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Der Israelit · 1896-01-30 · Heft 9 (30.1.1896) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 9 (30.1.1896)
Date
1896-01-30
Page
– (sequence 17)
Language
German
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für bosG^“-' Mrthodoxe NuderrlhumH l~OMO 5 E Sv*?' ssNr S 80. Jan. 1896.] .? m TV pj| <•* Im Schnee. Von B. W. Segel. —---—- „Komm, o Freund, der Braut entgegen, „Königin Sabbat laß' uns empfangen!" Dieses Verslein trällerte leise vor sich hin Reb Sekel Melammed, während er vergnügt in der niedrigen Stube auf- und abging und seinen Tallis zusammenfaltete. Oben an der Wand qualmte die Lampe und erhellte nur schwach den Raum, aber durch die Fenster drang der blaue Schein des erwachenden Wtntertages. Drautzen mußte ein grimmiger Frost sein, denn die Scheiben waren von einer dicken Eiskruste überzogen, aber im Herzen Reb Sekels herrschte eitel Freude und Wärme. Denn heute sollte er sie auf zwei, drei Tage los werden, seine Schüler, die vier Holzklötze, welche ihn um seine Lunge brachten, wenn er ihnen einen Theil des Wochenabschnitles beibringen wollte; und deren Vater, den brummigen, verbauerten Schankwirth, der jeden Gruß nur mit „hm! hm! beantwortete; und seine dicke Elnhälfte, die-ewig keifende und fluchende Hausfrau. R b €>tM fühlte sich hier wie in der Hölle, aber es war offenbar Gottes Wllle, daß er in diesem entlegenen Dorfe, in dieser Wüste, unter ungeschlachten und rohen Menschen noch diesen Winter hindurch das veinvolle Dasein eines Hauslehrers fristen sollte. Und Reb Sekel murrte nicht. Doch jetzt, da er aus Sabbat Chanukka nach Hause sollte, war er freudig erregt, wie wenn ihm ein großes Glück bevorstünde. Was war es aber auch herrlich, einen Sabbat, und erst einen solchen Sabbat, zu Hause, bet den Seinigen r zu verbringen. Man mußte, wie er, zwei Monate I lang in der Fremde gelebt haben, um das fühlen zu können. Darum drängten sich ihm auch die zwei fröhlichen Verse des Sabbatliedes und noch viele andere Verse und Melodien auf die Lippen, die er herunterschlucken mußte, denn der Hausherr liebte nicht, daß man sang. Dafür wollte er sich aber heute Abends schon schadlos halten. Daß er und kein anderer heute Abend in der dichtgesüllten, lichtstrahlenden Synagoge das L'cho Daudi singen würde, stand fest. Denn sobald man zu dieser Stelle kam, machte der Vorbeter gewöhnlich halt, und der Rebde, in seinem Winkel am äußersten Ende der Ostwand, wendete das ehrwürdige, graue Haupt und rief über die Versammelten hinweg: „Rlb Sekel! Ist Reb Sekel nicht da?" Und wenn Reb Sekel da war, mußte er hinauf und das L'cho-Daudi vortragen. Es dauerte eine geraume Weile, bis er sich zum Almemor hinauf durchdrängte, besonders an einem „guten" Sabbat, wie Sabbat-Chanukka, da Chasstdim aus allen Weltgegenden zum Rebbe kamen und die Synagoge so voll war, daß keine Stecknadel zur Erde fallen konnte. Das murmelte und rauschte und raunte, wie ein vom Winde bewegter Wald. „Wer ist das? Wer ist das?" „Ah, R.b Sekel wird L'cho- Daudi singen!" Dann stimmte er das herrliche Lied an, und die Leute waren still, daß keiner Athem zu holen wagte. Zuerst sang er leise, gleichsam zugend und unsicher, denn R-b Sekel war schüchtern und wenn er fühlte, daß all diese unzähligen Augenpaare auf ihm gerichtet waren, wurde er befangen. All-

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