Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 12 (10.2.1896)
- Date
- 1896-02-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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241 „Ich stehe mit meinem Leben für Eure Gnaden ein, gnädige Frau Comtesse!" Die Comtesse ließ ihren Blick prüfend über Jean, der sie mit seinen treuherzigen Augen ansah, gleiten. Das Resultat ihrer Prüfung schien zu ihrer Zufriedenheit ausgefallen zu sein, denn ein sanftes Lächeln milderte die Strenge ihrer Züge. „Ich will Dir vertrauen," murmelte sie kaum hörbar. „Willst Du mir nicht mittheilen, was Du vom Verschwinden Gaston's, oder wie seine Mutter ihn nannte, Elchonon's weißt?" „Zu Befehl, gnädige Frau!" versetzte Jean, „nur weiß ich leider sehr wenig davon zu erzählen. Bei der allgemeinen Verwirrung, die gestern auf dem Schlosse geherrscht hatte, achtete Niemand auf den Knaben. Auch heute würde Niemand von seinem Verschwinden etwas erfahren haben, wenn nicht Herr Doctor Blum nach ihm und nach Susann« verlangt hätte." „Und hast Du bei der Dienerschaft nachgeforscht? Hat Niemand Susanna und den Knaben bemerkt?" „Zu Befehl, gnädige Frau! Auf Veranlassung des Herrn Doetor Blum habe ich bei der Dienerschaft und auf dem Bahnhofe mich erkundigt." „Und was hast Du erfahren?" frug die Gräfin mit athemloser Spannung. „Sehr wenig, gnädige Frau! Von der Dienerschaft wollte blos Frantzvis, der Hirtenbub'/, gestern beim Anbrechen der Dunkelheit Susanna eine Reisetasche in der einen, den Knaben an der anderen Hand auf der Straße nach R . . . . mond gesehen haben. Und.!" „Und das nennst Du wenig, Du Thor?" rief die Gräfin aus, „schicke mir sofort den Francois!" „Zu Befehl!" Jean machte kehrt und wollte das Zimmer verlassen; aber der Ruf der Gräfin hielt ihn zurück. „Doch halt, Jean! Was geschah nach der Aussage des Francois? Hast Du da irgend welche Maßregel getroffen, zur weiteren Verfolgung der angegebenen Spur?" „Ja, gnädige Frau! Auf Veranlassung des Herrn Doctor Blum zog ich Erkundigung auf der Bahn ein." „Und was hast Du dort erfahren?" „Daß allerdings eine alte Frau, die nach der Beschreibung des Bahnbeamten Susanna nicht unähnlich ist, in Begleitung eines Knaben nach M . . . gereist sei!" „Und von dieser wichtigen Nachricht erhalte ich jetzt erst Kenntniß?" „Ich kam soeben von der Bahn," entschuldigte sich Jean. „So, so," besänftigte sich die Comtesse. „Nun! was weiter?" „Dem Beamten ist die Frau aufgefallen, weil sie zuerst ein Billet nach Deutschland ohne Ortsangabe verlangt hatte; erst als sich der Beamte nach dem Bestimmungsort erkundigte, wollte die Frau von Deutschland in ihrer Zerstreutheit geredet haben und löste ein Billet nach M . . ." „Demnach kam die Frau dem Bahnbeamten verdächtig vor?" „Ja, gnädige Frau! Ihr Benehmen erregte in ihm den Verdacht, daß sie etwas Unrechtes begangen haben müsse!" „Und hat er Sie nicht telegraphisch beobachten lassen?" „Nein, er that es nicht, weil es nicht sein Beruf ist, die Reisenden beobachten zu lassen." „Und hast Du Doctor Blum von dem Resultate Deiner Nachforschung Mittheilung gemacht?" „Noch nicht, gnädige Frau, denn ich wurde zu Ihnen beschieden." „Es ist gut," nickte die Gräfin und sann eine Weile nach, „Du wirst jetzt auf die Polizei gehen und die Anzeige von dem Verschwinden des Knaben machen. Ich verspreche Jenem eine Belohnung von drei Tausend Franken, der mir eine sichere Kunde von dem Aufenthalt des Knaben und Susanna's bringt." „Zu Befehl, gnädige Frau!" „Außerdem wird es gut sein," fuhr die Comtesse fort, „wenn Du Doctor Blum aufmerksam überwachen wirst und von allen seinen Schritten mich in Kenntniß setzt. Ich habe Grund, Doctor Blum zu mißtrauen und ihn mit dem Verschwinden Gaston's in Zusammenhang zu bringen." „Zu Befehl!" erwiederte Jean mit unverkennbarem Staunen, wagte aber keinen Einwand zu machen. „Du wirst zu Herrn Bloser, dem Unterrabbiner gehen und ihn bitten, daß er sich zu mir begebe. Bloser ist schlau wie ein Fuchs und für Geld zu Allem zu haben. Wer weiß, ich werde vielleicht seine Dienste nöthig haben. Ich baue auf Deine Verschwiegenheit, Jean!" „Zu Befehl, gnädige Frau!" Er machte eine tiefe Verbeugung und verließ das Zimmer. (Fortsetzung folgt.) Wochen - Kalender. Freitag, 14. Februar, 30. Schebat, n“TI 'N DV. Sabbat-Anfang in Mainz 5 Uhr 15 Min. «amstag, 15. Febr., 1. Adar, DpDttf'Ö p’üööi n*T? ‘2 nonn ynty p Sabbat-AuSgang in Mainz 6 Uhr 30 Min.