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Der Israelit · 1896-02-13 · Heft 13 (13.2.1896) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 13 (13.2.1896)
Date
1896-02-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXVH. Jahrgang. Erste öeilllge M M 13 -es „Israelit". Leitender Artikel. UMilier Dr. Mseph Gllggentzelmer TS?. M a in z, 12. Februar. Die erschütternde Trauerbotschaft von dem Ableben des Rabbiners von Kolm, die wir in jüngster Nr. nur in aller Kürze bringen konnten, wird überall, wohin sie in der glaubenstreuen jüdischen Diaspora gelangt, einen tiefen Schatten auf die Freude des Freudenmonats Adar werfen. Es ist einer der zeitgenössischen Großen in Israel heimgegangen, deren zähliges Häuflein einen jener Edlen verloren hat, für die es keinen Ersatz gibt. xVi H-ni by Vrorffc. Der Verblichene war zu Kriegshaber bei Augsburg im Jahre 1883 als einziges Kind des dortigen Rabbiners geboren. Der Knabe, der sich schon in früher Kindheit durch ungewöhnlichen Geist und ausdauernden Fleiß auszeichnete, besuchte die Schule in Augsburg und bezog so ungewöhnlich jung die Universität, daß er schon im Alter von 19 Jahren sein Doktor-Examen mit seltener Auszeichnung bestand. Im Alter von 2l Jahren trat er seine erste Rabbinerstelle in T eschen (Mähren) an, kam von dort nach Aussee (Mähren), später nach Stuhlweißenburg und dann nach Kol in, wo er nun im Alter von 63 Jahren seine reine Seele aushauchte. Er war der älteste Schwiegersohn von Rabbiner Samson Raphael Hirsch y's»i und hatte in der Tochter dieses Meisters in Israel, die heute mit ihren Kindern an der Bahre ihres edlen Gatten weint, eine treu bewährte Gefährtin für die schweren, heißen Kämpfe, die diesem nun ansgerungenen Leben so reichlich beschieden waren. Diese Kämpfe galten unseren heiligsten Anliegen, der ungeschmälerten , rückhaltlosen Anerkennung, Verwirklichung und Aufrechterhaltung von Thora und Mizwoth gegen die Anfechtung von neuerungssüchtigm Reformjuden. Diese Ziele waren es, für die er sein reiches Wissen, für die er sein Gut und Blut, für die er sein Familienleben und seine ganze Existenz, für die er alles woran sonst das Menschenherz hängt, jederzeit mit selbstloser Hingebung einsetzte. Und diese theuersten Güter gab er als etwas ganz selbstverständliches hin, nicht nur, wenn es sich um 'ip'p mn, um fundamentale Pcmcipien des Judenthu.us handelte, diesen Opfersinn bekundete er, wenn er irgend einen Minhag gefährdet sah, für dessen unverkümmerte Aufrechterhaltung er mit nicht geringerem Ernst, mit denr Gewicht seiner ganzen Persönlichkeit in die Bresche trat. Und er galt den Neuerern als ein gefürchteter Kämpfer. Es war nicht nur sein reiches, jüdisches und profanes Wissen, dessen Arsenal er spielend die Waffen zur Bekämpfung der jüdischen Feinde des Judenthums entnahm, es war seine tiefgründige Gottesfurcht, die ihn vor keinem Ausgang eines zu Gottes Ehre unternommenen Kampfes zittern ließ. Es war seine persönliche Milde und Herzensgüte, es war seine beispiellose Selbstlosigkeit, es war sein gediegener, goldreiner Charakter, es war sein lauterer, vor aller Welt offen daliegender Lebenswandel, den kein Gegner zu verdächtigen wagte, es waren diese und ähnliche Vorzüge des Geistes und des Herzens, die ihn unüberwindlich machten, so verlassen und vereinzelt er auch oft in dem heißen Kampfe dastand, d^n ihm seine amtliche Stellung aufgenöthigt hatte. Er war von Hause aus eine friedliche, versöhnliche Natur, die in zurückgezogener Bescheidenheit davor gezittert hätte auch nur gegen ein Kind hart oder gar ungerecht zu sein. Und dieses engelreine, milde kindliche 'Naturell lohte in kampfbereiter Begeisterung auf, wo unseren Heiliathümern von bundesbrüchiger Bruderhand der Fehdehandschuh hingegeworfen worden war. Bekannt sind die Kämpfe, die er in Stuhlweißenburg den dortigen fanatischen Reformbestrebungen gegenüber siegreich zu Ende geführt hat. Die Rohheit der dortigen Opposition hatte sich bis zu Steinwürfen gegen den Edlen verstiegen! Er aber wich nicht um Haaresbreite von den Anforderungen des Religionsgesetzes und verhalf der Sache des orthodoxen Judenthums durch diese eiserne Festigkeit zum glänzenden Siege. Die Sache war gerettet; aber er selber wollte in der vom Hader zerriffenen Gemeinde nicht länger weilen. Er legte, trotzdem er Vater einer zahlreichen Familie lieber sein Amt nieder ohne Aussicht auf eine andere Stellung, als daß er auch nur die kleinste Observanz dem Drängen der Gegner geopfert hätte. Bald darauf wurde der Verblichene nach Kolin berufen. Als Beweis für die Achtung und Verehrung, die der Heimgegangene dort genoß, sei nur die eine Thatsache erwähnt, daß in den jüngsten Tagen seiner schweren Krankheit selbst Christen für seiner Wiederherstellung beteten! Auch schriftstellerisch war der Hingeschiedene thätig, wenn auch seine vielseitigen Berufspsiichten, wie er sie auffaßte und erfüllte, ihm wenig Zeit und Muße zur Abfassung größerer Werke übrig ließen. In Hirsch's „Jeschurun" finden sich mehrere größere Abhandlungen, die in jedem Zuge dem tiefen Kenner,

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