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Der Israelit · 1896-01-30 · Heft 9 (30.1.1896) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 9 (30.1.1896)
Date
1896-01-30
Page
– (sequence 22)
Language
German
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190 folge», bis der Fahrweg gefunden ist. Inzwischen dämmerte es, Dunkelheit breitete sich über die Erde und die weite, schimmernde Schneedecke nahm einen bläulichen Glanz an. Der Himmel war wolkig, der Frost schien etwas nachzulaffen und Reb Sekel rannte seinem Ziele zu, kaum athmend, jedesmal stolpernd und gepeitscht von dem Gedanken, daß jedes Ruhehalten den Tod bedeute. *£>, Gott, hilf mir nur den Weg finden," jammerte er, „soll ich denn hier sterben, in dieser frostigen Nacht, unter freiem Himmel?" Er horchte nach allen Seiten, ob nicht Gott sich erbarmt und einen Reiter gesandt habe. Aber ringsum war alles abgestorben und öde, nur einige verlassene Bäume starrten vielarmig und eingefroren. wie Gespenster in die Dunkelheit. Plötzlich verloren sich die Abdrücke im Schnee und Reb Jekel fühlte, wie ihm das Herz stille stand. Was thun? Er war keines Schrittes fähig und lief Gefahr umzustnken. Doch steh' da! Hier war ja der Fahrweg! Es zeigten sich zwei parallel laufende Spuren, wie sie nur ein schwerer Schlitten zurückgelaffen haben konnte. Reb Jekels Herz wurde auf einmal so voll von Dankbarkeit, daß er kein Wort hei Vorbringen konnte. Er lispelte nur: „O, Gott, o. Gort!" . . . . Nun mußte gewiß bald ein zweiter Schlitten kommen, und seine Pein war zu Ende. Aber die große Erschöpfung konnte er nicht bemeistern. „Nur ein wenig ausruhen, nur ein ganz klein wenig, nur einen Augenblick," so bat er inständigst stch selbst um Erlaubniß und suchte d'e Stimme in seinem Innern zu betäuben, die ihm zurief, der Lockung zu widerstehen, „nur eine kleine Weile will ich hier sitzen, dann will ich weiter gehen, Gottes Hilfe ist ja nahe." Er setzte stch in den Schnee nieder und begann, die Lippen kaum bewegend das Abendgebet. Doch bald überwältigte ihn eine große Müdigkeit, die stch wie ein Nebel verwirrend auf seine Sinne legte. Nun war es warm hier zu fitzen und weich, aus den Füßen war die Kälte ganz verschwunden, ja er fühlte gar nicht, daß er Füße hatte, und Ohren, Nase, Fingerspitzen, waren auf einmal warm. Ihn durchrieselte ein ganz unaussprechlich wonniges Gefühl. Aus weiter, weiter Ferne glaubte er eine Stimme zu hören, die seinen Namen rief. Es war der Rebbe. „R b Sekel, Reb S.kel, ist Reb Sek l nicht da?" Ja, er ist da und wird gleich singen. Doch nein, wie seltsam! Er fühlt ja, daß er hier sitzt, und doch glaubt er sich deutlich zu sehen, wie er auf dem Almemor steht, hoch über den Köpfen der versammelten Menge, und Lcho-Daudt singt. Die ganze Synagoge ist ein einziges Meer von Licht, Alle tauchen darin unter und blicken ihn an, er aber fingt und singt, ohne Aushör. Langsam bewegt sich das Almemor nach oben, jene versinken immer Ücker, er erhebt stch immer höher und höher und zwischen ihnen schwebt e'n endloses Meer von Strahlen und Tönen .... * * * Der Schnee fiel in dichten Flocken zur Erde herunter. Dce Flocken wirbelten und tanzten in der Luft auk und nieder und verhüllten die Welt mit einem Schleier. Allgemach häufte stch am Wegrand ein Schne hügelchcn an, und darunter schlief Reb Sekel den ewigen Schlaf. ■r Anzeigen, -wm Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. ■mmmbmwmbwbmbwbbwmtwpmmt—I <fi i wwn t ,»i h— riDD Für meine HDD Wesach-Khocot'ade und Kacao (Marke Compagnie Fran^aise) mein Hochs. Tafelöl riDD bv (Ersatz für O'ivenö'). sowie für alle Colorrialwaaren, Conserven u. Spirituosen NOO 7V n hme Aufträge entgeg n. :... Preislisten Versende auf Uevlangen. z: : v Frankfurt a. 31. David Bauer. BSrnestratze 29. 446) Ref: Sr. Ehrwürden Herrn Dr. Breuer '"j Rabbiner der Jsr. Religionsgcsellschaft dahier. TTn jeune commercantancien voyageur, äge’ de 33 ans demande une könne place de voyageur de preference dans les tissus ou confections pour faire la Suisse Fran^aise et au besoin la France et l’AIgerie. Sennes References. Friere d’adresser les Offres. ä Mr. Th. Lob, ä Aigle. _(43U_ Herzliche Bitte. Eine arme Braut (Waise), alleinstehend und aus anständ. Familie, bitter edeldenkende Glaubensgenossen um freundliche Unterstützung. Gaben nimmt unter Nr. 470 d. Exp. d. Bl. entgegen.

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