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Der Israelit · 1896-02-10 · Heft 12 (10.2.1896) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 12 (10.2.1896)
Date
1896-02-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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245 Lehrer Moses von seinem Volke verabschiedet und mit diesen Worten verabschiedete sich auch unser verehrter Oberhirte, Rabbi MvzrS, L-^vi. E h r e n r c i ch '"3, von seinem heiligen Amte, da er das 77. Lebensjahr schon überschritten und ihm seine Gesundheit es nicht mehr gestattet, sich den Obliegenheiten eines Seelsorgers mit vollen Kräften zu widmen. Er verzichtete daher freiwillig auf seine Stelle mit Hinzufügung des Wunsches, es möge bald sein Nachfolger ernannt werden. Unser Eultnsvorstand nahm mit großer Betrübniß diese Demission an, setzte dem zurückgetretenen Oberhirten ein entsprechendes Ruhegehalt aus, und ernannte ihn zum Ehren-Oberrabbiner. Da Oberrabbiner Ehrenreich nicht mehr als Seelsorger fungiren wird, so kann man es offen gestehen, daß er sich während seiner nahezu 50jährigen Thütigkeit als Rabbiner keineswegs als Himmelsstürmer erwiesen hat, und wenn er auch als Zögling des Paduacr Rabbiner-Seminars für die Orthodoxie geradezu keine Lanze einlegte, so war er anderseits wieder auch kein fanatischer Reformer und huldigte er mehr der Mittelstraße, dem sta-tus quo. Die Neuwahl eines Oberrabbiners wird voraussichtlich erst im Frühlinge stattfinden. Belgien. Brüssel. Eine wunderliche Meldung bringt die Wiener „Neue Freie Presse" auf dem Umwege über Belgien. In Brüssel wurde nämlich einem Juden aus angesehener Familie, der sich zur Ablegung des diplomatischen Examens gentelbet hatte, bedeutet, er könne sich die Prüfung ersparen, da einem stillschweigenden Uebereinkommen aller Regierungen zufolge kein Jude zu einer diplomatischen Stellung zugelassen werde. Schade, daß man dem Bewerber nicht auch den Grund dieser Gepflogenheit sagte! Das hieße also zugeben, daß der Jude unfähig sei, eine Vertrauensstellung im diplomatischen Dienst zu bekleiden. Die Nachricht tritt ziemlich positiv auf, aber an das „Uebereinkommen" glauben wir doch nicht. England, Italien und Amerika haben wiederholt jüdische Diplomaten an die Höfe von Wien, Paris, Bukarest, Konstantinopel u. s. w. geschickt, und. man hat nicht gehört daß sich die Regierungen geweigert hätten, sie anzuerkennen. Arabien. Mogador (Marokko). Die Judenverfolgungen haben in Marokko wieder begonnen. Vor einiger Zeit war Jedermann des Lobes voll über die Tapferkeit Kaid Wida's, mit welcher er die Stadt gegen die Rebellcn vertheidiZ hatte. Nun tritt er wieder in Vordergrund, aber in welchem Lichte zeigte er sich! Welche Unmenschlichkeit bewies er im folgenden Falle. Ein 12jähriger Knabe, Namens Simeon Nilton, folgte mit einem Trupp maurischer Knaben einer Abtheilung durch die Straßen marschirender Soldaten. Einige Fanatiker brachten das Kind vor Wida und bezeichneten es als Muselmann. Der Knabe leugnete, daß er ein Mohamedaner sei, worauf Seine Excellenz ihm 100 Peitschenhiebe verabreichen und ihn mit der Drohung einsprrrrn vt würde weitere 200 Peitschenhiebe bekommen, falls er nicht erkläre, daß er ein Muselmann sei. Auf die Intervention der jüdischen Gemeinde hin erklärte Wida, die Züchtigung würde „in Anbetracht des judendlichen Alters" Nitton's in zwei Abtheilungen vollzogen werden. Nun wendete man sich an den britischen und französischen Viceconsul, und diese Herren versprachen bereitwilligst Hilfe Sie schrieben an den Gouverneur von Mogador, indem sie die Unmenschlichkeit Wida's und Mustapha'S der schärfsten Kritik unterzogen und baten ihm zum Schluffe, sich an den Gouverneur der Stadt Marokko zu wenden, mit dem Ersuchen, er möge erstens dem jugendlichen Gefangenen die Freiheit wiedergeben, ferner den jüdischen Unterthanen überhaupt eine beffere Behandlung zutheil werden lassen. Mit größter Spannung wartet man nun auf die Wirkung dieser Briefe. Nachträglich versicherte Wida, nicht er sei es, der das Kind nicht freilassen wolle, sondern er würde auf Kadi's Befehl gefangen gehalten. Auf diese Nachricht hin, intervenirte man bei Kadi Mustapha, und was erklärte dieser? Wida fürchtet sich nun und schiebe deshalb ihm die Schuld zu. Es bleibe nichts anderes übrig, als schriftlich um die Befreiung des Knaben zu bitten. Er selbst (Mustapha) sei in dieser Angelegenheit machtlos. Mesopotamien. Hilleh (Babel) am Euphrat. Bei der Niederreißung der alten Stadtmauer hier, welche die Pforte jetzt ausführen läßt, stieß man neulich auf einen mit Keilinschrift bedeckten Stein, der noch aus der Regierungszeit des babylonischen Königs NabonideS ('Tj n3) herstammt. In diesen Inschriften, die wahrscheinlich von einem Magier ('3v) angefertigt wuroen, wird uns genau der Tod des assyrischen Königs San Harib (mruD), der bekanntlich von einem seiner Söhne meuchlings ermordet ward, gefchiloert, und zwar ganz getreu so, wie ihn die heil. Schrift selbst erzählt. Hierauf wird uns die Ausrufung des Nabonides und dessen Krönung zum Könige von Babylon getreulich geschildert. Auch von einem wunderbaren Traume, den dieser König hatte und in dem ihm fein Borgänger auf dem Throne Nabo-Chad- Nazar (-,*312133) erschien, wird uns Einiges erzählt. Nabonides bestieg ungefähr vierzig Jahre nach der Zerstörung des ersten Tempels den babylonischen Thron, und soll er vierzehn Jahre regiert haben. Jndeß scheint aber, daß zu seiner Zeit das babylonische Reich schon sehr reducirt war und sich blos noch auf das Gebiet zwischen Euphrat und Tigris erstreckte.

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