Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 13 (13.2.1896)
- Date
- 1896-02-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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261 viel Noth ist durch dieselbe gelindert, wie viel Leid gemildert worden. Bekanntlich empfängt jeder hier wohnende Bedürftige aus dieser Stiftung wöchentlich den Betrag von 2 Gulden—3 Mk. 43 Pfg., fürwahr für eine dürftige Familie eine ganz schöne Unterstützung. Ebenso wird jedem Armen ein ansehnliches Quantum Holz und Kohlen geliefert. Daß es an Bewerbern hierfür nicht fehlt, kann man sich denken, und es sind daher die zur Verfügung stehenden Mittel, so reichlich dies.lben auch bemessen sind, stets vollauf in Anspruch genominen, sodaß neue Petenten nur dann Berücksichtigung finden können, wenn alte Stipendiaten abgehen. Nicht minder wohlthätig wirkt die Abtheilung für auswärtige Arme, welche nach Verfügung des großen Testators je auf Pesach und Rausch-ha-Schonoh 3 M. franko zugesandt erhalten. Eine einfache Anmeldung beim Vorstande der betreffenden Kultusgemeinde genügt, um der Wohlthat theilhaftig zu werden. Obschon es leider im deutschen Reiche (Elsaß-Lothringen ist seit 1871 in die Stiftung cingeschlossen) viele arme Juden giebt, sind immer noch genügend Mittel vorhanden, u>n allen Petenten gerecht zu werden. Dresden, 7. Febr. (Die Antisemiten unter sich). Die antisemitischen Conservativen und die conservativen Antisemiten in dem Hellen Sachsen plaudern jetzt aus Anlaß des Falles Schorlemer allerlei aus, was sonst nur unter den Brüdern geblieben ist. Es wird behauptet, daß die dem antisemitisch-conservativen Baron von Schorlemer zur Last gelegten Wechselfälschungen sich auf den Betrag von annähernd 80,000 Mark erstrecken. Wie sächsische Blätter melden, hat der conservative Landesverein Sachsens die Absicht gehabt, „zur Regelung der Verhältnisse" von Schorlemers einen Betrag von 20,000 Mark herzugeben, als es sich aber herausstellte, daß diese Summe auch nicht annähernd binreichte, die Gläubiger zu befriedigen, soll davon Abstand genominen sein. v. Schorlemer war früher Offizier eines sächsischen Reiterregiments, mußte aber wegen Wechselschwindeleien über Nacht seinen Abschied nehmen und nach Amerika flüchten, wo er abwechselnd als Droschkenkutscher, Dienstmann, Handwerker rc. sein Leben fristete. Da von einer Anzeige Abstand genommen war und seine Verwandten die sogenannten „gefährlichen Sachen" aus der Welt geschafft hatten, so konnte Schorlemer vor einigen Jahren „unbehelligt wieder in sein Vaterland zurückkehren." Er verheirathete sich mit einer angeblich steinreichen Wittwe und wurde von den sächsischen Conservativen mit offenen Armen empfangen, nachdem er gelobt hatte, gegen die Reformer, d. h. die „reinen Antisemiten", den Krieg bis aufs Messer zu führen. „Das hat er denn auch nach Kräften gethan, alle Mittel, die Niedertracht und Scrupellosigkeit nur erfinden kann,! hat er als cvnservativer Agitator gegen die Reformer angewendet und trägt die Hauptschuld an dem gehässigen Tone, der schließlich überhandnahm. Oe st er r.- Ungar. Monarchie. Wien, 1. Febr. Das antisemitische „Deutsche Volksblatt" tischt seinen Lesern folgendes Geschichtchen auf: Eine neue Gauner-Erfindung. Der jüdische Schwindel bringt seine Waare bereits schwer an den Mann, denn die ununterbrochenen Warnungsrufe haben doch bereits dem größten Thcile der Bevölkerung die Augen geöffnet. Die jüdische Gaunerei weiß aber immer noch Mittel und Wege zu finden, um „ä Geschäftche" zu machen und Vertrauensselige zu rupfen. So wird uns gegenwärtig von verschiedenen weiten folgendes Jud»,nstückchen erzählt: Ein mit Stoffen bandelnder Jude hütet sich das Geschäft allein zu machen, er nimmt sich einen armen Teufel von Christen auf und sucht nrit diesem seine Opfer heim. Beide gehen durch eine Straße, in der sie es in irgend einem Hause auf ein Opfer abgesehen haben. Sie treten ein, entschuldigen sich unzähligemal, daß sie stören und der Paradechrist bittet, ihm ein Centimetermaß zu leihen, da er für seinen Begleiter Stoff abmessen müsse. Man leiht ihm das Maß und es wird nun gemessen und heftig zwischen den Beiden um den Preis gehandelt, bis dem Juden die Waare seitens des Christen halb und halb unter Thränen und Jammern zugeichlagen wird. Der Jude gibt nun seinem Compagnon Muße, mit der Frau des Wohnungs-Inhabers zu verkehren. Er bietet ihr die Waare an, mit der heiligen Versicherung, daß es ihm fast sein Herz breche, die theure Waare, die er verkaufen müsse, dem verhaßten Juden an den Hals zu werfen. Wenn ihm die Frau denselben Preis mache, so solle sie den Stoff haben und nicht der Jude. Die Frau glaubt ein kleines Glück zu machen; da kein Geld im Hause ist, läuft sie herum, um die Summe womöglich auszuborgen. Sie bringt das Geld wirklich zusammen: der Paradechrist steckt es ein, Beide verschwinden eilig und die Frau befindet sich im Besitze der elendesten Schundmaare für theures Geld. Ein anderes Antisemilenblatt, die „Oesterr. Tageszeitung", schreibt nun, daß die Juden gar nicht so schlau seien, daß sie aber durch solche Geschichten den Weg gezeigt bekommen, wie sie es machen sollten. Das Volksblatt stifte mit seinen Geschichten, an denen kein wahres Wort, nur Unheil. Der Ansicht find wir allerdings auch!! Italien. Rom. Am 1. Februar wurde Mr. Joseph Sebag M o n t e f i o r e von dem König von Italien in Spezial-Audienz empfangen. Der neue Generalkonsul von Italien in London dankte namens der englischen Juden dem König für sein Wohlwollen gegen seine jüdischen Nnterthanen, worauf derselbe ihm bemerkte: „Haben wir nicht alle einen Gott?" Der König machte Montefiore das Compliment, daß seine Ernennung zum Generalkonsul alle Seiten befriedigt habe. _ Druckfehler-Berichtigung. Durch ein Versehen des Metteurs wurde an die! Correspondenz aus Rakel in einem Theil der Aus-