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Der Israelit · 1896-02-17 · Heft 14 (17.2.1896) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 14 (17.2.1896)
Date
1896-02-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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287 i ihr elassisch-schönes, liebreizetldcs Gesichtchcn der alten Dame zuwandte. „Ich fiubc blos die Art der deutschen l Verbindungsstudenteu wunderlich, ja lächerlich. Denke,! bei solchem kalten, unfreundlichen Wetter, wie es heute ist — ich glaube 3 Grad unter dem (Gefrierpunkt — finden es die Herren interessant, in der I leichten Kleiduiig ihrer Verbindung Arut in Arul! promenirenden Schrittes drtrch die Strafen zu ziehen! und Jedem, der ob des 'Vöetters eiligst seines Weges geht, anzurempeln; mib das Aileo lvahrscheiillick, weil der Kalender schon Frühliilgssreuden verspricht rliid sich als falscher Prophet er,niesen l Ist es nicht komische Das sollen nun diese Herreil hier nrnnm; il laut ileuueu." „Dil vergißt, hui chöre," erwiederte die Alte - '.licht ohne Nachdruck, währeild sie sich voll ihrem Sitze erhob uitb cm das heilster trat, „das; ich einem! solchen Verbiuduilgsstudentell die Spur verdallke, die - ich seit ueuuzehu fahren vergeblich gesucht hatte, uitb j lvelche ich buvcf) seinen Hinweis nunmehr verfolgen : werde!" j „Aber, liebe Dante! Mit meiner Bemerkung habe ich nicht uit Entferntesten an Studiosus Bloser gedarbt, obgleich ich mir auch in solchem Falle kein (Gewissen daraus geuiacht haben würde. Offen gestanden, der Fnhalt seines Brieses mag für Dich von unschätzbarem Werthe sein, ich vermag ihn; t'ciucu (Geschmack abzugewillnell! Ja, ich finde sein Betragen, seinem Glauben, fctiicm Vater gegenüber pietätlos, empörend und vertverslich! Er nrag selber über seine Neligion dellken, wie er will, ihm steht aber keineslvegs das Neckt zil, Andere, die ihre religiöse Aufgabe ernst ausfassetl uub diese treulich zu erfüllen r suchen, deshalb zu verhöhnen. Ganz gewiß burftc er es in jeilem Briese nickt thun, der an feinen Vater gerichtet war, nnb welcher Geistlicher dieser voll ihm verböhnteil Religioil ist. Daß der Gegenstand seines Hohlles uild Spottes zufällig beit Naulcil Pelouse trägt, der für Dich, liebe Dallte, bedeutungsvoll ist, wird jedenfalls ein Verdienst fein, welches mindestens sehr fraglich ist. Zuvörderst hatte er doch gar keine Ahnung, welckell Werth der gesetzestreile Jude, der den Namen Pelouse führt, für die bochwoblgeborene Eomtesse de la Pelvllse haben köliute. Ich bin überzeugt, daß wenn er nur annäbernb wüßte, welche ergiebige Geldgllelle dieser Name feinem geldgierigen Vater erschließeil werde, er würde diese für! sich zu erbeuten snchell, nnb sein Vater hätte das Nachsehen. Dallll ist es noch lange nicht erwiesen, daß Dll Dich auf der richtigen Fährte befindest. Fst cs denn ausgeschlossen, daß Pente Peloilse heißen können, ohne ein Nachkomme des zum Judeuthume übergetretenen Grafen Edmond zu fein 7 Und der Vor- ( uame Elchonon^ lvas will dieser bei seiner jübifebett j Spezialität bedeuten il Und endlich — so leid es mir . thut, gesagt uulß es seilt, um Dich vor weiteren Euttäuschllugen zil bewahren — hast Du nicht an die Möglichkeit gedacht, das; Rabbiner Bloser, um seine (Geldgier Zll befriedigen, seinem Sohne besohlen haben könnte, jenen fraglichem Brief zil schreibend Jhlu ist es ja bekanilt, das; Dil einer solchen Kunde willig die größteil Opfer bringst; da befahl der findige Vater seinem Sohlte Dir eine Ente aufzutischen, die ibur versprach, Deilrer Freigiebigkeit einige hundert Frallkcll zil elltlockeil. Die Universitätszeit seines leicktlebigeu Sohnes kostet ihn — wie er selbst einräumte — weit über seine Verhältnisse. Warum sollte er nicht zll einem Argument seine Zuflucht nehmen, das ihur sichern Erfolg verfpricht, die Schuldeit seines Sohnes zu deckend Doch ich will nicht vorgreisen. Ich will lvarten, welche 'Nachrichten Monsieur Brion uns bringt, demi ich glaube fest-!" „Halt ein, Unsinnige!" unterbrach die Eomtesse die Ailseiltaildersetzlllig Martba's. „Willst Du mich wahnsinnig machen? Weißt Du, welche Hoffnung Du mit Täncv kalten, grausamen Kritik mir zu zerstören versuchst'i D er Inhalt jenes Briefes birgt i ll s i ch Alle s, w a s in i r tl o ch d a s Lebe il t Heller n n b b eg e hr e nsw e rt h ul acht. Seit Jahren lebe ich blos dem Ideale den edlen Namen de la Pelallse vor Erlöschen zu schützen und richtete lueine gallze Halldtungsweise darnach ein. Vor 19 Fahren glaubte ick am Ziele meiner Wünsche zu sein, indem mir ein gütiges Geschick den Letzten meines Stammes obue Hiliderniß in meine Gewalt lieferte. Sein Vater war scholl vor Jahren gestorben und Judith, feine Mutter, eine hartnäckige gläubige Jüdin, starb ebenfalls, der Knabe blieb verwaist in meinem Schutze zurück. Ach, welche Wvllne durchrauschte mein Inneres! Wie wollte ich mich bestreben, Gaston, den Letzten meiiles Stanuues, ganz nach den Draditioncn der Pelousen, nach den Dugenden unserer Kirche zil erziehen, ibm mein ganzes Wollen uild Können zil weihen. Aber die Hartnäckigkeit seiner Mutter batte es anders beschlossen und noch im Dode slichte sie meine Pläne zu durchkreuzen; noch che sie bestattet wurde, entführte mir ihre treue Magd den Knaben. Vergeblich waren meille Bemülumgen ihn wieder auszufinden. Das Leben verlor jeglichen Reiz für mich. Der Gedanke auälte mich unablässig, daß die Neichthnmer nnb die Neliguien meiner glorreichen Abnell nach meinem Ableben in die Hände Fremder, namenloser Verwandten übergehen würden, ohne daß ick es zll hindern im Stande wäre; mit meinem Scheiden soll der Name de la Pelorlse, der Jahrbullderte biildurch mit Achtung und Ehrerbietung ausgesprochen wurde, an Klang nnb Bedeutung verlieren, die;Reichen des Anschein und historischen Ruhmes meiner Familie llicktssagend nnb bedeutungslos

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