Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 14 (17.2.1896)
- Date
- 1896-02-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXVII. Jahrgang. gtilnp M M 14 des „Israelit“. Seitenfcer Artikel Zur UMinersrage in Gullsien. Lemberg, im Februar. Die Ausführungen des Artikels „Die Rabbiner - frage in Galizien" in den Nummern 1 und 2 des „Israelit" haben hierzulande in den jüdischen Kreisen lebhafte Befriedigung hervorgerufen. Die vom Geiste des wahren, unverfälschten Judenthums diktirten Worte sind ein Echo all jener Befürchtungen und Wünsche, die seit einigen Jahren die Herzen aller treugesinnten Juden in Galizien erfüllen. In den Kreisen eines weitüberwiegenden Theiles der Juden Galiziens, welches Land Jahrhunderte lang der Sitz jüdischer Gelehrsamkeit und Frömmigkeit war, herrscht Gottlob in religiösen Dingen noch lange nicht jener eiskalte Jndifferentismus, der leider in anderen Ländern unsere Glaubensgenossen ergriffen hat; in Galizien gehören echt jüdische Frömmigkeit und Gelehrsamkeit noch heute nicht zu den Seltenheiten, der galizische Jude hält noch meistentheils treu zur angestammten Religion, für die seine Väter gelitten und gestritten haben. Hierzulande ist die Rabbiner- Institution noch lange nicht so tief gesunken, daß der Rabbiner nur dazu da wäre, um Leichenreden zu halten, Trauungen vorzunehmen, bei öffentlichen Empfängen zu paradiren und d. g. l.; der treugesinnte Jude Galiziens stellt an seine Rabbiner g^nz andere Anforderungen, er verlangt von ihnen völlige Unabhängigkeit nach allen Seiten hin, damit sie ihres heiligen Berufes nach bestem Wissen und Gewissen, ohne jede Einmengung hiezu unberufener Elemente, mit Nachdruck walten können; er fordert von ihnen tiefes talmudisches Wissen, umfassende Kenntniß des rabbinischen Schriftthums, um in allen religiösen Fragen Bescheid geben zu können, so wie unentwegte Frömmigkeit, damit sie oen Gemeindemitgliedern als Leuchte dienen, ihnen die Wege zeigen, auf denen sie wandeln sollen, um Gnade zu finden in den Augen von Gott und Menschen. In Galizien herrschte seit jeher zwischen Rabbiner und Gemeinde ein patriarchalisches Verhältnis und das Vertrauen der Gemeindemitglieder zu ihrem Rabbiner war stets unerschütterlich. Bangen erfüllt darum die Herzen aller treugesinnten Juden, wenn sie sehen, wie durch manche Bestimmungen des von der Regierung vorgelegten Muster-Statuts dem wahren Judenthume in gewisser Beziehung geradezu der Lebensweg unterbunden wird, indem durch dieselben der Rabb. zum willenlosen Werkzeuge des jeweiligen Kultusrathes, welcher meistentheils aus sog. Fortschrittlern zusammengesetzt ist, herabgewürdigt wird. Leider haben wir in Galizien, beziehungsweise Oesterreich, kein einziges Blatt in den Landessprachen, welches die Interessen des wahren Judenthums vertritt und so blieben die Wünsche und Forderungen der gesetzestreuen Juden der Oeffentlichkeit unbekannt. Dem „Israelit" war es Vorbehalten, diesen wunden Pnnkt zu berühren und die Rabbiner-Frage in Galizien in richtigem Lichte erscheinen zu lasten. Allein bei aller Anerkennung, die jeder glaubenstreue Jude dem geehrter« Herrn Artikelschreiber aus Krakau, für besten warmen Worte zollen muß, können wir nicht umhin, ihn hiermit auf einen Jrrthum aufmerksam zu machen, der ihm in seinem Artikel unterlaufen ist. Er stellt nämlich am Schluffe feines Artikels die Behauptung aus, daß Niemand in Galizien Protest gegen die oben besprochenen Bestimmungen des Musterstatuts erhoben hat und schließt mit dem Wunsche: „Möchten sich doch weise Männer unter uns finden, die den rechten Pfad zur rechten Zeit finden." Es wäre in der Thal sehr traurig, wenn die gesetzestreuen Juden Galiziens ruhig zusehen sollten, wie die Rabbiner-Institution, eines ihrer heiligsten Güter, dem das Judenthum geradezu seine Erhaltung und Fortbestand während der Jabrhunderte der Verfolgungen und Unterdrückungen zu verdanken hat, wie diese heilige Institution im gewissen Sinne profanirt, wie der Rabbiner, der wahre Repräsentant des echten Judenthums, zu einem untergeordneten Kultusbeamten degradirt wird. Zum Glücke aber, ist dem nicht so; so tief s nd wir noch nicht gesunken. Der Correspondent aus Krakau scheint es nicht gewußt, oder gar mit Absicht verschwiegen zu haben, daß sich schon längst ein weiser Mann gefunden hat, welcher den rechten Pfad zur rechten Zeit erkannte. Es ist dies Seine Ehrw. Herr Jg. L. Schreiber X’D'to in Drohobpcz, Präsident des Vereins „Machsike Hadas." Herr Schreiber, der in den Fußtapfen seiner großen Ahnen, des ^»xn -id*d orn, ibid sro wandelt und als Präsident des obengenannten Vereins besonders hierzu berufen, hat sich zur Aufgabe gestellt, alles für das gesetzestreue Judenthum zu retten, was nur zu retten möglich ist und waren seine Bemühungen vielfach auch vom besten Erfolge gekrönt. Mit rühmenswerther Aufopferung und unermüdlichem Eifer wirkt er seit einer Reihe von Jahren, da die Rabbiner- und Gemeindefrage in Galizien in Fluß gebracht wurde, dahin, diejenigen Bestimmungen des Gesetzes, betreffend die Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Kultusgemeinden in Oesterreich, welche geeignet waren tief in das religiöse Leben der Juden einzuschneiden, zu mildern und mit Gottes Hilfe ge-