Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 9 (30.1.1896)
- Date
- 1896-01-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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175 auf sich geladen haben, indem sie sich einer irregeführlen Gesellschaft anschließen. Empfangen Sie . . . rc. Auf diesen Brief erschien ein neuer Artikel im „Univers", gezeichnet uu ruddiu, der empfiehlt, wenn man keine Zeit hat den ror zu halten, so doch wenigstens Ktdusch und Hawdoloh zu machen und dergleichen mehr. Der „UniverS" verspricht in nächster Nummer eine Antwort auf alle Entgegnungen zu geben, auf diese dürfen wir gespannt sein. 8. G. AerrMeto«. |>er Letzte seines Stammes Erzählung von Alphon fr de la Haye. 8) (Alle Rechte Vorbehalten.) „Und eine solche Bitte wagen Sie mir vorzutragen?" rief Doktor Blum außer sich vor Entrüstung. „Sie scheinen vergessen zu haben, gnädige Frau, daß ich ebenfalls Jude bin und als solcher von dem Vater Elchonons berufen wurde, über das geistige und leibliche Wohl seines Kindes zu wachen!" „Wohl weiß ich, daß Sie dem Namen nach dem Judenthume angehören," lächelte die Gräfin sanft und siegesgewiß, „aber Ihre moderne und tolerante Anschauung lassen mich die Hoffnung hegen, daß Sie mir Helsen werden, das Glück Ihres Mündels zu begründen." „Lächerlich!" polterte Doctor Blum und die Zornesader an seiner Stirne schwoll zusehends. „Ja, lächerlich! einen Religionswechsel nennen Sie das Glück meines Mündels und . . . ." „Ist das Erbe des Namens und des Reichthums der Pelouse nicht ein Glück zu nennen?" unterbrach ihn die Gräfin. „Im Vergleich zu der Forderung, die Sie stellen, keineswegs," keuchte Doktor Blum und ballte seine Faust, „Sie unterbrachen mich und ließen mich vorhin nicht ausreden. Ich wollte Ihnen blos sagen, daß Sie Ihre Mühe sparen können! Mag der Jude noch so modernen Anschauungen huldigen, seine Religion ist ihm doch zu heilig, um Schacher mit ihr zu treiben! Und jetzt lassen Sie mich mit Ihren hirnverbrannten Ideen in Ruhe!" „Sie werden beleidigend, mein Herr!" ries die Gräfin und schnellte von ihrem Sitze empor. „Glauben Sie nicht, daß man sich unter der jetzigen republikanischen Regierung alles einer Dame meines Standes gegenüber erlauben darf! Ich werde mein Recht suchen und es auch finden; die Vormundschaft über Gaston wird mir zugesprochen werden." Sie richtete sich empor und ihre Gestalt schien zu wachsen. Bevor noch Doctor Blum Zeit zu seiner Erwiederung fand, wurde die Thüre aufgerissen und ein Diener von Saint-Andr6 stürzte in das Zimmer. „Bitte, Herr Doktor!" sagte er athemlos, „kommen Sie schnell nach Saint-Andr6! Es ist eine plötzliche Veränderung im Zustande der Frau Verwalterin eingetreten!" Doktor Blum erblaßte und verließ eiligst das Zimmer, während die Gräfin bei dem Diener genauere Erkundigungen einzog. 12. Kapitel. Die Flucht. Die Sonne stand im Begriffe hinter dem Hügel Saint-Andr« zu versinken und überfluthete den Schloßthurm mit Purpurröthe. Im Schlöffe herrschte eine peinliche, tiefe Stille; die Diener < ngen mit betrübten Gesichtern auf ihren Zehen umher, obwohl der Corridor mit Teppichen belegt war und den Schall ihrer Fußtritte dämpfte. Drinnen in dem Zimmer, in welchem wir am Anfang unserer Erzählung Elchonon und seine Mutter belauscht haben, erblicken wir noch immer am Lager der Gebieterin die alte Susann«. Ihre Augen irrten wie suchend in das Leere mit angstvollem Ausdrucke, als meine sie, in der Ferne ein Schrcckbild zu entdecken, dem sie auszuweichen strebte und das dennoch unerbittlich stets von Neuem vor ihre Seele trat. Ach, welche trübe Gedanken, welche schmerzliche Gefühle zerwühlten ihr treues Herz! Judith war ihr Sonnenschein, ihr Glück. Wie schön hatte sie in früheren Zeiten von ihrer Zukunft geträumt; wenn sie einmal ihre alten Knochen nicht mehr rühren kann, dann wird ihre Judith für sie sorgen und sie wird sich weiter in ihrem Glücke sonnen können! Und jetzt? Schaudernd hüllte sie sich in ihr Tuch. Was lag jetzt noch daran, ob Winterstürme um ihr Leben heulten, ob Sonnenschein, wie zum Hohne, auf den blühenden Fluren lächelte? Aus ihrem Leben war der Sonnenschein gewichen und die rauhen kalten Stürme werderl sie bald erfaßen und sie in ein Meer von Jammer und Elend stürzen . . . Ihre Judith, das Kind, das sie geliebt, gepstegt hatte, ringt jetzt den letzten Kampf mit dem Tode .... Sie hatte zu beten versucht und vermochte es nicht: die Gedanken, die fiebernd, durch ihr Hirn eilten, waren nicht fähig, sich zu einer Bitte zu sammeln . . . . Und weshalb auch? Um was sollte sie bitten? . . . . Gottes Wille geschehe! Da öffneten sich noch einmal die großen Augen Judiths und blickten starr, gläsern auf Susann«. Diese beugte sich über ihre sterbende Herrin und sie vernahm die Worte: „Gedenke.... Deines .... Schwures! . . . Gottes .... Segen .... begleite .... mein Kind!"