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Der Israelit · 1896-02-06 · Heft 11 (6.2.1896) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 11 (6.2.1896)
Date
1896-02-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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221 Rebb Bloser, der durch das unerwartete Dazwischentreten des Herrn Doctor Marpua etwas befangen zu sein schien, nahm seinen ganzen Muth zusammen, kräuselte seine Lippen zu einem süßen, widerlichen Lächeln und mit salbungsvoller Stimme begann er: „Ich begreife mir nicht, lieber Herr College, weßhalb Sie sich mir weigern der Comteffe die Tauwe*) zu thun und sich zugeben, daß sich die Frau Judith Pelouse in einem silberbeschlagenen Sarg und mit ein Paar Blümchen begraben werde. Oser^) ist es sich doch eigentlich nicht. Warum? Wann es sich oser wäre, so würden sich die großen Lait in schonim Kadmauniaus^) nicht in kostbaren Gewändern — wie man es sich erzählt — begraben gelassen haben. Aber selbst wenn es sich schon oser wäre, ist es sich die Frage, ob es sich auch in diesem Falle oser ist. Warum? Weil wir sie doch nicht so begraben laffen. Warum nicht? Weil wir es sich für oser halten. Wer also läßt sie sich so begraben? Die Gräfin und die Gräfin ist sich eine Christin und darf sich so begraben lassen!" Ein Blitz edler Entrüstung flammte in den Augen des Doctor Marpua auf und in nervöser Erregung bebte seine edle Gestalt. Man sah es ihm an, daß es ihm schwer siel sich zu beherrschen. „Eigentlich sollte ich Ihnen, mein Herr," sagte er eisig, „auf eine solche Zumuthung -gar keine Antwort geben, wollte ich den Rathschlag des weisen Königs befolgen, der gebietet, die Thorheit des Thoren unbeantwortet zu lassen. Allein es wäre sündhaft, Ihre falschen Auffassungen mit anzuhören, ohne die wohlverdiente Zurechtweisung zu geben. Also hören Sie. Wie im Leben, so soll auch rm Tode der Jude auf äußern Tand keinen Werth legen. Wie im Leben nur eine Lehre das jüdische Herz für Recht und Pflicht entflammt, ein Gesetz den Adel seiner Gesinnung bewirkt, sein Denken und Fühlen, Reden und Streben regelt, so soll auch mit den irdischen Hüllen der israelitischen Todten ein und dasselbe Verfahren ftattsinden, gleichviel, ob es der Leichnam eines Angesehenen, ob eines Geringen. Wie der jüdische Gottesdienst nicht durch schwellende Töne harmonischer Chöre, nicht durch die rauschende Accorde der Musikklänge bestehen und befestigt werden soll, weil sein ganzes Leben ein ewiger Gottesdienst, eine fortschreitende Pflichterfüllung bildet, so soll er auch bei der Beschäftigung mit seinen Todten zeigen, daß er nicht nöthig habe, das Andenken des theuern Verstorbenen durch Prunk und äußern Glanz zu ehren. Endlich, wie in jüdischem Gotteshause kein Standesunterschied herrscht. Arm 1) Die Gefälligkeit; 2) verboten; 3) in ehemaligen Zeiten. und Reich, Priester und Laie dieselben Rechte, dieselben Pflichten haben, so soll die Bestattung der Leichen mit derselben Liebe, aber auch in der einfachen, prunklosen Weise stattfinden. Daher wurde dem Andenken des Rabbon Gamliel's ein besonderer Becher und Segensspruch bei der Tröstung der Trauernden geweiht, weil er, nachdem die Reichen des Volkes einen Luxus bei der Bestattung der Leichen zu entfalten begonnen, befahl, daß man ihn in einfachen leinenen Gewändern beerdige, und er so für die einfache Bestattung der Todten eintrat. Wahrlich! der Jude, dessen Leben in harmonischem Einklang mit der göttlichen Lehre, der sein Leben auf die Grundpfeiler des jüdischen Gesetzes begründet; erbedarf keines prunkvoll mit Blumenbeflanzten Grabes keines gemeißelten Denkmals. Sein Denkmal sind seine Kinder, seine Familie, die Träger seiner geistigen Güter; von den ewigen, harmonischen Banden der himmlischen Glückseligkeit umschlungen, genießt er den Lohn seiner Treue und seines Pflichteifers. Es wird daher ein himmmelschreiendes Unrecht fein, Herr Bloser, wollte man der Frau Pelouse — Friede mit ihr — nehmen, was ein besonderer Vorzug ihres Volkes ist. Ihr Leben war immer ein echt jüdisches; soll man es jetzt, wo sie nicht mehr protestiren kann, ungestraft wagen dürfen, ihre Leiche unjüdisch zu bestatten? — Nein! — Das kann Ihr Ernst nicht sein, gnädige Frau!" Eine feierliche Stille herrschte in dem Gemache, während Doctor Marpua diese begeisterten Worte sprach. Die Gräfin und Doctor Blum lauschten mit angehaltenem Athem; selbst Rebb Bloser ließ eine Weile seine scheinheilige Maske fallen und stand verblüfft da. „Ich habe immer hohe Achtung vor der einfachen Beerdigung der Juden gehabt!" — erklärte Doctor Blum nach einer Pause, indem er Rebb Bloser mit einem schadenfrohen Blick streifte. — „Es liegt etwas Philosophisches in dieser Einfachheit. Der Körper, die werthlose Erde, wird in fast werthlosen Kleidern der Erde übergeben! dcm Geiste des Menschen dagegen wird im Geiste ein Andenken geweiht! — Nun, warum beehren Sie immer noch mit Ihrer Anwesenheit?" wandte er sich plötzlich an Bloser, dernoch immer fassungslos dastand. „Ich meine, Sie haben genug gehört und ich garantire Ihnen, daß Sie die tausend Franken nicht verdienen! Denn abgesehen davon, daß auch die Comtesse, — wie ich vorausfetze — jetzt auf jeden Glanz bei der Bestattung der Frau Judith verzichtet, werde ich mich einer solchen Beerdigung mit aller Karst widersetzen. Haben Sie gehört?" Bloser raffte sich auf, nahm seine ganze Kraft zusammen und versetzte mit seinem süßen Lächelü :^ „Habe ich mir tausend Franken nicht verdient? Nein! — Warum nicht? weil ich mir noch sie gar

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