser Mann dahin, und wir stehen weinend an diesem Grabe. Der <--ame, den du gesät hast, ist auf einen fruchtbaren Boden gefallen. Du, der du geistiges Wissen mit praktischer THatkraft verbandest, du wirst uns jederzeit als rechtes und wahres Vorbild leuchten. Dein Geist lebt in uns Allen, er lebt in deiner Schule. Schlafe süß den ewigen Schlaf und möge dir die Erde leicht sein; deine dankbaren Schüler treten dein geistiges Erbe an und gedenken stets deiner mit einem herzlichen Fiducit!“ Vermischtes. Spandau, 8. Febr. Der als konservativ-antisemitischer Agitator bekannte Mechaniker Bluhm, der lange Jahre im kgl. Feuerwerks-Laboratorium beschäftigt war, und dessen Verschwinden jüngst im „Reichsanzeiger" mitgetheilt wurde, batte sich, da man inzwischen seiner habhaft geworden ist, vor dem hiesigen Schöffengericht wegen Unterschlagung zu verantworten. Er hatte gegen 600 M. veruntreut, die er, als Vertrauensmann seiner Arbeitskollegen, für Kohlenlieferungen an sie vereinnahmt, aber für sich verbraucht hatte. Seine mißliche wirthschaftliche Lage erklärte er damit, daß er anführte, die Agitation für den konservativen Reichs- und Landtagsabgcordnctcn Pastor Schall zu Kladow bei Spandau habe ihn sehr viel Geld gekostet. Bluhm wurde. zu 3 Monaten Gesängniß verurtheilt. Die Angabe über die Ursache seiner Geldverlegenheit beruht aus Wahrheit. Bluhm war ein sehr eifriger Agitator für konservative und antisemitische Zwecke. Während der Wahl reiste er, obwohl er Arbeiter einer kgl. Fabrik war, im Wahlkreise umher und trat in Versammlungen als Redner für Schall auf. Er spielte viele Jahre eine große Rolle unter den Konservativen des hiesigen Wahlkreises und war auch eine Zeit lang Stadtverordneter. Er hat nicht nur sein Geld dabei geopfert, sondern auch seine Arbeit vernachlässigt. Diejenigen, für die er so lebhaft eingetreten war, haben ihm in der Roth nicht geholfen. Flensburg, im Februar. Ein unmenschliches Verfahren beschäftigte dieser Tage das Flensburger Seeamt, ein See-Verbrecken, wie der Reichscommissar zutreffend sagte, dem folgende Thatsache zu Grunde liegt. Am 3. Januar ging der Flensburger Dampfer „Hermann" von Liebau nach Hüll in See. Derselbe hatte außer einer Ladung Stückgüter 80 bis 90 russische Auswanderer an Bord, darunter 17 Kinder, die auf engem Raume untergebracht waren. Für diese waren 1000 Pfund Brod, ein Faß Heringe und Kartoffeln als Proviant mitgenommen. Der russische Agent Herma zahlte als Ueberfahrtskosten für diese Leute 900 Mk. Außerdem waren mit Vorwissen des ersten Steuermannes 25 jüdische Auswanderer, die keinen Paß hatten, heimlich an Bord geschafft und theils hinten im Pickback, theils unter dem Volkslogis so verstaut, daß die russische Gensdarmerie sie bei der Revision nicht entdeckte; denn der erste Steuermann hatte eine Wache hingestellt, daß die Leute sich ruhig

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